Full text: Hessenland (4.1890)

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„Ob zum Weibe ich geworden, 
Traun, das mögt Ihr selbst Euch fragen, 
Ungern rühm' ich mich der Wunden 
Die die Franken mir geschlagen." 
„Einen aber sollt Ihr nimmer 
Schmähen und ich will's nicht dulden, 
Den, der einst am Kreuz gehangen, 
Dem wir größ're Ehre schulden." 
„Wollt Ihr selbst dem wahren Gott 
Weiter noch den Dienst versagen, 
Und den alten Göttern dienen, 
Herzog, bitter muß ich's klagen." 
„Eines aber mögt Ihr wissen, 
Glaubt, es kommt aus treuem Munde, 
Ihr auch sollt dem Kreuz Euch beugen, 
Herzog Euch auch kommt die Stunde." 
Aus alter und neuer Zeit. 
Skizzen ans der hessischen Kriegsgeschichte. 
Von Freiherrn Maximilian von DitfurLh, 
weiland kurfürstlich hessischem Hauptmann. 
IX. 
Fehlerhafte Anordnung bei denr An 
märsche der englisch-hessischen Truppen 
zum Angriffe der Stellung bei White 
Plains im Feldzuge von 1 7 7 6 in Amerika. 
Um die bei White Plains, in einem verschanzten 
Lager stehende Armee des Generals Washington aus 
dem Felde zu schlagen und womöglich vom Hudson 
und der in dieser Richtung hinführenden Croton- 
Brücke abzuschneiden und in das — damals noch 
gänzlich unwirthbare, zwischen dem Croton River und 
Fisch Kill belegene Hochland zurückzuwerfen, sollte 
nämlich zunächst gegen den rechten Flügel dieser 
Stellung ein umfassender Angriff unternommen 
werden. Zu diesem Zwecke schlug die englisch-hessische 
Armee von Kingsbridge aus den hierzu geeignetsten 
Weg ein. 
Da der kommandirende englische General Lord 
Howe außer der Anordnung, daß die hessische In 
fanterie, gleich der englischen, stets auf 2 Glieder 
rangiren sollte, auch noch — ein für allemal — 
bestimmt hatte, daß in allen Fällen des Zusammen 
wirkens englischer und hessischer Truppen, letztere 
auf dem linken Flügel zu stehen kommen sollten, so 
war auch dem das hessische Korps kommandirenden 
General-Lieutenant von Heister, bezüglich jenes auf 
die feindliche Stellung bei White Plains zu unter 
nehmenden Angriffes, die entsprechende Weisung er 
theilt worden, den feindlichen rechten Flügel zu um 
gehen, in die Flanke zu fassen und von der Croton- 
„Nimmer hilft Euch Euer Trotzen, 
Nimmer hilft Euch Euer Wehren, 
Größer als der Frankenkaiser 
Ist der Eine, den wir ehren." 
„Trügen mich nicht meine Augen, 
Herzog, wollt Euch nicht belügen, 
Tief schon regt sich's Euch im Herzen, 
Endlich wird er dennoch siegen." — 
Und der Herzog senkt die Stirne, 
Und er wendet sich zum Scheiden, 
Auf dem Waldpfad hört er schallen 
Noch das Kyrie der Beiden. 
Hat der Alte wahr gesprochen? — 
Ob er Schweigen bot dem Munde, 
Tief doch klingt es ihm im Herzen: 
„Dir auch Herzog kommt die Stunde!" 
U. Zttlter. 
Brücke abzuschneiden. Obgleich es sich hiernach von 
selber verstand, daß demgemäß die hessischen Truppen 
die Spitze der Kolonnen bilden mußten, hatte Lord 
Howe aber dessen ungeachtet die Armee nicht links, 
sondern rechts abmarschiren lassen, dergestalt, daß 
unmittelbar hinter den — die Vorhut bildenden 
hessischen Jägern und englischen Schützen, 8 Bataillons 
englischer Infanterie, diesen die Artillerie, dieser 6 
Eskadrons englischer Dragoner und dann erst, obschon 
solche doch den ersten Angriff thun sollte, die hessische 
Infanterie folgte. Da nun zudem der eingeschlagene 
meist durch Wald führende Weg von sehr schlechter 
Beschaffenheit und so eng war, daß nur zwei Mann 
hoch (in Reihen) marschirt werden konnte, auch die 
englische Infanterie, besonders aber die englischen 
Dragoner — weil Niemand hierauf achtete — nicht 
ordenlich aufschlossen, so konnte es nicht fehlen, daß 
die Marschlinie sich allmählich immer mehr ver 
längerte und zuletzt eine Ausdehnung von mehr als 
einer deutschen Meile einnahm. 
So geschah es denn, daß als die Vorhut auf 'die 
feindlichen Vorposten stieß und solche hinter ihre 
Verschanzungen zurücktrieb, zwar die, die Spitze der 
Kolonne bildende englische Infanterie nach und nach 
sich bataillonsweise rechts aus der Kolonne herauszog 
und gegenüber des linken Flügels und des Centrums 
der feindlichen Stellung in Schlachtordnung formirte, 
die hessische Infanterie aber sich zur Zeit noch weit 
rückwärts befand; zumal die uurnittelbar vor ihr 
marschirende englische Reiterei, über alle Gebühr weit 
auseinander gekommen war, weil sie, wie schon er 
wähnt, theils überhaupt nicht gehörig aufschloß, theils 
auch in Folge der häufigen, durch die ihr vormarschirende 
Artillerie erzeugten Stockungen, an einer stetigen 
Fortsetzung ihres Marsches noch besonders behindert
	        

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