Full text: Hessenland (4.1890)

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Aus alter und neuer Zeit. 
Skizzen ans der hessischen Kriegsgeschichte. 
Bon Freiherrn Maximilian von Ditfurth, 
weiland kurfürstlich hessischer Hauptmann*). 
I. 
Vertheidigung der Starkcnburg durch 
Haupt mann Kappes 16 8 9. In dem pfälzischen 
Erbschaftskrieg (1688—1697) hatte sich unter dem 
Oberbefehl des Kurfürsten Johann Georg III. von 
Sachsen im November 1688 in der Gegend von 
Frankfurt ein hauptsächlich aus sächsischen und braun- 
schweig-lüneburgischen Truppen gebildetes Reichsheer 
versammelt. Nachdem dasselbe durch einige heshsche 
Regimenter verstärkt worden war, ergriff es endlich 
die Offensive, vertrieb die Franzosen aus Höchst und 
eroberte die kleine Festung Königstein, worauf, da die 
Jahreszett bereits sehr weit vorgeschritten war, das 
Reichsheer theils in der Wetterau theils zwischen 
Frankfurt und Darmstadt Winterquartiere bezog. 
Da dieselben indessen von einer in Heppenheim 
liegenden französischen Abtheilung mehrfach beunruhigt 
wurden, so ward Anfangs Januar 1689 eine Ab 
theilung hessischer Truppen beordert, den Feind von 
da zu vertreiben, welches auch ohne sonderlichen 
Widerstand zu finden von jenen bewerkstelligt und 
sodann u. a. auch die bei Heppenheim telegene 
Starkenburg, mit einem gemischten Kommando von 
85 Mann unter Hauptmann Kappes besetzt wurde. 
Zwar rückte in Folge dessen alsbald der marecbal 
de camp Marquis de Polastron mit 3—4000 Mann 
und 8 schweren Geschützen von Heidelberg aus gegen 
Heppenheim, um namentlich die Starkenburg wieder 
zu erobern. Indessen leistete ihm Hauptmann Kappes, 
trotz der Schwäche der Besatzung und obgleich die 
Befestigungen dieses alten Ritterschlosses wenig ge 
eignet waren, den Wirkungen des schweren Geschützes 
zu widerstehen, doch einen so hartnäckigen Widerstand, 
daß Polastron nach mehrtägiger Beschießung und 
wiederholten vergeblichen Sturmangriffen, sich endlich 
genöthigt sah, nachdem er großen Verlust erlitten 
hatte, unverrichteter Dinge wieder abzuziehen. 
II. 
Hauptmann von Ende im Fort Katz bei 
Rheinfels 175 8. Nachdem die Franzosen — 
sonderbarer Weise'— es unterlassen hatten, schon 
gleich in den ersten Feldzügen des 7 jährigen Krieges, 
irgend einen Anschlag gegen die schlecht bewehrte und 
schwach besetzte hessische Festung Rheinfels zur Ausfüh 
rung zu bringen, und somit solche der einzige feste Platz 
geblieben war, den die Verbündeten Ende 1758 noch 
*) Aus dem literarischen Nachlasse dieses anerkannt vor 
trefflichen hessischen Militärschriststellers, gestorben am 
8. August 1861 zu Marburg. Für die gütige Ueberlassung 
dieser Skizzen zum Abdruck in unserer Zeitschrift »Hessen 
land" statten wir dem hochgeehrten Herrn Einsender unseren 
verbindlichsten Dank ab. (D. Red.) 
am Rhein in Besitz hatten, fand sich der Prinz von 
Soubise doch endlich bewogen, noch ganz zu 
Ende des Feldzuges 1758, nachdem dessen Korps 
bereits schon größten Theils in der Gegend von 
Frankfurt die Winterquartiere bezogen hatte, dem 
Marquis de Eastries den Auftrag zu ertheilen, sich 
dieser Feste zu bemächtigen, um dadurch die Schiff 
fahrt auf dem Rhein und die Verbindung mit der 
französischen Armee am Niederrhein von einer höchst 
lästigen Unterbrechung zu befreien. 
Derselbe rückte zu diesem Zwecke am 30. November 
von Koblenz aus, mit dem Infanterie-Regiment St. 
Germain und den Dragoner-Regimentern du Roy 
und La Ferronaye längs des rechten Rheinufers auf 
St. Goarshausen los, und ließ sodann am frühen 
Morgen des l. Dezembers dieses von einer einfachen 
Mauer umgürtete Städtchen durch 250 abgesessene 
Dragoner von du Roy angreifen. Nach kurzem 
Gefechte gelang es jenen auch das Thor aufzusprengen, 
sich dieses Ortes zu bemächtigen und den größten 
Theil der kleinen Besatzung zu Gefangenen zu machen. 
Gleichzeitig war auch durch eine auf mehreren Schiffen 
den Rhein heraufgekommene Abtheilung des Regiments 
St. Germain ein Sturm auf das Städtchen St. Goar 
mit gleichem Erfolge unternommen und die dortige 
Besatzung von 50 Mann ebenwohl zu Gefangenen 
gemacht worden. 
Diesem Allem war von Seiten des hessischen 
Kommandanten von Rheinfels — dem Obersten von 
Freiwald — ruhig zugesehen worden. 
Auch zeigte sich derselbe sehr bereitwillig, auf die 
an ihn gerichtete Aufforderung sich zu ergeben, ein 
zugehen und als die von ihm gestellte Bedingung 
des freien Abzugs von dem Marquis de Castries 
verworfen wurde, eine Kapitulation abzuschließen, 
wonach die Besatzung für kriegsgefangen erklärt 
wurde. Auf diese Weise vermochten die Franzosen, 
schon Morgens 10 Uhr, auch noch Besitz von der 
Festung Rheinfels zu nehmen, woselbst sie zwar 107 
Geschütze verschiedenen Kalibers vorfanden, von denen 
jedoch nur wenige kriegsbrauchbar waren. Ueberhaupt 
bestand die ganze Besatzung nur aus 300 Mann 
des Garnison-Regiments von Freiwald, unter denen 
auch nicht ein einziger Artillerist gewesen sein soll. 
Da die Franzosen zu dem Artikel 1 der von Oberst 
Freiwald vorgeschlagenen und sich auf die Besatzung 
von Fort Katz mitbeziehenden Kapitulationspunkte, 
in ihrem Uebermuthe bemerkt hatten, daß in Bezug 
hierauf eine besondere Festsetzung völlig überflüssig 
sei, so weigerte sich der, in diesem wenig mehr als 
einer alten Burgruine vergleichbarem Fort komm an« 
dirende Hauptmann von Ende*) jene Kapitulation 
als auch ihn verbindend anzuerkennen. 
*) Alexander Gräbel in seiner Geschichte von Rheinfels 
bezeichnet diesen als Kommandanten vom Fort Katz, dagegen 
findet sich in der Kampagne in Hessen von 1758 im V. 
Bande der „Neuen Bellona" (pag. 826) ein Hauptmann 
Deterlein als solcher angegeben.
        

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