Full text: Hessenland (4.1890)

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Buche, bis auf unsere Tage. An die Eröffnungs 
feier reihten sich solenner Frühschoppen im Hanusch- 
schen Saale und Nachmittags ebendaselbst Konzert, 
Festgesänge mit Orchesterbegleitung rc. und Ball. 
Das Fest nahm den schönsten Verlauf. — Ueber die 
Kasseler Ausstellung selbst werden wir später be 
richten. 
Die Eröffnung der vom Marburger Zweigverein 
des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 
im Rittersaale des Schlosses in Marburg zur Feier 
des 450. Geburtstages der Erfindung der Buch 
druckerkunst veranstaltete Ausstellung von hessischen 
Druckwerken ist vom 24. Juni auf den 29. Juni 
verlegt worden. Wir werden auch über diese Aus 
stellung, welche eine sehr reichhaltige zu werden ver 
spricht, einen besonderen Bericht bringen. 
P. Karl Braun S. I. Unser berühmter 
hessischer Landsmann und ehemalige Schüler des 
Fuldaer Gymnasiums, der einst zu den Füßen des 
großen Secchi seine physikalischen und astronomischen 
Studien machte, dann als Direktor der Haynald'schen 
Sternwarte in Kalocsa thätig war nnd sich jetzt zu 
Mariaschein in Böhmen seines wohlverdienten Otium8 
cum dignitate erfreut, hat bekanntlich ein sen 
sationelles, im vorigen Jahre im Verlage der 
Ascheudorff'schen Buchhandlung zu Münster erschienenes 
Buch „Ueber Kosmogonie" geschrieben und es interessirt 
Sie darum wohl zu hören, wie ein hervorragender 
Physiker und Meteorologe, Dr. I. M. Pernter, in 
einer im „Valerland" erschienenen Artikel-Serie über 
das Buch urtheilt. 
Nach Dr. Pernter's Zeugniß bietet das Braun'sche 
Buch unter dem bescheidenen Titel, den es an der 
Stirne trägt, alles und zwar in vollendeter Weise, 
was man von einer Geschichte der Welt — nicht 
der Menschheit — sondern des Kosmos, erwarten 
kann. Das Buch beruht auf eingehendem, gründlichem 
und zugleich kritischem Quellenstudium und ist durch 
weg, wie ich mich persönlich überzeugen konnte, in 
edler und anziehender Sprache geschrieben. Der Verfasser 
bewährt sich nicht blos als gewandter Mathematiker, 
Physiker und Astronom, sondern auch als scharf 
sinniger Philosoph. Es wird wenige Gelehrte geben, 
meint Dr. Pernter, welche mit den nöthigen Kenntnissen 
für die Geschichtschreibung des Weltalles so vollkommen 
ausgerüstet sind, wie unser Pater Karl Braun. 
Und nicht blos unser Recensent des „Vaterlands" 
urtheilt so. Auch das Urtheil des Direktors der 
Berliner Sternwarte, des Professors Förster, der 
sich nur, wie ich hier beiläufig bemerken will, ein 
wenig an dem Wunderglauben des katholischen Priesters 
stößt, geht im Wesentlichen auf ganz dasselbe hinaus. 
Der Berliner Gelehrte schreibt nämlich in dem ersten 
astronomischen Fachorgane, in der Vierteljahrsschrift 
für die astronomische Gesellschaft, über Brauns Buch, 
wie folgt: „Der Verfasser ist den Astronomen aus 
einer früheren praktischen astronomischen Thätigkeit, 
zuletzt in Ungarn, als ein sinnreicher, wohl- 
erfahrener Forscher, von mancherlei originellen 
Gedanken bekannt, und auch das vorliegende Buch 
läßt Eigenschaften derselben Art, neben einer un 
gewöhnlichen schriftstellerischen Begabung erkennen/ 
Ferner hebt Direktor Förster „die Stetigkeit und 
maßvolle Unterscheidungsgabe für das Gesunde und 
Wesentliche, mit welcher Karl Braun die Dinge 
behandelt", rühmend hervor. 
Auch noch Folgendes möge hier aus dem Urtheile 
Försters eine Stelle finden: „Im Wesentlichen 
beruht Brauns Darstellung der Kosmogonie auf 
der soliden Grundlage der Hypothesen von Kant 
und Laplace, welche jedoch in durchaus sinn 
reicher und zutreffender Weise, gemäß 
der Erweiterung unserer Kenntniß der 
Thatsachen, vervollständigt werden/ 
Ich kann es mir aber nicht versagen, aus dem 
eigenen Urtheile Dr. Pernter's wenigstens auch noch 
die folgenden kurzen Sätze hier anzugliedern: „Die 
Kosmogonie von Braun, von der auch schon Mr. 
Holden, der bekannte Direktor der berühmten Bick- 
Sternwarte in Amerika, eine Uebersetzung ins Englische 
angesagt, hat einen vollen Erfolg aufzuweisen. Die 
ersten Fachblätter der Astronomen haben sie zustimmend 
und lobend besprochen, populärnaturwissenschaftliche 
Zeitschriften empfehlen sie ihren Lesern. Es ist 
P. Braun nicht nur glänzend gelungen, das Laplace'sche 
System durch seine Verbesserungen zu retten, er hat 
in vielen Punkten der Wissenschaft Neues geboten; 
sein Buch bedeutet in vielen Richtungen einen 
Fortschritt/ 
Seien wir also stolz auf unseren Landsmann. 
Hoffen und wünschen wir aber auch, daß er sich 
seines so herrlichen Erfolges erfreuen möge noch ad 
rnultos auu08. A. Hrabert. 
Krieskasten. 
Dr. 0. Gr. Hildesheim. Zu unserem lebhaften Be 
dauern mußten wir Ihren Artikel, für welchen wir Ihnen 
unseren verbindlichsten Dank abstatten, für die nächste 
Nummer zurückstellen. 
K. Sch. Stuttgart. Für Ihr freundliches Entgegen 
kommen sind wir Ihnen zu aufrichtigem Danke verbunden. 
Genehmigen Sie unseren landsmännischen Gruß. 
A. T. Wien. Besten Dank und freundlichsten Gruß. 
J. L. u. F. Gr. Kassel. Aufnahme erfolgt in nächster 
Nummer. Wir bitten die Verzögerung zu entschuldigen. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwengerin Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

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