Full text: Hessenland (4.1890)

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lbrechl Khristian Uuöwig von Maröeleben. 
Kurfürstlich Hesfischer Generallieutenant. 
1777-1856. 
Ein Erinnerungsblslk von E- v- Zksmsorö. 
(Fortsetzung.) 
VI. Neu-Althessen. 
1814. 1815. 
Rastlos wurde gearbeitet, um den Heerestheil 
aufzustellen, welchen das wieder aufgerichtete 
Kurfürstenthum ins Feld marschiren lassen sollte; 
die Aufgabe war eine äußerst schwierige, denn 
das doch erst zu organisirende Staatswesen sollte 
gleichzeitig eine Truppenmacht von 24000 Mann 
schaffen, für welche zunächst nichts vorhanden 
war als die Menschen. Aber die Begeisterung, 
welche durch die Erhebung gegen den großen 
Despoten überall in Deutschland entflammt wurde, 
verband sich in Hessen mit der Liebe zu seinem 
alten Fürstenhause, um auch in dieser außer 
ordentlichen Lage des kleinen Landes Antheil an 
der Rüstung der Böller Europa's zu tragen. 
Das Regiment Landgraf Karl, 2 Musketier- 
und 1 Füsilierbataillon, in welch' letzterem der 
jüngste Bruder des Kommandeurs, Friedrich v. B. 
geb. 1794, zum Sekondlientenant ernannt worden 
war, rückte am 1. Februar 1814 von Hersfeld 
ab, stieß am 7. Februar in Koblenz zu den 
andern Truppenteilen der 2. Marschkolonne 
unter dem Generalmajor Prinzen zu Solms- 
Braunfels und traf am 15. Februar vor Luxem 
burg ein, welches nebst den Festungen Metz, 
Thionville und Saarlouis von den Hessen ein 
geschlossen werden sollte, bis die Reserven von 
der Weichsel, Oder und Elbe herangerückt sein 
würden. Solche Verwendung war freilich nicht, 
was Bardeleben ersehnt hatte, da der zu er 
werbende Ruhm den Feldarmeen vorbehalten 
blieb; doch hatten die Truppen weder Ruhe-, 
noch Sicherheitsposien inne; dem Quartiere 
Bardelebens in Merle erwiesen 12 Pfünder 
Kanonen der Festung viel Aufmerksamkeit, täglich 
trafen ihre eisernen Grüße dort ein, und häufige 
Gefechte hielten Alles in Athem. In der Nacht 
vom 22. zum 23. Februar unternahm General 
von Dörnberg, der Befehlshaber des Blokadekorps 
vor Luxemburg und Thionville, einen Ueberfall, 
zu welchem das Einverständniß mit Bürgern 
Luxemburgs behilflich war. „Wir waren schon 
unvermerkt in die Vorstadt gedrungen, hatten 
schon zwei Thore mittels Sturmleitern geöffnet 
und hatten die letzte Zugbrücke erreicht, als durch 
einen unglücklichen Zufall die Sache vereitelt 
wurde" berichtet Bardeleben über das Unter 
nehmen, dessen Gelingen in der Kriegsgeschichte 
eine Merkwürdigkeit gewesen sein würde. 
Ein größeres Gefecht fand am 18. März statt. 
Um 7 Uhr Morgens erscholl heftiges Feuer von dem 
Dorfe Hollerich her, Bardeleben rückte baldigst aus 
Merle mit dem Füsilierbataillon und der Husaren 
abtheilung unter Second-Lieutenant August Mau 
ritius vor und gab dem von den Franzosen 
übermächtig gegen die hier aufgestellten Hessen 
geführten Kampfe eine andere Wendung. Von 
benachbarten Korps kam Verstärkung herbei. 
Stundenlang rangen die auf beiden Seiten tapfer 
Streitenden, bis die Franzosen um 12 Uhr sich 
in die Festung zurückzogen. In diesem Gefechte 
sprengte Lieutenant Mauritius mit 19 Husaren 
ein feindliches Viereck von 100 Mann, von denen 
eine Anzahl niedergehauen, Viele verwundet 
wurden*). Bardeleben erhielt in der 1. Stunde 
des Gefechtes durch ein Granatstück eine Kontusion 
auf der Brust in der Herzgegend, durch welche 
er für kurze Zeit betäubt wurde; doch behielt er 
den Befehl. Die betheiligten Truppen verloren 
6 Todte und 54 Verwundete, von denen 1 Todter 
und 5 Verwundete Husaren; Bardeleben rühmte 
die Ausdauer und Kaltblütigkeit seiner Soldaten, 
welche kaum 3 Monate bei der Fahne standen, 
wie die Führung der Offiziere, und gedenkt mit 
*) Der tapfere junge Offizier setzte als erster über die 
Bajonette, empfing sieben Bajonettstiche, hielt aber aus 
und verband sich selbst seine Wunden, als die Hauptsache 
gethan war. 2hm und dem dicht hinter ihm in das Viereck 
einbrechenden Trompeter Justus Heinrich Steinfeldt wurde 
der Orden vom eisernen Helm verliehen.
        

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