Full text: Hessenland (4.1890)

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Colland, Championnet, Bernadotte, die Reserve- 
Reiterei komniandirte General Bonneau. Allen 
diesen Männern rühmte man die republikanischen 
Tugenden der Uneigennützigkeit, Einfachheit und 
Mäßigkeit im Leben nach. Bei Kleber mag dies 
unter allen Umständen zugetroffen haben. Wie 
es aber bei Jourdan damit bestellt war, darüber 
geben wohl folgende Vorkommnisse Aufschluß. 
In Sulzbach mußten dem Obergeneral alsbald 
nach seinem Einzuge 200 Bouteillen Wein, 100 
Pfd. Rindfleisch, 50 Pfd. Hammelfleisch, 150 
Pfd. Kalbfleisch, ein großes Faß Bier, 100 Pfd. 
weißes Brod, 25 Pfd. Butter und Schmalz, 20 
Pfd. Kaffee, 20 Pfd. Zucker und eine große 
Quantität Mehl, Reis, Rosinen, Citronen, Eier, 
Schinken, Gänse, Enten, Hühner und dergl. mehr 
in das Schloß, in welchem er abgestiegen war, 
für seinen eigenen Bedarf und den seines Gefolges 
geliefert werden. Um aber auch alles zu haben, 
was nur immer zu einer glänzenden Tafel eines 
an Einfachheit gewöhnten Generals erforderlich 
war, mußten noch 66 Beflecke, 120 Servietten, 
6 Tischtücher und 6 Pfund Wachslichter in seine 
Wohnung gebracht werden. Ein sächsischer Offizier, 
welcher Geschäfte im französischen Hauptquartiere 
hatte, das sich damals in Hersbruck befand, 
schreibt: „Man hatte mir den General Jourdan 
als ein Muster der Mäßigkeit, als einen wahren 
Spartaner geschildert, um so größer war mein 
Erstaunen, eine mit Gebratenem aller Art, mit 
Geröstetem, mit Krebsen und Fischen besetzte 
Frühstückstafel zu finden. Wein war im Ueber- 
fluß da ; mehrere Dutzend Flaschen des trefflichsten 
Rheinweins, symmetrisch aufgestellt, dienten dem 
Burgunder und spanischen Weine zur Einfassung, 
— und diese große Zurüstungen waren keines 
wegs überflüssig, denn wenn die Franzosen uns 
Deutschen vorgeworfen haben, daß wir immer 
guten Tisch und Wein lieben, kann ich versichern, 
daß diese Herrn sich völlig in Deutschland natu- 
ralisirt haben." An dieses opulente Frühstück 
schloß sich das noch üppigere Mittagessen an. 
„Man setzte sich zur Tafel", schreibt jener sächsische 
Offizier weiter, „wo ich meinen Platz zwischen 
dem General Jourdan und Ernous bekam. Ich 
sage Ihnen nichts von der Pracht unseres Mittags 
essens; ich habe schon zu viel von dem Frühstück 
gesprochen, und Sie können leicht daraus schließen, 
daß man uns keine Rumford'sche Suppe vorsetzte, 
sondern daß selbst ein Leckermaul hier volle Be 
friedigung fand. Ich will damit keineswegs die 
französischen Generale tadeln, daß sie einen guten 
Tisch führen; ich würde nie über diesen Gegen 
stand gesprochen haben, wären nicht so schreiende 
Widersprüche zwischen der wirklichen Lebensweise 
dieser Eroberer und den pomphaften Lobpreisungen 
aufgestellt, welche die Journalisten und Zeitungs 
schreiber von ihrer Mäßigkeit und Uneigennützig 
keit machen. Von der ersten haben Sie schon 
eine Schilderung bekommen; in Hinsicht der Un 
eigennützigkeit aber muß ich bemerken , daß der 
General sehr schönes Tischgeschirr, auch einiges 
Silbergeschirr hatte, auf dem sich Namenzüge 
und Wappen fanden, die nicht von republikanischer 
Hand eingegraben waren, sondern bewiesen, daß 
die Stücke vorher irgend einem Reichsfürsten 
oder Prälaten gehört hatten." 
Ein anderer französischer General, dem in einem 
bereits eingeschlossenen Orte 15, sage fünfzehn 
Gerichte aufgetragen wurden, ließ seinen Koch 
kommen, um ihn wegen der schlechten Bewirthung 
zur Rede zu stellen. Auf die Antwort, daß 
durchaus nichts mehr aufzutreiben gewesen sei, 
entließ er denselben mit dem Bescheide, daß wenn 
er noch einmal so schlecht bewirthet würde, er 
ihn selbst wolle srikassiren lassen! 
Vergebens erinnerte man sich noch immer in 
Deutschland des Wahlspruches, mit welchem Custine 
anfangs, als geharnischter Vertheidiger der 
Menschenrechte nach Deutschland gezogen war: 
„Krieg den Palästen, Friede den Hütten!" denn 
gerade die Hütten waren es, die von des Krieges 
Geisel zuerst und am schrecklichsten heimgesucht 
wurden. Das Betragen des französischen Kriegers 
stand zum großen Theile in dem auffallendsten 
Widerspruche mit den Grundsätzen, für die er zu 
fechten vorgab. Denn ohne Unterschied verübte 
er an Personen Gewaltthätigkeiten und verletzte 
dabei ohne Schonung die heiligen Rechte oer 
Menschheit, wie an dem wohlhabenden Städte 
bewohner, so an dem ärmsten Landmann. Dieser 
war aber noch weit übeler daran als jener, 
denn in Städten gewann man meist aus öffent 
lichen Mitteln den kommandirenden Offizier, daß 
er den Gewaltthätigkeiten der Soldaten vorbeugte, 
während der Landmann denselben vollständig 
preisgegeben blieb, da er nicht die Mittel besaß, 
sich in gleicher Weise zu schützen. 
Diese französischen Soldaten war recht eigent 
lich Söhne jener alten Gallier, die, nachdem sie' 
die Alpen überstiegen hatten und gegen Rom 
heranstürmten, den Abgesandten der nachmaligen 
Hauptstadt der ganzen Welt erklärten: „Das 
Recht liege in den Waffen, und den Tapferen 
gehöre Alles."*) Was der Dichter Logau im 
30jährigen Kriege gesungen hat, wird hier, wie 
der Historiker Posselt in seinen „Europäischen 
Annalen, Jahrgang 1796 schreibt, mit einemmal 
wieder modern: 
*) Galli 86 in armis ius ferre et omnium virorum 
fortium esse, ferociter dicebant. Liv. hist. Y. 36.
        

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