Full text: Hessenland (4.1890)

— 14 
Universitätsnach richt e n. Der ordent 
liche Professor der Geschichte in Marburg Dr. 
K onrad Barren trapp hat einen Ruf an die 
Universität Siraßburg erhalten und angenommeu. — 
Die theologische Fakultät der Universität Berlin 
hat dem ordentlichen Professor der Theologie Ineent. 
theol. et Dr. phil. Gustav A d o lf.J ü l i ch e r 
in Marburg die Würde eines Ehrendoktors der 
Theologie verliehen. — 
Unserem hessischen Landsmanne, dem Reichsgerichts 
rath Karl von Specht in Leipzig, welcher mit 
dem I. Januar d. I. in Pensionsstand getreten ist, 
hat die Universität zu Marburg unter dem 31. 
Dezember 1889 die Würde eines Doktors beider 
Rechte verliehen. 
— Der Professor für Kirchengeschichte, Homiletik 
und geistliche Beredtsamkeit an der philosophisch 
theologischen Lehranstalt des bischöflichen Priester 
seminars zu Fulda, Geistlicher Rath Philipp 
Engel, ist zum Domkapitular ernannt und als 
solcher am 17. Dezember v. I. im Dome zu Fulda 
feierlich eingeführt worden. Zweifellos wird Herr 
Engel, der für einen ebenso vortrefflichen Dozenten 
gilt, wie er den Ruf eines ausgezeichneten Kanzler 
redners genießt, seinen Lehrstuhl auch in seiner neuen 
Stellung beibehalten. 
Nekrologe. Unter den im December v. I. 
verstorbenen Hessen befinden sich drei, die alle gleich 
zeitig in den Jahren 1844 und 1845 dem Korps 
Hassia in Marburg als Mitglieder, bezw. als Char- 
girte, angehörten, und uns persönlich nahe standen: 
Bürgermeister Ernst Gebhard von Esch.wege^, 
Dr. meä. Karl Eduard Löbell in Freiburg 
im Breisgau und Landgerichtsrath Friedrich Hell wig 
in Hanau. 
Ernst Gebhard war am 9. December 1823 
in Eschwege geboren. Er besuchte die Gelehrtenschule 
zu Hersfeld, die er zu Ostern 1844 absolvirte, um 
sich in Marburg und Leipzig dem Studium der 
Rechtswissenschaft zu widmen. Nach bestandenem 
Fakultäts- und Staatsexamen praktizirte Ernst Geb 
hard zuerst an dem Justizamte seiner Vaterstadt, 
dann als Referendar an dem Obergerichte zu Fulda. 
Zu Ende der 50er Jahre wurde er zum Bürger 
meister von Eschwege gewählt, welcher Stelle er bis 
zum vorigen Jahre vorstand. Er hat sich durch seine 
musterhafte Verwaltung um seine Vaterstadt große 
Verdienste erworben. Eine Reihe von Jahren war 
er ein sehr angesehenes Mitglied des hessischen 
Komunallandtages. Sein vortrefflicher Charakter, 
die Herzlichkeit, Aufrichtigkeit und Biederkeit seines 
Wesens sicherten ihm die Liebe seiner zahlreichen 
Freunde und die Hochachtung aller, die ihn kannten. 
Er starb, nachdem er schon lange der Kränklichkeit 
verfallen war, am 21. Dezember. Ehre seinem 
Andenken! 
Kart Eduard Löbell war 1826 zu Marburg 
als der jüngere Sohn des Vizekanzlers Professor 
Dr. Eduard Sigmund Löbell geboren, besuchte das 
Gymnasium seiner Vaterstadt und zeichnete sich durch 
hervorragende Geistesgaben aus. Vom Herbst 1844 
bis Winter 1848 studierte er zu Marburg und Leipzig 
Medizin. Nachdem er das medizinische Doktorexamen 
cum laude bestanden hatte, wurde er Assistenzarzt 
an der medizinisch-klinischen Lehranstalt unter Heusinger 
zu Marburg. Schon als Student hatte er sich in 
seinen späteren Semestern den Progreßbestrebungen 
zugeneigt und als im Mai 1849 die Revolution 
in Baden ausbrach, verließ er seine Stellung als 
Assistenzarzt, um sich der dortigen Bewegung anzu 
schließen. Nach Beendigung des Kampfes in Baden 
ließ er sich in Holland als Arzt für die nieder 
ländische Sundainsel Java anwerben und erwarb sich 
in deren Hauptstadt Batavia während einer zwanzig 
jährigen Praxis großen Reichthum. Nach Deutschland 
zurückgekehrt ließ er sich nach kurzem Aufenthalte in 
Frankfurt a. M. in seiner Vaterstadt Marburg, später 
in Freiburg im Breisgau nieder. Dort starb er 
nach schwerem Leiden am 22. Dezember. Ein schöner 
Zug seines Charakters war seine pietätsvolle Liebe 
zu seinen Eltern, insbesondere zu seiner Mutter, 
geb. Berner, einer hochgebildeten Dame, der er die 
sorfältigste Erziehung verdankte. Friede seiner Asche! 
Am 29. Dezember verschied plötzlich in Folge 
eines Herzschlages der Landgerichtsrath Friedrich 
Hell wig in Hanau. Geboren 1824 zu Marburg 
als Sohn des Universitäts-Probators Chr. Hellwig, be 
suchte er das dortige Gymnasium und studierte von Herbst 
1843 bis Herbst 1847 Rechtswissenschaft an der 
Landesuniversität. Als Student war er ein allzeit 
fertiger Schläger, der seine Klinge mit Eleganz und 
Sicherheit zu führen verstand. Nach bestandenem 
Fakultäts- und Staatsexamen trat er bei dem Justiz 
amte in Marburg in den juristischen Vorbereitungs 
dienst. Seine erste Anstellung in der juristischen 
Beamtenlaufbahn erhielt er als Assesior bei dem 
Zustizamte in Frankenberg. Hiernach wurde er zum 
Justizbeamten in Nentershausen ernannt, später als 
Kreisgerichtsrath nach Rotenburg und kurze Zeit 
darauf in gleicher Eigenschaft an das Kreisgericht in 
Hanau versetzt. Am 1. Oktober 1879 trat er als 
Landgerichtsrath an das nach der neuen Gerichts- 
organlsation errichtete Landgericht in Hanau über. 
Im Jahre 1888 war er von der Regierung er 
nanntes Mitglied der hessischen Generalsynode, welche 
über die Einführung des neuen Gesangbuches zu be 
schließen hatte. Friedrich Hellwig war ein sehr tüchtiger 
Jurist. Ueberall, wo er als Beamter gewirkt, er 
freute er sich der allgemeinen Hochachtung und Be 
liebtheit. Er war ein Mann offenen und biederen 
Charakters, treu in der Freundschaft, liebenswürdig 
im persönlichen Verkehre und wohlwollend gegen 
Jedermann. Sit tibi terra levis! A. A.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.