Full text: Hessenland (4.1890)

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Als das Häuflein kommt gegangen, spricht der 
Feinde General: 
„Euch nun hätten wir gefangen, doch wo bleibt 
die groß're Zahl?" 
Aber ihn erfaßt ein Staunen, als dieß nun die 
ganze Macht, 
Die zwei Tage lang Karthaunen kühn getrotzt 
und heißer Schlacht! 
So in Kugelsaat und Feuer, wie ein grimmer 
Königsaar 
Wider Schwärme wilder Geier, hielt sie aus, die 
Heldenschaar, 
Würdig, in des Lieds Geleiten, auf des Ruhmes 
Sonnenhöhn, 
Mit den Tapfern aller Zeiten zur Unsterblichkeit 
zu gehn.*) 
Karl Schaumvurger. 
*) Mitgetheilt in Archenholtz' Geschichte des sieben 
jährigen Krieges; siehe auch G. Landau: „Hessische Ritter 
burgen", Bd. 1. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Trauerzeichen in der Natur beim Tode 
hessischer Fürsten. Seit alters her hat der Tod 
des regierenden Fürsten im Lande Hessen große 
Trauer erregt. Man denke nur an die Worte der 
Reimchronik beim Hinscheiden Landgraf Philipps des 
Großmüthigen: 
Im Land ein großer Riß geschach 
Ein' treuen Vatter hats verloren 
Wie man seithero hat erfahren. 
Der arme Mann fühlt es mit Noth 
Und klagt des frommen Fürsten Tod, 
Mit Nägeln sollt ausgraben gern 
Wenns möglich wär, den alten Herrn. 
Das hessische Volk, das ja allezeit — wenigstens 
bis zu unserem Jahrhundert — treu an seinem an 
gestammten Fürstenhaus hing, fühlte sich mit diesem 
so eng verwachsen, daß der Tod eines Fürsten von 
dem ganzen Lande tief schmerzlich empfunden war. 
So kam cs auch, daß man außergewöhnliche Natur 
ereignisse, die zufällig, freilich in auffälliger Weise, 
mehrmals beim Tode eines Mitgliedes des brabantischen 
Hauses eintraten, mit dieser traurigen Begebenheit 
vom Volke in Zusammenhang gebracht wurden. 
Es erinnert dies an Züge der altgermanischen 
Göttersage, wonach auch die ganze Natur beim Tode 
des lichten Gottes Baldur trauerte. — Als erstes 
dieser Zeichen wurde im Jahre 1566 bemerkt, daß 
das Wasser der Fulda von Rotenburg an ganz 
plötzlich ausblieb, so daß die Mühlen ihren Betrieb 
einstellen mußten. Diese Erscheinung dauerte ca. 
8 Stunden. Der Wassermangel war derart, daß 
man in dieser Zeit die Fische mit den Händen 
fangen konnte. Kurze Zeit hierauf starb der alte 
Landgraf Philipp am Ostermontag 31. März 1567. 
— Andere Erscheinungen zeigten sich im Jahre 1580 
im November. Mehrere fürstliche Schlösier, auch das 
,Frawenzimmer" in Kastei geriethen in Brand. Andere 
ungewöhnliche Dinge geschahen: Mauern und Wälle 
stürzten ein und Feuerflammen zeigten sich am 
Himmel. Der gelehrte Dr. Hector Mithobius in 
Hannover prophezeite, daß im nächsten Jahre eine 
hochgeborene, fürstliche Frau sterben würde. Und 
wirklich am 16. August 1581 starb Sabine von 
Württemberg, Landgraf Wilhelms IV. Gemahlin zu 
Rothenburg. Kurz vor ihrem Tode sollen die Hunde 
auf dem Schloßplatz fürchterlich geheult haben, 
während zugleich eine plötzliche Mondfinsterniß große 
Aufregung verursachte. Landgraf Wilhelm selbst 
wurde, als er auf der Reise nach Rothenburg in 
Melsungen übernachtete, durch einen schrecklichen, un 
erklärlichen Schrei aus seiner Ruhe geschreckt. Zur 
selben Zeit ließ sich im Rothenburger Schloß eine 
weibliche Spukgestalt sehen. — Im folgenden Jahre 
wurden die Bewohner Kassels wieder durch eine auf 
fällige Himmelserscheinung erschreckt, indem sich in 
der Nacht vom 2. auf den 3. September 1583 am 
südlichen Himmel große Feuersflammen zeigten, die 
das landgräfliche Schloß in Brand zu setzen schienen. 
Im selben Jahre, am 20. November starb Landgraf 
Philipp der Jüngere zu Rheinfels. — Am 7. De 
zember 1590 wiederholten sich diese Himmels 
erscheinungen, ein leuchtendes Kreuz stand über dem 
Schloß zu Kassel. Zu gleicher Zeit blieb auch wieder 
das Master der Fulda auf etliche Stunden aus. 
Alles dies sollte auf den Tod Landgraf Wilhelm IV. 
hindeuten, der am 25. August 1592 erfolgte. — 
Anfang Dezember 1595 zeigte nicht nur die Fulda, 
sondern auch die Eder eine solche plötzliche Abnahme 
des Wassers, daß sich das Eis auf den Boden des 
Flußbettes setzte, und man trockenen Fußes hinüber 
gehen konnte. Diese Erscheinung wurde zuerst in 
der Gegend von Morschen bemerkt und dauerte un 
gefähr 7 Stunden. Einige Wochen später, am 
8. Februar 1596, starb Landgraf Georg zu Darm 
stadt. — Auch im Jahre 1642 blieb das Wasser 
der Fulda auf kurze Zeit aus, was mit dem Tod 
Landgrafs Philipp von Butzbach (28. April 1643) 
in Zusammenhang gebracht wurde. — Hans Wilhelm 
Kirchhof, Burggraf zu Spangenberg, welcher die 
meisten dieser Erscheinungen sorgfältig aufgezeichnet 
hat, bemerkt dazu: 
Diß und sonst großers anders mehr 
Schickt gott vor großen dingen her 
Sonst meint mans käm von ohngefehr ... 
Großer Herrn tob und Untergang 
Verkündigt gott vorher so lang, 
Daß iedermann dran seh' und merck 
Seine weißheit, gewalt und stärck; 
Wer kan verhindern seine werck? — 
?h. S- SH-
        

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