Full text: Hessenland (4.1890)

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Danke aus; er läßt noch Streiflichter auf die 
sein Abschiedsgesuch veranlassenden Verhältnisse 
fallen, durch welche ersichtlich wird, daß er durch 
eigene Ansicht und Urtheil seinem Kommandeur 
unbequem gewesen war. 
Der 16. Februar 1818 brachte den Abschied; eine 
Pension war zu jener Zeit Gnadensache und der 
Offizier, welcher in solcher Weise abging, hatte 
wie begreiflich aus Gnade nichts zu erwarten. 
Der Kurprinz ließ es nicht bei der Aussicht in 
eine bessere Zukunft bewenden, er ließ durch den 
ihm nahestehenden Oberstlieutenant von Cochen- 
hausen*) Eröffnungen machen, aufweiche Barde 
leben jenem im März antwortete .... „Du 
kennst meine Gesinnung und den Gang meiner 
Empfindungen ... Du wirst begreifen, daß ich 
die Auszahlung meines verlorenen Soldes nicht 
als den schönsten Theil der Handlung betrachte, 
sondern daß die Art und Weise, wie es ge 
schehen, mir den Beweis giebt, wie schön und 
tief der Prinz empfindet — und gerade das 
macht mich glücklich und zieht mein Herz (sowie 
das Deine) zu ihm hin, das ihm stets mit aller 
Wärme ergeben bleiben wird ..." Dem ver 
trauten Freunde theilt er noch mit, daß des 
Kurprinzen Wort „Sie werden uns doch nickt 
verlassen?" im Februar von 1807 zu Schleswig 
gesprochen, ihn davon abgehalten habe. den 
dringenden Vorstellungen seines Schwagers von 
Bockum-Dolffs und des Kriegministers von Rüchel 
— wirklich in den preußischen Dienst einzu 
treten — in jenem Jahre nachzugeben. „Zu 
Ende des Jahres 1813 wurden mir durch Ver 
wendung des Prinzen Bernhard von Weimar 
vortheilhafte Zusagen gemacht, um mich zum 
*) Christian Friedrich von C., ein hervorragender, 
hochgebildeter Offizier, der sich in verschiedenen Stellungen 
bewährte, zu dieser Zeit im Generalstabe. 
Eintritt in die österreichische oder preußische 
Armee zu bestimmen, allein es zog niich allge 
waltig nach Hessen und der Kurprinz fesselte 
mich abermals .... Von diesem Augenblick 
an betrachte ich mich gänzlich als im Dienste 
des Kurprinzen ..." Einem anderen Freunde, 
dessen Lebenslauf später mit demjenigen Barde 
lebens manches Aehnliche aufweisen sollte, dem 
Major Müldner zu Hanau, setzte er seine Lage 
auseinander, um ihm darzulegen, daß ihm nichts 
Anderes übrig geblieben, als den Dienst zu 
verlassen. 
Als er mit sich ins Klare gekommen war, 
hatte unser Freund, dessen Liebe zum Landleben 
und zur Natur wir in dem Kinde wie bei dem 
Manne hervortreten sahen, die Absicht gefaßt, 
statt des Schwertes, welches er niederlegen mußte, 
den Pflug in die Hand zu nehmen und selbst 
seinen Kohl zu bauen. Durch die Familienbe 
ziehungen seiner Conradine würde er die Mög 
lichkeit einer bescheidenen Landwirthschaft gefunden 
haben — er gedachte, da er nach dem schrecklichen 
Gebote des Krieges so manches Feld hoffnungs 
voller Saat hatte zerstampfen helfen, nun dafür 
selber als eine schwache Sühne der Menschheit 
Saaten zu widmen. Doch es war anders über 
ihn beschlossen und eine Wirksamkeit von hoher 
Bedeutung sollte seine unfreiwillige Muße aus 
füllen, wodurch er seinem Fürsten und dem 
vaterländischen Heere größere Dienste leistete, 
als wenn er in Fulda überzähliger Stabsoffizier, 
demnächst sogar Bataillonskommandeur, geblieben 
wäre. 
Kurprinz Wilhelm hatte Bardeleben zur Lösung 
einer Aufgabe ausersehen, welche ihm des Näheren 
in Kassel eröffnet werden sollte; dorthin begab 
er sich gegen das Ende des März 1818, seines 
nunmehrigen Gebieters Willen zu vernehmen. — 
(Fortsetzung folgt.) 
rinnerungen an öen Hamburger Wolksöichler 
ointraul. 
Von <£. Mentzel. 
(Fortsetzung.) 
Die dramatischen Arbeiten Weintrauts, die ich 
kenne, sind sämmtlich in Versen und theilweise 
in Marburger Mundart geschrieben. Ihre Fabeln 
scheinen wirklichen Vorkommnissen entnommen zu 
sein, deren Thatsachen selbstverständlich frei um 
gebildet und mit urwüchsigem Humor behandelt 
wurden. Wer die Marburger Verhältnisse in 
der Entstehungszeit dieser Lokalpossen kannte, 
hat natürlich den wahren Kern derselben durch den 
Schleier der Dichtung leicht hindurchgesehen. 
Diese Erkenntniß scheint nicht immer Wohlbe 
hagen erweckt , ja sogar, weil Weintraut meist 
wunde Punkte im bürgerlichen Leben satirisch 
blos stellte, manchmal bös Blut gesetzt zu haben. 
Ohne Zweifel war dies nach dem Erscheinen des 
lustigen Schwankes „Der Maskenball"^ oder
        

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