Full text: Hessenland (4.1890)

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vermischt mit oft Praktischen und treuherzigen Rath 
schlägen. 
Die letzten drei Seiten werden von einem lateini 
schen Gedichte: „Ad vere nobilem D. Guilhelmura 
Adolphum a Dörnberg, cerui inontanae arcis*) 
dominum, patronum suum gratiosum“eingenommen, 
verfaßt von „Excellentiae tuae fidelis cliens 
P. P. p. L. u Das letzte Blatt ist stark ange 
fressen. 
Der Verfasser, Magister Sebastian Schenck, findet 
sich 1517 und 18 als geschworener Schreiber und Secre- 
tär des Marburger Hofgerichts, seit 1521 als Sekretär 
des Herzogs Heinrich von Mecklenburg, des Oheims 
Landgraf Philipps; wurde von ihm im selben Jahre 
auf die Pfarrei St. Petri zu Rostock präsenlirt, 
später zum Propst zu Güstrow befördert und häufig 
zu Staatsgeschäften verwendet. Er starb am 4. Mai 
1546 und liegt zu Güstrow begraben. Da sein Vater, 
Johann Schenck zu Borken, ein unehelicher, erst durch 
Trauung auf dem Todtenbette mit einer Hörigen 
legitimierter Sohn des Henne Schenk zu Schweinsberg 
war, so hatte Sebastian, so wenig wie sein Bruder 
und seine Vettern, keinen Theil an den Schenk'schen 
Lehn- und Stammgütern. 
Der oben erwähnte jüngere Bruder Sebastians, 
Reinhart Schenck (geb. 1500, gest. 1574), war be 
kanntlich einer der 'angesehensten Diener Landgraf 
Philipps. Er fand als Obervorsteher der hessischen 
Hospitäler seine Grabstätte in der Hainer Kloster 
kirche, wo sein gut gearbeitetes Grabmal noch er 
halten ist. 
Darm st ad t, Juni 1890. 
Dr. Gustav Frhr. Schenk 
zu Schweinsberg. 
Aus Heimath und Fremde. 
Am 20. Juni starb zu Stuttgart Dr. Feodor 
Löwe, der gemüthvolle Dichter, der als treuer Mit 
arbeiter, Freund und Gönner unserer Zeitschrift 
„Hessenland" derselben von ihrem Beginne an nahe 
gestanden hat. Seine letzten poetischen Gaben hat er 
wohl unserer Zeitschrift zugewandt. Geboren am 
5. Juli 1816 zu Kassel, Sohn des berühmten Schau 
spielers Ferdinand Löwe, widmete er sich selbst der 
dramatischen Kunst und hat sich als Regisseur des 
Stuttgarter Hoftheaters einen gefeierten Namen er 
worben. Er war ein denkender Künstler, der sich in 
jede Rolle vertiefte und sie sich zu eigen machte. 
Seine Gedichte sind von tadelloser Form und hohem 
Wohllaut. Seinem Heimathlande Hessen hat er sein 
Leben lang die treueste Anhänglichkeit bewahrt. Tief 
empfunden ist sein der „Heimath" gewidmetes Ge 
dicht, welches er in Nummer 1 des „Hessenlandes", 
*) Burg Herzberg. 
Jahrg. 1887, veröffentlichte und das mit den Versen 
schloß: 
Und ward mir auch, Dir fremd und fern, 
Den Herd zu bau'n vom Glück geschenkt, 
Doch denk' ich Deiner oft und gern, 
So wie ein Sohn der Mutter denkt. 
O Hessenland, mein Heimathland, 
Dem Herzen nah, dem Blicke weit, 
Gott halte über Dich die Hand — 
Und sei gesegnet alle Zeit. — 
Nekrolog folgt in nächster Nummer. 
Der Vorstand des Vereins fürhessischeGe- 
schichte und Landeskunde in Kassel hat soeben 
das Programm für die vom 14. bis 16. Juli in 
Fulda stattsindende I a h r es v e rsa mml u ng ver 
öffentlicht. Wir entnehmen demselben folgende Punkte: 
Am 14. Juli, 6 Uhr Abends: Sitzung des Gesammt- 
vorstandes im Gasthofe zum Kurfürsten, hiernach 
geselliges Beisammensein im Bürgerverein; am 15. 
Juli, 9 Uhr Vormittags: Hauptversammlung im 
rothen Saale des Orangeriegebäudes; Vortrag des 
Dr. I. Schneider über „Die Ritterburgen im Ge 
biete des ehemaligen Hochstiftes Fulda"; Vortrag des 
Bauraths Hoffmann über „Bauten m Karolinger 
stile in und bei Fulda". Hierauf Frühstückspause; 
um 1 Uhr Besichtigung der Sehenswürdigkeiten 
Fulda's; um 3 Uhr Festessen im weißen Saale des 
Orangeriegebäudes, nach demselben Gang in die 
Umgebung der Stadt, zum Schluß des Tages: 
Abendtrunk im Kaisersaale. Am 16. Juli, 8 Uhr 
Vormittags: Abfahrt mittelst Parthiewagen vom 
Gasthofe zum Kurfürsten aus nach Schloß Bieberstein 
bezw. nach der Milseburg. 
Am 15. Juni unternahmen Mitglieder des Vereins 
für hessische Geschichte und Landeskunde einen Ausflug 
nach der Mad e r Haid e und auf den Lamsberg. 
Bibliothekar Dr. H. Brunner hielt bei dieser Ge 
legenheit einen Vortrag über die geschichtliche Be 
deutung der Mader Haide, der beifälligst aufgenommen 
wurde. Redner trat dafür ein, daß die Malstätte 
erhalten bleibe, und nicht, wie es heiße, der Gemeinde 
Maden zum Steinbruch überwiesen werde. 
Zur Feier des 450jährigen Jubiläums 
der Buchdruckerkunst haben die Buchdrucker 
Kassels eine Ausstellung älterer und 
neuerer Druckwerke in der Gewerbehalle ver 
anstaltet, welche am 22. Juni eröffnet wurde und 
bis zum 6. Juli dauern wird. Buchdruckereibesitzer 
Ph. Döll hielt die Festrede. In anziehender über 
sichtlicher Weise entwarf er ein Bild der geschicht 
lichen Entwickelung der Buchdruckerkunst in Kassel, 
von dem ersten daselbst unter dem Landgrafen Moritz 
dem Gelehrten 1597 von Wilhelm Wessel gedruckten
	        

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