Volltext: Hessenland (4.1890)

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allen bedankt mit den Worten, so wollte er auch 
bei Inen seinen eigen leib, gut und was er ver 
mochte als der Landvater aufsetzen." Am folgenden 
Morgen brach der hessische Heerbann dann auf 
gen Hersfeld, von wo die aus dem Fuldaischen 
eingebrochenen Bauernschaaren in großer Eile 
abgezogen waren. Die Bürger der Stadt Hersseld 
gingen dem Landgrafen entgegen, überreichten 
ihm die Schlüssel der Stadt und baten fußfällig 
um Gnade; der Landgraf gewährte sie und nahm 
die Stadt ein. Hier verstärkte er sich dann mit 
Reiter und Fußvolk und nahm sich vor, auch 
die Fuldischen anzusprechen, welchen das „mentlein 
gar weidlich begonnte zu schlottern, da sie ver 
namen, welcher Gestalt es zu Hersfeld war zu 
gegangen." Es erschien deshalb eine Deputation 
von Fulda, an deren Spitze Daniel von Fisch 
born stand; der Landgraf verlangte Unterwerfung, 
welche die Bauern versagten und dazu rings neue 
Hilfstruppen ansammelten. Welche Rolle der 
Koadjutor in der Stadt Fulda spielte, erkennt 
man aus dem Umstande, daß ihm einst höhnisch 
der Bauern oberster Hauptmann, da er seine 
Haufen gemustert und in Schlachtordnung an 
ihm vorüber führte, zurief: „Herr wie gesittet 
Euch mein Kriegsvolk?". Als die Gesandtschaft 
unverrichteter Sache von Hersfeld zurückgekehrt 
war und. die Nachricht ankam, daß der Landgraf 
heranrücke, veranlaßten die Bürger den Koadjutor 
in eigener Person mit dem Landgrafen zu ver 
handeln. Die Stellung des Koadjutors war eine 
um so gefährdetere, als der Verdacht aufkam, er 
sei im Einverständniß mit dem Landgrafen; in 
dieser gefährlichen Lage konnte er also das An 
sinnen der Bauern nicht ablehnen und ritt nach 
dem Schlosse Mackenzell. Johannes hatte seinen 
12jährigen Bruder, den Grafen Poppo im Schlosse 
zu Fulda zurückgelassen. Die Bauern überfielen 
und plünderten das Schloß und suchten und 
fragten nach dem jungen Grafen, um ihn zum 
Schloß hinauszuhängen. Aber ein treuer Kellner 
hatte ihn unter Fässer im Keller so wohl ver 
borgen, daß sie ihn nicht fanden. Auf das Ge 
rücht, der Koadjutor habe sich nach Kassel zum 
Landgrafen geflüchtet, rasten die Bauern auf's 
Neue. Sie suchten allenthalben umher nack dem 
jungen Grafen mit dem Geschrei: Wo ist das 
Herrlein? wo ist das Herrlein? Hätten wir's, 
wir wollten gewiß Frieden machen. Aber 3 Tage 
blieb das Herrlein unsichtbar unter den Fässern, 
und dann, am 3. Mai, stand der Landgraf 
Philipp vor dem Frauenberge. 
(Fortsetzung folgt.) 
Fricden'atd in Hessen. 
„Friedewald" wie schön von Namen! Fried und 
Wald so hold vereint, 
Daß man hier des Friedens Samen ewig sprossen, 
blühen meint, 
Gleichwohl hat im Hessenlande keine Burg in 
Thal und Höh'u 
Je von Drangsal, Mord und Brande, blut'gen 
Kämpfen mehr gesehn. 
Und das End' der kleinen Veste kain im sieben- 
jähr'gen Krieg, 
Wo, es zeigen's noch die Reste, ihre Noth auf's 
Höchste stieg; 
Aber auch die höchsten Ehren heimst' ein Häuflein 
Tapfrer ein — 
Deutschen Heldenruhm zu mehren, nichts wohl 
konnte würd'ger sein! 
Daß die Gegend man befreie von des Raubge 
sindels Brut, 
Nahm ein Trüpplein einst aufs Neue Ort und 
Veste in die Hut: 
Fünfzig Mann von-Freytag-Jägern, zehn Berittne 
noch dabei, 
Steigleder ihr Führer, Pfleger, hüten Ort 
und Veste treu. 
D'rauf achttausend Mann der Franken, General 
Stainville an der Spitz, 
Bringen nicht die Burg zum Wanken, mit Ge 
wehr nicht, noch Geschütz; 
Als sie von drei Seiten stürmen, fällt sogar das 
Häuflein aus, 
Daß sich Leichenhügel thürmen, und die Feinde 
packt ein Graus! 
Nicht zum Andern wagt's der Franke, schonend 
seiner Mannschaft Blut, 
Und es kommt ihm der Gedanke: hier verschlägt 
nur Feuersgluth! 
Bald erfüllt der Kanonade Wiederhall der Berge 
Rund, — 
Glüh'nder Kugeln Schwarm, Granate speit der 
Feuerschlünde Mund! 
Doch es stehen fest die Mauern, fester noch die 
Heldenschaar, 
Bis in Rauch und Flammenschauern schier nicht 
mehr zu athmen war. 
Schon erstickt sind zwei der Rosse, da erst wird 
kapitulirt, 
Auf der Brück', durch Feinds Geschosse, noch die 
Schaar 'neu Mann verliert.
        

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