Full text: Hessenland (4.1890)

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man selten in so einzigartiger Weise vereint finde. 
Ohne Bedenken räumten daher Kenner der Geschichte 
der Rechts- und Staatsphilosophie Krause den 
Ehrenplatz neben Platon, Augustinus, Thomas von 
Aguino und Leibniz ein. Der gelehrte Herausgeber, 
Herr Dr. iur. Mollat aus Kassel, schließt die Vor 
rede mit den pietätsvollen Worten «Möge auch dieses 
Werk das Seinige dazu beitragen zum Preise des 
Meisters, zum Segen der Menschheit, zur Ehre Gottes!“ 
Möge dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Gewidmet 
ist das Buch dem Geheimen Rath Dr. Gustav Hartman», 
Professor der Rechte an der Universität Tübingen. 
Es liegt uns eine Schrift «Franz Xaver 
von Schönwerth", Sonderabdruck aus den 
«Historisch-politischen Blättern" Bd. 104", vor, 
welche die vortreffliche Festrede wiedergiebt, die unser 
hessischer Landsmann, der Archivrath Dr. Cornelius 
Will in Rcgensburg bei der Enthüllung einer dem 
königl. bayerische» Ministerialrath Franz 1. von 
Schönwcrth in Anerkennung von dessen «hohen 
Verdiensten um die Sprache, Geschichte und Sage 
seiner Heimath" gewidmeten Gedenktafel, am 
26. Sept. 1889 in Amberg gehalten hat. Ganz 
besonders hebt der Verfasser die nahen Beziehungen 
hervor, welche zwischen Franz Xaver von 
Schönwerth und Jakob Grimm bestanden, 
und welche hohe Meinung dieser Altmeister der 
deutschen Sprachwissenschaft von den Bestrebungen 
und den wissenschaftlichen Leistungen jenes jüngeren 
Gelehrten hegte. Von großem Interesse ist die 
Mittheilung der Ansichten Schönwerth's über die 
Aufgabe der Gcschichtsvereine: «Ein bayerischer 
Geschichtsverein, der in Erfüllung seines Zweckes 
allseitig ergänzen und zu wirken beabsichtigt, kann 
der Mundart sein Ohr nicht verschließen", denn 
die Sprache sei selbst Geschichte, lebendige, unver 
fälschte, bis zu den Uranfängen hinaufreichende, von 
denen keine Urkunde melde. Der Sprachforscher sei 
von Haus aus Geschichtsforscher, nicht umgekehrt. 
Und was hier Schönwerth von den «bayerischen 
Geschichtsvereinen" sagt, ist selbstverständlich auch an 
die Adresse der Geschichtsvereine der anderen 
deutschen Stämme gerichtet. Als höchst verdienst 
liche Arbeit empfehle Schönwerth die Herstellung 
von Sprachkarten, als deren förderlichste Vor 
arbeit er die Forschung über die Namen der 
Orte, Berge, Fluren, Flüsse und Bäche 
hervorhebe, wobei es besonders auf ihre alte Schreib 
weise und wo diese fehle, auf die Aussprache an 
komme. Ferner weise Schönwerth auf eine überall 
reichlich fließende Quelle volksthümlicher Sprache, 
nämlich auf die Kindersprache hin, welche 
krystallhell das ganze Leben der frühen Jugend 
wiederspiegele, auch möge man die zahllosen Aus 
zähl reime, deren sich die Kinder beim Spiele 
bedienen, nicht der gänzlichen Vergessenheit anheim 
fallen lassen. Ferner bezeichne Schönwerth als ein 
für das Studium der Mundart zu bebauendes Feld 
mit Recht die Sprichwörter, Räthsel und 
Trutzlieder, in welchen sich der Sinn des 
Volkes, seine Anschauung, sein Witz in voller Klar 
heit abspiegle. Die Sprichwörter seien, wie Bischof 
Sailer sich geistvoll ausgedrückt habe, «die Weisheit 
auf der Gasse". — Aus dem hier kurz Angeführten 
wird man wohl schon das Interesse wahrnehmen können, 
welches das Lesen der Schrift selbst gewährt. A. I. 
Ueber Limburgite aus der Umgebung des 
Habichtswaldes. Von Dr. Rinne in 
Berlin. Sitzungsbericht der königl.-Preuß. 
Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Heft 45 
und 46, S. 1007—1026. Berlin 1889. 
Unter Limburgit versteht man (nach Rosenbusch 
und Böricky) einen Basalttypus, welchem Feldspath, 
sowie Nephelin, Melilith und Leucit fehlen. Dieses 
Gestein gehört zu den selteneren Entwickelungsformcn 
basaltischer Ergüsse und ist auch aus der näheren 
Umgebung unseres Habichtswaldcs bis jetzt nur an 
sehr vereinzelten Fundpunkten (4 — 5) erwähnt 
worden. Nach neueren Untersuchungen des Verfassers 
obiger Arbeit ist die Verbreitung des Limburgits 
indeß eine viel größere, als cs nach Maßgabe der 
spärlichen Angaben erscheint. An 20 Limburgit- 
vorkommniffe hat Verfasser studieren können. Von 
Norden nach Süden geordnet sind die Fundstätten 
auf hessischem Gebiete folgende: Roscnberg, s. w. 
von Hofgeismar, Stcinbcrg am Wege von da nach 
Arolsen, Escheberg bei Breuna, Häuschenberg bei 
Rothwesten, Schreckcnberg bei Zierenberg, Klippen 
östlich der Hattenburg ebenda, Kuppe westlich vom 
Katzenstein, östlich vom Dörnberg, Rohrberg bei 
Zicrenberg, Burghasungen, Bocksgeil bei Besse, Hahn 
bei Holzhausen, Junkerskopf bei Metze, Scharfenstein 
zwischen Dissen und Gudensberg, Lotterberg bei 
Deute, Nänkel und Maderstein bei Gudensberg. 
Die in Rede stehenden Gesteine erscheinen theils in 
Kuppen als flache Erhebungen, theils stellen sie höchst 
malerische, nackte, sich schroff erhebende und zerklüftete 
Felsen dar, so namentlich die allen Kasseler Touristen 
wohlbekannten Maderstein, Scharfenstein u. Blumenstein. 
Sehr verbreitet ist die säulenförmige Absonderung 
der Limburgite. Häufig erleichtert ausgedehnter 
Stcinbruchsbetrieb das Studium der Gesteine. 
Ohne hier auf allzu wissenschaftliche Details, 
namentlich die entscheidende Beschaffenheit der Dünn 
schliffe einzugehen, sei nur erwähnt, daß man den 
Limburgit meist schon nach dem äußern Ansehen 
bestimmen kann. Der in Rede stehende Basalt 
ermangelt des körnigen, glitzernden Aussehens der 
Feldspathbasalte, auch fehlt ihm das Matte der 
Nephelin- Melilith- und Leucitbasalte, vielmehr hat 
er ein beim ersten Anblick auffälliges, fettiges, 
harziges Aussehen. A. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwengerin Fulda, Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
        

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