Volltext: Hessenland (4.1890)

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und Sohn, bereit Leben in höchster Gefahr 
schwebt und treibt sie an, sich zu retten. 
In dem eigentlichen Stücke treten letztere 
Beiden auf, der Vater hat den für die Befreiung 
des Vaterlandes begeisterten Sohn Wilhelm 
zurückgehalten, als 1813 das Volk sich erhob, er 
fürchtete ihn zu verlieren. Die Kriegsereignisse 
führen Rosenbach mit seinem leichten Korps in 
den Ort, wo der Vater, ein Jugendfreund von 
ihm, lebt; in der Truppe dient ein junger Frei 
williger, welcher bereits für sein tapferes Ver 
halten mit dem eisernen Kreuze geschmückt wurde, 
e.r ist bei der Einnahme des Ortes verwundet 
worden und hat sich als Mädchen bekennen 
müssen. Sie sieht hier Wilhelm wieder, welchen 
sie ein Jahr zuvor kennen lernte und heimlich 
liebt; die Herzen finden sich und da Rosenbach 
der entdeckten Freiwilligen das fernere Tragen 
der Waffen nicht gestatten konnte, tritt Wilhelm 
an die Stelle der Geliebten, um den großen 
Kampf mitzustreiten. Die heldenmüthige Jung 
frau übergiebt ihm ihre Waffen und segnet ihn 
für den Auszug in den heiligen Streit. 
Der Verfasser erreichte es, daß sein Stück am 
25. März 1817 auf dem Liebhabertheater in 
Fulda zur Aufführung kam, dann einigemale 
wiederholt wurde. Den Ertrag dieser Vor 
stellungen übergab man Herrn von Bardeleben 
und er vertheilte ihn an nothleidende Unter 
offiziere und Soldaten seines Bataillons. Hier 
hat man sich zu erinnern, daß die Soldaten 
damals vielfach noch den größeren Theil ihres 
Lebens dienten, daher eine große Zahl derselben 
Frau und Kinder hatte. Bardeleben ließ sein 
Stück auf eigene Kosten drucken, die aus dem 
Verkaufe des Büchleins erzielten Einnahmen ließ 
er ebenwohl Unteroffizieren und Soldaten zugute 
kommen. 
Da er edle vaterländische Empfindungen in 
seiner Seele pflegte, so lag der Gedanke nahe, 
den Männern, welchen er mit dem ersten Theile 
seines Schauspiels ein Andenken sichern wollte, 
ein mehr sichtbares Zeichen zu ihrem Gedächtnisse 
zu schaffen. Bardeleben faßte den Plan, auf 
der Stätte ihres Todes ein Denkmal für die 
Hingerichteten aufzustellen. Mit Wärme und 
kräftiger Thätigkeit ging er an die Verwirklichung 
der Idee. In diesem Sinne widmete er „Die 
Freiwillige" dem General von Dörnberg, 
welcher im Jahre 1809 nahe daran gewesen 
war, das Schicksal der Erschossenen zu theilen, 
und wandte sich in einem seine Verehrung für 
den General bezeugenden Schreiben an diesen. 
Dem Kurprinzen von Hessen, dessen Gemahlin 
Auguste, königlicher Prinzessin von Preußen, dem 
Feldmarschall Fürsten Blücher, dem Minister 
vom Stein, dem Staatskanzler Fürsten Hardenberg, 
den Generalen von Gneisenau und von Bülow, 
sandte er „die Freiwillige" zu und unterrichtete 
sie von seinem Plane für das Denkmal, um 
ihre Unterstützung bittend. In ausführlichem 
Briefe wandte er sich an Arndt mit gleichem 
Gesuche und äußerte darin u. A- „der Wahrheit 
glaube ich es schuldig zu sein, daß ich sage, wie 
mich das Lesen Ihrer Schriften, die einer glühen 
den Patriotenbrust so feurig entquollen, gänzlich 
aus einer Betäubung gerissen hat, in die ich 
leider, mit der Menge zweifelnd, gesunken war 
— ich will nicht leugnen, wie ich oft im Stillen 
die Blätter befeuchtet, auf welchen zerschmetternde 
Verdammungsurtheile standen — aber dennoch 
fühlte ich tief die Wahrheit und richtete mich 
auf . . . ." An Jahn, den Turnvater, an den 
Oberpräsidenten von Vincke, die Generale von 
Müffling, von Borstell, von dem Knesebeck richtete 
Bardeleben ebenfalls Schreiben neben Ueber- 
sendung seines Stückes. Um diesem Verbreitung 
zu erwirken, wandte er sich an die Direktionen 
der Theater zu Kassel, Berlin, Braunschweig, 
Hannover, Frankfurt, Dresden, Breslau, Weimar, 
Hamburg rc. mit der Bitte, „die Freiwillige" 
aufführen zu lassen, um durch den Erlös je einer 
Vorstellung einen Zuschuß zu dem Denkmale zu 
erhalten. Noch an verschiedene andere fürstliche 
Personen und ausgezeichnete Männer außer den 
obengenannten richtete der für seine Sache un 
ermüdlich thätige Mann seine Worte, welche die 
Wahrheit und Tiefe seines Empfindens bekunden. 
Am 12. Mai 1817 ging das Gesuch an den 
Kurprinzen ab; dessen eigenhändige Antwort ist 
vom 28. Mai datirt und hatte nachfolgenden 
Wortlaut: 
„Mein Lieber Major von Bardeleben. Deren 
Schreiben vom 12. May habe Ich richtig er- 
halten, nebst Angelegtem Beweiß Ihrer Wohl 
gerichteten Dramatischen Laune. Es ist so nützlich 
als Lobenswerths den Allgemeinen Sinn, auf 
die Anerkennung Vaterländischer Gesinnung ; und 
solcher Beyspiele als vor Uns auf dem Forst 
begraben liegen zu richten. Mögten sie stets 
danckbar berücksicht werden. Mit dem Reinsten 
Gefühl Vaterländischen Sinns und dem Sichern 
Gefühl alles für Meine dereinstigen Hessen thun 
zu können; deren Glück stets die Sorge Meines 
Leebens und zukünftigen Regierung ausmachen 
wird, wünschte Ich daß keine zu hohe Meinung 
von Mir entstünde die Ich Irgend nicht zu 
Rechtfertigen im Standte waere. Offenheit und 
Genaue Rechtschaffenheit, werden diese nebst der 
Anerkung (Anerkennung) des sich für alle Stets 
hingebenden Soldaten Standtes beseelen: und 
für dessen Wohlstand Immer als Soldat selbst 
besorgt bleiben. Die Errichtung eines Denk 
mahls für diese braven habe Ich laengst gewünscht
        

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