Full text: Hessenland (4.1890)

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nun von Blücher den Befehl, die Maasfestnngen 
zn berennen. Das Regenwetter dauerte fort, 
die Hauptmacht des hessischen Korps ging ans 
Sedan vor, während Scheffer mit der Vorhut 
über Corignan nach Mouzon rückte, dieses be 
setzte und die zerstörte Maasbrücke herstellte, 
die französischen Truppen wichen zurück. Man 
hörte seit der Nacht des 25. beständiges Kanonen- 
fener von Sedan her, am Abend des 26. kapi- 
tulirte die Festung und die Vorhut vereinigte 
sich am 27. mit dem Haupttheile ihres Korps 
bei Sedan, Bardeleben's Bataillon stieß mit 
dem Musketierbataillon Landgraf Karl zusam 
men. Man erwartete den Anmarsch des Van- 
damme'schen Korps, früh 5 Uhr des 28. Juni 
wurde alarmirt, doch erschien der Feind nicht, 
das hessische Korps marschirte um 10 Uhr Vor 
mittags gegen Mezieres. Vor Villers hatten 
die Truppen einen längeren Halt zu machen, 
weil das Dorf vom Feinde gereinigt werden 
mußte. Es fielen Excesse in dem Orte vor und 
einige seiner Füsiliere sah Bardeleben unter den 
von dem Brigadekommandeur ans Villers ge 
jagten Leuten. Er versichert, daß sie nichts 
ans dem Orte mitgebracht hätten, wohl aber 
Viele von anderen Korps, welche mit Bündeln 
beladen davon liefen. „Indessen mußte das 
ganze Bataillon allein auf eine Art im An 
gesichte des Korps büßen, die es wahrlich durch 
seine bisherige Aufführung nicht verdient hatte. 
Ich selbst wurde vom Obristen von Haynau 
ans eine Art behandelt, die mir in meiner 
Dienstzeit nie widerfahren ist. — Ich würde 
dem Obristen sein Verfahren mit Hitze ent 
schuldigen, wenn alle übrigen betheiligten Korps 
zur nöthigen Warnung auf dieselbe Art an den 
Pranger gestellt worden wären". Die Annahme 
erscheint zulässig, daß Bardelebens Persönlichkeit, 
in welcher neben dem Krieger das Menschen- 
thum sich entwickelt hatte, bei dem strengen 
finsteren Haynau nicht Verständniß noch An 
klang fand; vielleicht wollte ihm letzterer, dem 
Dies und Jenes, wie die Ehrenbriefe, als 
Eigenmächtigkeiten erschien, Unterordnung fühl 
bar machen. 
Zu einer Unternehmung gegen Rheims rückte 
das 'Bataillon am 3. Juli ab, vereinigte sich 
mit einer Schwadron Husaren und einer Ab 
theilung des hessischen Jägerbataillons, dessen 
Kommandeur, Major Boedicker, das Ganze 
führte*). Am 8. stießen 2 Geschütze zu dem 
Korps, es gelang Boedicker durch Täuschung 
des Kommandanten über die Schwäche seiner 
*) Ludwig Boedicker, ein ausgezeichneter Offizier, 
starb als Generallieutenant und Ir Kommandant von 
Kassel am 20. April 1843. 
Truppen, denselben zur Kapitulation zu be 
wegen, die Besatzung zog mit 6 Kanonen ab, 
die Bevölkerung, unter welcher einige Tausende 
bewaffneter wilderregter Arbeiter, war beim 
Einzug der Hessen erstaunt über ihre geringe 
Zahl und es bedurfte der Klugheit und fester 
Haltung, sich zu behaupten bis Verstärkung 
herankam. Nach zwölstägigem Aufenthalte 
zogen die Hessen von Rheims ab, Bardeleben 
traf mit seinen Füsilieren am 24. Juli vor 
Mezieres ein. Der 25. brachte ein heftiges 
Gefecht. Der Feind fiel mit Ueberzahl auf das 
bei Mohon stehende hessische Bataillon und nur 
das Herbeieilen Bardelebens mit seinem Bataillon, 
welches beim Hüttenbau beschäftigt, doch außer 
ordentlich rasch sich zum Gefechte bereit sam 
melte, brachte den Kampf zum Stehen, sodaß 
die Franzosen ihre Absicht, Zerstörung der bei 
Mohon erbauten Batterie (Erdwall) für schwere 
Geschütze, sowie Fortführung der letzteren, nicht 
verwirklichen konnten. Die ins Gefecht gekom 
menen hessischen Bataillone erlitten Verluste, 
das Bardeleben's verlor 9 Mann, ihm selbst 
wurde unter dem Leibe sein Pferd durch zwei 
Kartätschenkugeln getödet; der nach Kleists Er 
krankung seit dem 19. Juni das norddeutsche 
Korps befehligende General von Hake sandte 
ihm ein sehr gutes Reitpferd mit schmeichel 
haften Worten zu, obwohl Bardeleben der That 
sache in keinem Berichte erwähnt hatte. 
Bald darauf, als er einen Theil der Vor 
posten kommandirte, ertheilte Hake den Befehl, 
daß in jeder Nacht einmal von Seite eines Vor 
postenkommandanten die Besatzung alarmirt 
werden solle. Er ließ dies in der Nacht zum 
5. August durch eine Kompagnie unter Lieute 
nant Friedrich von Bardeleben ausführen in 
solcher Weise und mit Erfolg, daß der General 
seine vollkommene Zufriedenheit schriftlich aus 
sprach, in der folgenden Nacht hatte der Lieute 
nant Karl Staffel die Keckheit, Hakes Prokla 
mationen einer französischen Schildwache zu 
übergeben, am 7. August bei einem Ausfalle 
der Besatzung vertheidigte Sergeant Grunewald 
mit 18 Mann einen Posten, welchen Bardeleben 
hatte. besetzen lassen, gegen vielfache Uebermacht 
auf das Hartnäckigste, am nächsten Tag ebenso der 
Sergeant Stange — ein vortrefflicher, kriegerischer 
Geist lebte in der Truppe, welchen der Führer 
rühmend anerkannte. Auch dem Auge des 
Höchstkommandirenden entging dieses nicht, er 
sprach in einem Schreiben vom 8. August an 
Major von Bardeleben sich sehr beifällig über 
seinen und seines Bataillons Eifer aus, wobei 
er letzterem 800 zuviel empfangene Portionen 
Lebensmittel zum Geschenk machte. Bei dem 
Bau von zwei neuen Batterien in der Nacht
        

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