Volltext: Hessenland (4.1890)

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Doch so gerne Ich die Erbauung eines Denk 
mahls für diese schon jetzt wünschte und befördern 
moegte. So hoeher geht der Wunsch hervor es 
vielleicht jetzt noch ausgesezt zu sehen um es 
noch um so würdiger Ueatisiren zu können. 
Mit Achtung verbleibe des Herrn Majors 
Wohlaffection irter 
Wilhelm KP. 
Bardelebens Thätigkeit fand ein Ende; der 
Landesherr der Zukunft sprach seinen Wunsch 
aus, das Werk noch ausgesetzt zu sehen, doch 
dabei in unzweideutiger Weile die Absicht, es 
dereinst kräftig zu unterstützen. Major von 
Bardeleben sandte seinen Bittschreiben um Unter 
stützung nun Andere nach, durch welche er jene 
zurückzog und Alles rückgängig machte. 
Im Januar 1816 waren die Füsilierbataillone 
der vier Linienregimenter: Kurfürst, Kurprinz, 
Landgraf Karl und Prinz von Solms, von 4 auf 2 
Kompagnien verringert; die vier der beiden ersten 
Regimenter bildeten das Füsilierbataillon v. Lepel, 
die der Regimenter L. Karl und Pr. v. Solms 
das Füsilierbataillon von Bardeleben, ohne 
jedoch aus dem Regimentsverbande geschieden 
zu werden. Bei den Grenadieren bestand diese 
Zwitterorganisation seit langer Zeit. Schon im 
Herbste von 1817 ging eine neue Wandelung 
der Füsiliere vor sich, die beiden Bataillone 
wurden zu Füsilier-Landwehrregimentern um 
geschaffen, Bardelebens Bataillon bildete das 2. 
dieser Regimenter. 
Bardeleben verlor sein seitheriges Füsilier 
bataillon und verblieb im Regimente Landgraf 
Karl. Hierdurch ergab sich der Umstand, daß 
eines der beiden nunmehr jenes Regiment bilden 
den Musketier-Bataillone von einem im Dienst 
alter hinter dem Major von Bardeleben stehenden 
Stabsoffizier befehligt wurde, während dieser 
ohne Kommando blieb — ein für ihn peinliches 
und drückendes Verhältniß, welches noch einen 
besonderen Beigeschmack dadurch gewann, daß 
im Januar 1818 das Regiment zum Füsilier- 
Regimente ernannt wurde. 
Als nach drei Monaten die Lage sich nicht ge 
ändert hatte, bat Bardeleben um seinen Abschied und 
gab offen als Ursache seines Gesuches an, daß ein 
jüngerer Stabsoffizier als er in dem Regimente 
ein Bataillon führe, während er überzählig sei. 
Dieser Schritt berührte höheren Ortes unangenehm 
— er wurde als dienstwidrig bezeichnet, weil 
früher eine allerhöchste Ordre erlassen war, welche 
aussprach daß nicht die Anciennetät die einzige 
Richtschnur für die Beförderung sein solle, und 
' weil ferner eine Bestimmung des hessischen Dienst 
reglements von 1792 besagte, daß ein Offizier 
ein Abschiedsgesuch nur einreichen könne, wenn 
ihn häusliche Verhältnisse oder Krankheit dazu 
nöthigten. Bardeleben hatte sich übrigens mit 
Einreichung seines Gesuches krank gemeldet. 
Großes Aufsehen erregte der Schritt im Offizier 
korps und mehrere seiner ihm näherstehenden 
Kameraden wandten sich brieflich an Bardeleben, 
ihre Ueberraschung, ihr Leidwesen auszusprechen, 
daß ein solcher Mann scheiden wolle. 
An den Kurprinzen Wilhelm richtete Barde 
leben ein Schreiben, in welchem er seinen Schritt 
zu rechtfertigen suchte, darin sprach er aus, er 
habe es nicht würdig gefunden, in seinem Gesuche 
Unwahrheit zu sagen, die Wahrheit sei vielleicht 
als dienstwidrig betrachtet worden, der Kom 
mandeur wolle ihm nicht wohl. „Hätte ich eine 
mein Ehrgefühl kränkende und unverdiente Zurück 
setzung gleichgültig betrachten können, so hätte 
vielleicht die Besorgniß als Familienvater das Ge 
fühl der Ehre überstimmt und ich hätte mich dann 
leicht in dem Fortbezug meiner Besoldung er 
halten können — aber wer seiner Ehre kein 
Opfer zu bringen vermag, der wird es auch nie 
für Fürst und Vaterland vermögen und sein 
ganzes Streben kann dann nur klingenden Lohn 
zum Zweck haben . . Der Prinz erwiderte 
eigenhändig unter'm 8. Februar „. . . Es ist 
eine Persöhnlichkeit Ihres Vorgesetzten Staabs- 
Offiziers, dabei in keiner Art zu verkennen:*) 
und Ich überzeuge mich gern von einem Offizier 
wie Sie sind daß Sie keine (dem) Dienst (zu 
wider laufende) Ordnung . . . eigentlich verlezt 
haben Ich habe den Inneren Wunsch, 
einen Offizier von Ihren auf Vaterlandsliebe 
und reines Gefühl für Ehre gegründeten Eigen 
schaften für die Folge nicht zu verliehren. Ich 
habe daher das feste Vertrauen auf Ihre An 
hänglichkeit an Meine Persohn und den Vater 
ländischen Dienst, daß Sie keine Militair noch 
andere Dienste nehmen werden .... Ich gebe 
Ihnen dahingegen nicht nur die Versicherung 
auf Mein Fürstliches Ehrenwort, daß Ich Sie 
nach erfolgtem Antritt Meiner Regierung sogleich 
anstellen werde; daß Ihre Anciennetaet Ihnen 
nicht nur vorbehalten .... sondern daß Sie 
schon in Meinen desfallsigen Listen Vortheilhaft 
verzeichnet sind . . . 
So hatte der Fürst, welcher in dem Feldzuge 
von 1814 sich über diesen Offizier ein günstiges 
Urtheil zu bilden vermochte, ihm in Bezug auf 
den nun vorliegenden Fall vollständig Recht ge 
geben und ihm in sehr schmeichelhafter Weise 
einen Wechsel auf die Zukunft ausgestellt. 
Bardeleben sprach sich gegen ihn mit tiefem 
*) Dieses war der Oberst en chef Karl v. Haynau, 
ein Sohn des Kurfürsten, aus dem Feldzuge von 1815 
uns bekannt.
        

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