Full text: Hessenland (4.1890)

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Da er jedoch auf dem Marsche dahin durch die 
leichten Völker des Condsschen Korps unter dem 
Brigadier de Eonslans mehrfach beunruhigt worden 
war, so hatte er schon am 31. Juli zur Deckung 
seiner rückwärtigen Kommunikationen zu Battenberg 
und Frankenberg, kleine Detachements mit dem Auf 
trage zurückgelassen, sich nach Befund der Oertlichkeiten, 
so gut als möglich daselbst zur Vertheidigung ein 
zurichten. In Folge dessen hatte der zu Frankenberg 
mit 100 Mann Infanterie, 12 Reitern und 2 
Geschützen zurückgelassene hessische Hauptmann Lange, 
sich auf dem dortigen Kirchhof, welcher mit einer 
Mauer umgeben war, festgesetzt und denselben noch 
weiteres durch eine Palissadirung nach Möglichkeit 
in vertheidigungsfähigen Stand gesetzt. 
Sei es nun, daß die Wiedereinberufung jener 
Detachements, in Folge des Umstandes in Vergessen 
heit gerathen war, daß der Erbprinz sich am 6. 
August persönlich nach dem Hauptquartier des Herzogs 
von Braunschweig begeben hatte, um mit solchem 
über Verschiedenes Rücksprache zu nehmen, während 
dem, dessen Truppenkorps nach Homberg an der 
Ohm marschirte und hier, Front gegen Grünberg, 
eine Stellung nahm um das dahin vorgerückte 
Condesche Korps in Schach zu halten, oder lag auch 
jetzt noch die Beibehaltung dieser Posten in Absicht, 
dieselben verblieben trotzdem nach wie vor an jenen 
Orten. 
Der Brigadier de Conflans sich dieses zu Nutze 
machend, griff daher, nachdem er zuvor einige Ver 
stärkungen an sich gezogen hatte, schon am 8. August 
den Posten zu Battenberg an und zwang das dortige 
aus 60 Mann Infanterie und 12 Reitern zusammen 
gesetzte Detachement sich nach rühmlich geleisteten 
Widerstande gefangen zu geben. 
Hierauf rückte er am 10. August vor Frankenberg. 
Die kleine auf dem dortigen Kirchhofe verschanzte 
Schaar, leistete aber den hartnäckigsten Widerstand. 
Angefeuert durch das rühmliche Beispiel ihres Befehls 
habers, des Hauptmanns Lan ge, wurden alle Sturm 
angriffe abgeschlagen und dem aus nächster Nähe 
von beherrschenden Punkten gegen diese Stellung 
unterhaltenen feindlichen Geschützfeuer, beinahe 48 
Stunden lang Stand gehalten. Erst als die Kirch 
hofsmauer sowie die Palissadirung gänzlich in Trüm 
mer zusammengeschossen war, zog sich die Besatzung 
in die durch das feindliche Feuer ebenfalls schon 
ziemlich stark beschädigte Kirche zurück. Als schießlich 
aber auch äußerster Munitionsmangel bei der Be 
satzung sich bemerkbar machte, gab Hauptmann Lange 
den wiederholt an ihn gerichteten Aufforderungen, 
sich zu ergeben, endlich Gehör, und zwar hauptsächlich, 
da bei dem Nichtvorhandensein von Wasser die Mann 
schaft die Qualen des Durstes nicht mehr länger 
ertragen konnte. 
Der von der Besatzung bethätigte Muth fand 
auch Seitens des Feindes, alle Anerkennung und es 
ehrte die Sieger nicht am wenigsten, daß sie sich sehr 
eifrig bewiesen die von dem langen Kampfe er 
schöpften Besiegten, vor Allem aufs freundlichste 
durch Speise und Trank zu erfrischen. 
VIII. 
Auf Vorposten bei Grüningen 1 762. 
Ende August 1762 sahen sich die bei Homberg an 
der Ohm postirten Franzosen unter dem Prinzen 
von Conds genöthigt, dem Vordringen der von Kirch- 
hain und Alsfeld herkommenden Korps des Erbprinzen 
von Braunschweig und des Generals von Luckner zu 
weichen und nahmen ihren Rückzug über Grünberg 
nach Gießen. 
Da jedoch die diesseitigen leichten Truppen bereits 
schon nach dieser Gegend hin streiften, so schlug der 
Prinz von Conds am 24. August von Lieh aus die 
Richtung auf Grüningen ein, wo er am Abend 
auf den dortigen Höhen dergestalt eine Lagerstellung 
nahm, daß die daselbst das Gelände durchziehende 
Landwehr derselben im Rücken lag; der Erbprinz von 
Braunschweig aber, welcher ihm hierbei auf dem 
Fuße gefolgt war, lagerte ihm gegenüber bei Eber 
stadt auf dem s. g. Pfaffenfelde. Am anderen 
Morgen, den 25. August, lief von sämmtlichen 
Vorposten der Verbündeten übereinstimmend die 
Meldung ein, daß die Franzosen während der Nacht 
nur noch zum Schein die Wachtfeuer unterhalten, 
dagegen ihren Rückzug in der Richtung auf Friedberg 
fortgesetzt und nur noch einige wenige leichte Truppen hinter 
jener Landwehr zurückgelassen hätten. Der Erbprinz, 
welcher in Folge jener Meldungen beabsichtigte, auf 
den Höhen jenseits von Grüningen ein Lager zu 
beziehen, sendete jedoch um sich von der Wahrheit 
jener Meldungen der Vorposten erst noch besser zu 
vergewissern, einen Ingenieur-Offizier, unter einer 
Bedeckung leichter Truppen, gegen jene Landwehr 
vor, um solche genau auszukundschaften. Sei es 
nun, daß dieser Offizier nicht weit genug vorging, 
oder unter dem Einflüße der vorgefaßten Meinung, 
der Feind habe seinen Abzug genommen, 
verschiedene auf das Gegentheil weisende Merkmale 
nicht genug würdigte, auch er berichtete: daß überall — 
außer ganz unbedeutenden Parteien leichter Truppen, — 
vom Feinde weit und breit nichts wahrzunehmen sei. 
Auch auf dem Lagerplatze, welchen der Feind während 
der Nacht innegehabt, wären nur einige — mit 
Plünderung zurückgelassenen Gepäckes beschäftigte — 
Nachzügler angetroffen worden. Demgemäß befahl 
denn auch der Erbprinz das Lager abzubrechen und 
in mehreren Kolonnen die Grüninger Höhe hinauf 
zurücken. Zwar ging jeder dieser Kolonnen eine Ab 
theilung leichter Truppen als Vorhut voran, doch 
scheint es daß auch diese auf dem verlassenen Lager 
platz des Feindes angelangt, sich hier zu lange mit
	        

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