Full text: Hessenland (4.1890)

173 
Fürsterzbischof von Trier und dem Fürstbischof von 
Worms gleiche Aufträge wie früher vom Fürstabte 
von Fulda. Im Jahre 1735 sandte ihn der Erz 
bischof von Prag, Graf von Manderscheid, nach Rom, 
um für seine Couciliensammlung und sonstige Studien 
sich Material zu verschaffen. Auf der Rückreise ereilte 
ihn zu Heidelberg am 6. März 1739 plötzlich der 
Tod. Schannat hat eine überaus fruchtbare schrift 
stellerische Thätigkeit entfallet, und stand er auch 
seinem Vorgänger in der Fuldaischen Geschichts 
schreibung, dem Jesuiten Christoph Brower, der zu 
Anfang des 17. Jahrhunderts in Fulda lebte und 
1612 sein Antiquitates Fuldenses herausgab, an 
Gediegenheit, Gründlichkeit nnd absoluter Zuverlässigkeit 
nach, so ist doch neben seinem Fleiße ganz besonders 
hervorzuheben, daß seine Studien und die darauf 
fußenden historischen Arbeiten außerordentlich um 
fassender Natur waren. Wir führen hier von seinen 
Werken, die speciell die Fuldaische Geschichte zum 
Gegenstände haben, an: Corpus Traditionum Fulden- 
sium, Lipsiae 1724, Fol.; Dioecesis Fuldensis 
cum annexa sua Hierarchia etc.; Francofurti 
1727, Fol.; Fuldischer Lehnhof sive de Clientela 
Fuldensi beneficiaria nobili et equestri tractatus 
bistorico-iuridicus, Lipsiae 1729, Fol.; Vindiciae^ 
Archiyi Fuldensis, 1729, Fol. (gegen die Angriffe 
von I. C. Eckhardt und I. G. Estor gerichtet); 
Historia Fuldensis mit dem Codex Probationuin, 
Lipsiae 1729. Fol. Seine übrigen Werke, die wir 
hier füglich übergehen können, betreffen die Geschichte 
des Bisthums Worms, die Conciliengeschichte,rc. rc. 
— Wir verfehlen nicht, hier die Hoffnung auszusprechen, 
daß sich früher oder später ein berufener lands- 
männischer Historiker mit dem Leben und Wirken 
Schannat's in Fulda eingehender beschäftigen möge. 
K. Z. 
General von Fransecky, ein geborener 
Oberhesse. Der am 21. Mai d. I. zu Wies 
baden verstorbene General von Fransecky hat sich 
als Truppenführer, wie auch als Schriftsteller auf 
dem Gebiete der Kriegswissenschaft einen hochberühmten 
Namen gemacht. Im Jahre 1825, achtzehn Jahre 
alt, in das preußische Heer eingetreten, machte er 
1848 den Feldzug in Schleswig als Generalstabs 
offizier Wrangels mit. In den fünfziger Jahren 
wurden unter seiner Leitung und Mitarbeit verschiedene 
werthvolle Werke in der kriegswissenschaftlichen Ab 
theilung des Großen Generalstabes geschaffen. Nach 
dem er sodann 1860—64 die oldenburgisch-hanseatische 
Brigade befehligt hatte, wurde ihm das Kommando 
der 7. Division (Magdeburg) übertragen. An der 
Spitze dieser Truppe errang er in der Schlacht von 
Königgrätz unverwelkliche Lorbeern. Seiner zähen 
Vertheidigung des Waldes von Benateck, wo seine 
Division zu einem Viertel durch das mörderische 
Feuer der Oesterrreicher kampfunfähig gemacht wurde, 
war es vornehmlich zu verdanken, daß das kronprinz- 
liche Heer noch rechtzeitig die feindliche Flanke zu 
treffen im Stande war. Ebenso bedeckte sich Fransecky 
mit hohem Ruhme in derSchlacht von Gravelotre. 
Hier ging er mit dem 2. (Pommerschen) Armee-Korps, 
das von Pont ä Mousson über Gorze einen 16—18 
stündigen Marsch zurückgelegt hatte, durch die tiefe 
Schlucht von Mance vor und nahm die Höhen in 
unwiderstehlichem, entscheidenden Anstürme. An seinem 
Korps zogen am 29. Oktober die kriegsgefangenen 
Kaisergarden aus Metz vorüber. Am 2. Dezember 
warf Fransecky, dem das Kommando über die zwischen 
Seine und Marne vereinigten Truppen übertragen 
war, den Feind aus den eroberten Dörfern Champigny 
und Brie wider heraus. Im folgenden Monate 
ging er auf dem rechten Flügel der Süd-Armee 
gegen das Heer Bourbakis vor, das er von der 
Verbindung mit dem Süden abschnitt und auf 
Schweizer Gebiet drängte. Nach dem Friedensschlüsse 
erhielt er das Kommando des 15. Armee-Korps 
(Straßburg). Gleichzeitig wurde er zum Chef des 
5. pommerschen Jnf.-Reg. Nr. 42 ernannt; der 
deutsche Reichstag ehrte seine hohen Verdienste durch eine 
Dotation von 150,000 Thalern. Im Jahre 1879 
zum Gouverneur von Berlin ernannt, erbat er 1882 
den Abschied aus seiner ruhmreichen kriegerischen 
Laufbahn. Seit Januar d. I. war er in ärztlicher 
Behandlung wegen eines schweren Herzleidens in 
Wiesbaden. Am 21. Mai, Abends 10 Uhr, erlöste 
ihn der Tod von seinen überaus heftigen Schmerzen; 
ein zahlreiches Trauergeleile und eine stattliche Leichen- 
parade erwiesen dem verewigten Helden die letzten 
kriegerischen Ehren. Er ruhe in Frieden! — 
Besonders in der Altmark und in Pommern, 
deren Söhne Fransecky zu siegreichem Kampfe geführt, 
genoß derselbe eine außerordentliche Popularität. In 
der kleinsten Bauernhütte kann man allda sein Bild 
finden. 
Weniger bekannt dagegen, selbst in unserem engern 
Vaterlande, ist, daß dieser verdiente General in Ober - 
Hessen, zu Gedern im Vogelsberge, geboren 
ist. Nachstehend theilen wir den im Kirchenbuch der 
Pfarrei Gedern enthaltenen Geburtseintrag mit: 
„„(Suppl: Geboren) 
1807 am 16. Noy. Eduard Friedrich v. Fransky, 
des Königl. Preußischen Hauptmanns bei dem Dragoner- 
Regiment v. Wobeser, Herrn Ernst v. Fransky*) 
und Frauen Charlotten, einer geborenen v. Preuschen, 
5te| eheliches Kind. Getauft am 24 eiusd. Pathen 
waren: 1. Herr Friedrich Preuschen, Regierungsrath 
dahier und 2) dessen Demoiselle Schwester Louise 
Preuschen, des seel. Herrn Geheimeraths Preuschen 
älteste eheb Tockter.«« 
*) Die Schreibung „Fransky“ mag wohl daher kommen 
daß, da die Geburtseinträge damals noch nicht vom Vater 
unterschrieben wurden, der Geistliche den Namen nach der 
Aussprache desselben (mit kurzem „e“) einschrieb.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.