Full text: Hessenland (4.1890)

119 
Anerkennung der Dienste seines Kameraden, des 
Majors Bauer*). Dieser, ein tapferer kampfes 
froher Mann, erst am Tage vorher angelangt, 
wohnte dem Gefechte bei; er unterstützte Barde 
leben, indem er für Truppentheile, denen die 
Munition ausgegangen war, solche herbeischaffen 
ließ, sie auch selbst im Schnupftuche an die 
Mannschaften der Feuerlinie vertheilte, sowie 
durch Ueberbringung von Befehlen Bardelebens, 
welcher sich ohne Adjutanten befand. 
Von ernsterer Bedeutung als dieses und andere 
Ausfallgefechte waren die Kämpfe am 27. und 
28. März. Kaiser Napoleon hatte dem in Metz 
befehligenden Generale, Grafen Dürütte, die 
Weisung ertheilt, alle in Metz und andern be 
nachbarten Festungen stehenden entbehrlichen 
Truppen zu sammeln, das hessische Blokadekorps 
gegen Trier zurückzuwerfen, die Männer dieser 
Landschaft in die Waffen zu rufen und bei 
Chalons die zusammengebrachte Streitmacht dem 
Kaiser zuzuführen. Dürütte verließ Metz am 
24. März mit 6000—8000 Mann, drängte das 
nur gegen 4000 Mann zählende russische Blokade 
korps aus seine« Slellungen und marschirte über 
Saarlouis nach Thionville, aus beiden Plätzen 
sich beträchtlich verstärkend, nachdem die blokirenven 
Truppen beiseite geworfen waren. Am 27. 
Morgens marschirte der General aus Thionville 
gegen Luxemburg vor. Bardeleben mit seinem 
Bataillon, das 2. Bataillon des Regimentes 
Prinz Solms, eine Schwadron Husaren und 4 
Geschütze rückten unter dem Prinzen Solms, zur 
Aufnahme der vor Dürütte weichenden Truppen 
des Thionville'r Blokadekorps diesen entgegen. 
In scharfem Gefechte wirkten Bardeleben und 
seine Füsiliere mit, den Rückzug der Thionville'r 
Truppen zu decken **), bei Saüdweiler, eine Meile 
östlich von Luxemburg, wohin sich auch die übrigen 
Truppen des Blokadekorps von Luxemburg zu 
sammengezogen hatten, nahm das Korps Auf 
stellung ; die Blokade dieser Festung war nun 
aufgehoben, das Korps Dürütte's in Luxemburg 
einmarschirt. 
Mit Tagesanbruch des 28. März griff der 
französische General die Hessen kräftig an, welche 
unter Leitung des Generalmajors von Dörnberg 
*) Johann Philipp Bauer stieg 1847 zum General 
lieutenant und Divisionskommandeur auf und starb am 
30. Juni 1851 im Ruhestande. 
**) Zn dem Werke „Die Kurhessen in dem Feldzuge 
von 1814", von Renouard, wird S. 190 das Füsilier 
bataillon Landgraf Karl unter den Truppen aufgeführt, 
welche von Luxemburg zur Verstärkung des Thionville'r 
Korps vorgingen. S. 191 dagegen heißt es: „. . . das 2. 
Bataillon Prinz Solms mit dem 1. Grenadierbataillon 
deckten den Rückzug . . ." Bardeleben erwähnt aber in 
einem Briese vom 1. April an seine Gattin, daß sein 
Bataillon den Rückzug nach Sandweiler gedeckt habe. 
den Angriff zurückwiesen und bis in das Kanonen 
feuer der Festung vordrangen. Dürütte setzte 
Alles daran, hier die Hauptmasse der Hessen zu 
schlagen, um sie zum Abzüge zu zwingen. Barde- 
leben's Bataillon gehörte zum linken Flügel des 
1. Treffens, von welchem das Dorf Hamme be 
setzt war. Die Franzosen nahmen es, mit Sturm 
nahmen die Hessen es wieder, verloren es wieder 
holt und behielten es erst nach dreimaligem Sturm 
angriffe dauernd im Besitze. Der Kampf endigte 
gegen 6 Uhr Abends und Dürütte durfte, nach 
dem es ihm mit 10000 Mann nicht gelungen 
war, dem Gegner, höchstens 7000 Mann, eine 
Niederlage beizubringen, sich hier nicht länger 
festhalten lassen, wollte er anders die Befehle 
Napoleon's ausführen. Er marschirte daher am 
29. März von Luxemburg nach Longwy, am 
selben Tage war Kaiser Napoleon auf dem 
Marsche nach Trohes, nachdem er erkannt hatte, 
daß sein Zug in den Rücken des großen ver 
bündeten Heeres ein Stoß in die Luft gewesen 
war. Dürütte konnte mit allem Eifer und aller 
Thatkraft seinem Herrn keine Hilfe mehr bringen, 
welcher mit Gewaltmärschen gegen Paris eilte 
— zu spät. 
Den Verlust seines Bataillons giebt Barde 
leben zu 60 Mann an, eine erhebliche Zahl, da 
die Sollstärke 8OO Köpfe betrug und bereits 
Abgänge vor dem Feinde stattgefunden hatten. 
Die Truppen stellten nach Dürütte's Abzug die 
Blokade Luxemburgs in der vorigen Weise her. 
In der Nacht vom 4. zum 5. April beschossen 
die hessischen Feldbatterien eine Stunde lang die 
Festung, am 8. marschirte Bardeleben mit seinem 
Bataillon und anderen Truppentheile« des 
Blokadekorps über Thionville hinaus, um unter 
General von Müller in Verbindung mit dem 
russischen Korps unter General Puffefowitsch das 
Korps Dürütte's zu zwingen, sich in die Festung 
Metz zurückzuziehen. Bardeleben befand sich in 
der Vorhut der Hauptkolonne, welche General 
von Müller persönlich führte, dieser war früh 
am 10. im Begriffe, die als Zeichen für den 
allgemeinen Angriff verabredeten drei Kanonen 
schüsse abgeben zu lassen, als der preußische 
Generalstabsoffizier Graf Pinto die Kunde von 
der Tags zuvor stattgehabten Zusammenkunft der 
Generale Pussesowitsch und Dürütte überbrachte, 
in welcher letzterer sich der nach Napoleons Sturze 
errichteten provisorischen Regierung in Paris 
unterwarf. Die Feindseligkeiten waren eingestellt. 
Die Festung Luxemburg wurde von den Ver 
bündeten übernommen, am 3. Mai zog das 
hessische Regiment Kurprinz unter dem Donner 
der Kanonen in dieselbe ein, später folgte das 
Regiment Landgraf Karl nach, um nebst einer 
knrhessischen Batterie und einer Abtheilung des
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.