Full text: Hessenland (4.1890)

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des Fehlens des billigen Wasserweges znm großen 
Theile ungehoben bleiben. Insbesondere in Ver 
bindung mit der in der Ausführung begriffenen 
Korrektion der Unter Weser erscheint die Ver 
längerung der Wasserstraße der Weser bis nach Kassel 
zugleich geeignet, ein gewisses Gegengewicht zu Gunsten 
des deutschen Handels gegen die natürliche Überlegenheit 
und die dadurch bedingte erdrückende Konkurrenz der 
holländischen und belgischen Handelshäfen zu gewähren, 
indem die Ausführung beider Projekte eine Verkürzung 
des Eisenbahnweges zwischen dem Seeschiffe und dem 
hinter Kassel belegenen Binnenlande um reichlich 
85 Km. zur Folge haben wird. 
Nach dem superrevidirten Bauprojekte soll die etwa 
28 Km. lange Flußstrecke welche ein Gesammtgefälle 
von 17 Mt. hat, vermittelst der Anlegung von sieben 
Schleusen kanalisirt und dadurch beim kleinsten Wasser 
stande eine Tiefe von 1 Mt. erzielt werden, welche 
mit Rücksicht auf die Tiefenverhältnisse der Oberweser 
als zweckmäßig erscheint. Bei Kassel ist die Er 
baun g eines Sicherheits- und Handels 
hafens beabsichtigt, welcher für 50 Schiffe Raum 
gewähren und mit der Eisenbahn in Verbindung ge 
bracht werden soll. 
Die Kosten des Baues sind auf 3,348,250 Mark 
veranschlagt. Die Stadtgemeinde Kassel hat sich in 
Anerkennung der aus der Anlage für sie zu erwartenden 
großen Vortheile verpflichtet, die für ihre derzeitige 
Leistungsfähigkeit sehr erhebliche Summe von 750,000 
Mark als Beitrag zu den Kosten zu leisten, so 
daß auf die Staatskasse ein Baukostenbctrag von 
2,618,250 Mark entfällt. Die Ausführung des 
Unternehmens wird einen Zeitraum von fünf Jahren 
beanspruchen. Im Etatsjahr 1. April 1890/91 sollen 
neben etwaigen kleineren Bauausführungen die speziellen 
Vorarbeiten für den Bau vorgenommen werden, zu 
welchem Zwecke die Bereitstellung eines Betrages von 
100,000 Mark in Vorschlag gebracht ist. — 
Universitätsnachrichten. Der Konsistorial- 
rath Professor Dr. tbeol. et pbil. GeorgHeinrici 
in Marburg hat den an ihn ergangenen Ruf an 
die Universität Bonn abgelehnt. — Der Privatdozent 
in der juristischen Fakultät zu Marburg Dr. Rein 
hard Frank ist an Stelle des Prof. Dr. B enne ke, 
welcher einem Rufe nach Breslau gefolgt ist, an die 
Universität Gießen berufen worden. 
Als Nachfolger des am 12. April verstorbenen 
Geheimen Rathes Dr. K. F. A. Grebe, dessen 
Nekrolog wir in der vorigen Nummer unserer Zeit 
schrift gebracht haben, ist der bisherige Dozent für 
die naturwissenschaftlichen Disciplinen, Forstkommissar 
Casselmann, ebenso wie sein Vorgänger ein ge 
borener Kurhesse, zum Direktor der Forstakademie in 
Eisenach ernannt worden. 
Todesfälle. Am 7. Mär; starb zu Hanau 
im Alter von 61 Jahren Landgerichtsrath Karl 
Friedrich Reinhard, ein anerkannt tüchtiger 
Jurist und ein wegen seiner vortrefflichen Charakter 
eigenschaften allgemein hochgeachteter und beliebter 
Beamter. Nach absolvirtem Studium der Rechts 
wissenschaft an der Landesuniversität Marburg, war 
Reinhard Referendar an dem kurhessischen Ober 
gerichte zu Fulda, wurde dann, nachdem er kurze 
Zeit die Stelle eines Unterstaatsprokurators in Schmal 
kalden bekleidet hatte, 1861 zum Amtsassessor daselbst 
ernannt und 1865 zum Justizbeamten in Langen 
selbold befördert; 1873 wurde er an das Kreisgericht 
in Hanau versetzt und am 1. Oktober 1879 trat er 
als Landgerichtsrath an das neuernchtete Landgericht 
zu Hanau. Ueberall, wo der Verblichene gelebt und 
gewirkt, hat er das beste Andenken hinterlassen und 
sein Hinscheiden wird von allen, die ihn kannten, 
aufrichtig und lebhaft beklagt. 
Am 8. April verschied zu Wien an einem Herz 
schlage der in den Gelehrtenkrcisen wohlbekannte 
Dr. phil. Joseph Kreß. Derselbe war 1840 zu 
Dietenhausen bei Fulda geboren, absolvirte zu Ostern 
1860 das Fuldaer Gymnasium und widmete sich 
dann auf den Universitäten Marburg und Erlangen 
dem Studium der Philologie. Nach Wien über 
gesiedelt war er zuerst als Professor an einem 
Pädagogium, später als Leiter des k. k. Schulbücher 
verlags thätig; in dieser angesehenen und einflußreichen 
Stellung fand er noch Muße zu schriftstellerischen, 
namentlich kulturgeschichtlichen und sprachwissenschaft 
lichen Arbeiten. Dr. Kreß war ein Mann von 
gründlichem Wissen, bescheiden in seinem Auftreten 
und liebenswürdig im persönlichen Umgänge. Friede 
seiner Asche. ~ 
Am 24. Februar 1890 starb in Frankfurt 
a. Oder der Oberregierungsrath Karl K n a tz, 
geboren zu Kassel am 2. Februar 1842, als Sohn 
des kurfürstlichen Oberappellationsgerichtsrathes gleichen 
Namens. Er war einer der ersten hessischen jungen 
Juristen, der sich nach der Einverleibung Kurhessens 
in Preußen der neuen Laufbahn bei den General 
kommissionen zuwandte. Er hat in Gelnhausen, 
Hanau, Marburg, Schleswig, Stargard, Bromberg 
und Frankfurt a, Oder zuerst als Spezialkommissar 
und dann als Regierungs- und Oberregierungsrath 
durch Tüchtigkeit sich ausgezeichnet und würde es bei 
seinem Talent noch weiter gebracht haben, wenn ihn 
nicht in verhältnißmäßig noch jungen Jahren eine 
tückische Krankheit dahin gerafft hätte. — In allen 
den genannten Orten hat er sich durch seine gesell 
schaftlichen Gaben zahlreiche Freunde erworben, welche 
seinen frühen Hingang ebenso wie seine Verwandten, 
darunter namentlich seine fünf jetzt doppelt verwaisten 
Kinder, betrauern. K. 
Am 28. April starb zu Fulda im 68. Lebens 
jahre der Gymnasialoberlehrer a. D. Prof. Dr. Petrus
        

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