Full text: Hessenland (4.1890)

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zum 9. August zeigten die Füsiliere noch einmal 
ihren guten Willen, wie Bardeleben bemerkt; 
am Abende des 9. wurden sie in ein Erholungs 
quartier gelegt, d. H-. sie bezogen Alarmhäuser 
in Evigny. Das Bataillon hatte an den beiden 
letzten Tagen'21 Verwundete gehabt. 
Die Festung kapitulirte und das Bombarde 
ment hörte auf. Bardeleben hatte am 12. August 
ein Hauptwerk der Festung zu besetzen. Das 
kurhessische Korps hatte am 14. August Heer 
schau vor General von Hake und marschirte so 
dann durch die eroberte Festung in Parade, um 
in der Gegend Erholungsquartiere zu beziehen. 
Aus diesen rückte es am 31. August zur Be 
lagerung von Givet ab. Die Brigade Prinz 
Solms blieb als Reserve bei Maubert St. Fon 
taine stehen; der für die Nacht zum 10. Sep 
tember beabsichtigte Sturm auf Givet, zu welchem 
die Brigade herangezogen werden sollte, wurde 
durch das am 9. gegen Abend erfolgte Erbieten 
des Kommandanten zur Uebergabe unnöthig, 
die Truppen der Brigade fanden weiterhin keine 
Gelegenheit zu kriegerischem Handeln. Nach Ein 
stellung der Feindseligkeiten am 21. September 
bezogen die Kurhessen ausgedehnte Quartiere, 
traten indessen den Marsch in das Vaterland 
erst am 4. November an und erreichten in den 
ersten Tagen des Decembers ihre Standquartiere 
in Hessen. Das Füsilierbataillon Landgraf 
Karl rückte in Rotenburg wieder ein, mit Jubel 
und Herzlichkeit empfangen und in Festen ge 
feiert. Der Friede war nun wirklich gesichert*). 
*) Der Orden vom eisernen Helm wurde an folgende 
dem Füstlierbataillon Angehörende verliehen: Kapitain 
August Schirmer, Kapitain Ludwig von Heßberg, Kapitain- 
lieutenant Friedrich Wilhelm Briede, Korporal Friedrich 
und Füsilier Liebermann. 
(Fortsetzung folgt.) 
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pisoöen aus öer Geschichte des Kauernkrieges in den 
Mifislanöen von Kulöa und Kersfelö. 
Milgelheill von 3s- 5 fco eng er. 
(Fortsetzung.) 
Der Landgraf Philipp von Hessen hatte schnell 
Rasdorf und Hünfeld mit zwei großen Heer- 
hausell eingenommen, deren einen, der „verlorene" 
genannt, der Hauptmann und Schultheiß von 
Marburg, Konrad Heß, den anderen, den „ge 
waltigen", er selbst anführte. 
Oberhalb Hünfeld trafen der Koadjutor und 
der Landgraf zusammen. Der Koadjutor erklärte, 
daß er nur dem äußersten Zwange nachgegeben 
habe, als ihm der Landgraf darüber Vorwürfe 
machke, daß er zu sehr geeilet habe, doch wolle 
er in Anbetracht seines jugendlichen Alters und 
seines fürstlichen Standes die Sache ignoriren 
unter der Bedingung, daß der Koadjutor alles, 
was derselbe den Bauern verheißen habe, wider 
rufe und ihm beistehe, diese wieder zum Gehorsam 
zu bringen und sich wegen der aufgewandten 
Kriegskosten mit ihm vertrage. 
Es wurden dann von beiden Seiten zwei 
Räthe ernannt, welche unter Vermittlung des 
Grafen Philipp von Solms die näheren Be 
dingungen feststellen, namentlich die Absindnngs- 
summe ermitteln sollten. Die Verhandlungen 
fanden unterwegs statt, indeß der Zug sich weiter 
bewegte. Schon war man daran. über die 
Pauschsumme von 12000 fl. sich zu einigen, als 
der Dortrab des Landgrafen unter Anführung 
des Hauptmanns Konrad Heß die Geishecke 
passirte und die Bauern, die auf dem Frauen 
berge lagerten, gewahr wurde. Da brach der 
Landgraf die Verhandlungen ab, seine Schaaren 
warfen sich auf die Bauern und diese suchten die 
Stadt Fulda zu erreichen, was ihnen auch zum 
größten Theile gelang,- nur die Nachzügler, welche 
sich zur Wehr setzten, wurden auf dem „wesserlein 
Gretzbach und Wehdes" erstochen. Die in der 
Stadt schossen anfänglich tapfer heraus, verwun 
deten auch viele Hessen, aber sobald der Land 
graf sein schweres Geschütz auf dem Frauenberge 
hatte auffahren und nach der Stadt hatte schießen 
lassen, steckten sie auf den Thurm der Pfarrkirche 
die weiße Fahne auf, die Schaaren Philipp's 
rückten ein und die Bürger mußten eine Brand 
schatzung bezahlen, welche unter das gemeine 
Kriegsvolk vertheilt wurde. Die vom Frauen 
berge geflüchteten Bauern lagen alle im Schloß 
graben, 1500 an Zahl, diese mußten allda drei 
Tagelang „ohne essen und trencken" liegen bleiben, 
an denen sah man Jammer und Elend , wie sie 
sich um das Spülwasser, so aus der Küche floß, 
drängten und rauften; es hatte nämlich der 
Landgraf gebieten lassen, daß ihnen Niemand 
weder Brod noch Trank reichen durfte. Nachdem 
die Hauptanführer derselben hingerichtet worden
        

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