Full text: Hessenland (4.1890)

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wir übergehen daher dieselbe und bemerken hier 
nur noch, daß, nachdem Johann das Aktenstück, 
in welchem er, mit der bekannten Klausel, die 
zwölf Artikel der Bauern und die acht der Bürger 
schaft angenommen und als „Koadjutor" unter 
zeichnet hatte, die Bauernhauptleute über diesen 
Titel spotteten und ihn in „Kuheuter" *) verdrehten. 
Sie verlangten, er solle sich „Fürst in Buchen" 
nennen und bewirkten in der That, daß diese 
Aenderung in die Schriftstücke aufgenommen 
wurde. Die Hauptleute stellten hierauf einen 
Revers aus, in welchem sie sich als gehorsame 
Unterthanen Johanns erklären und ihm und 
seinen Verwandten im Nothfalle ihre Hilfe zu 
sichern. 
Durch diesen Vergleich waren die Rebellen 
aber noch keineswegs beruhigt. Der Koadjutor 
berichtet von einem Tumult, welcher wahrschein 
lich desselben Tages (22. April) stattfand. Da 
in dem Vertrage die Interessen der fuldischen 
Stiftsbauern nicht gewahrt schienen, forderten 
diese, die Fuldische Ritterschaft solle ihnen Zu 
sicherung der Straflosigkeit nach der Rückkehr in 
die ’ Heimathsdörfer gewährleisten; andernfalls 
bedrohten sie die Burgen und ihre Bewohner 
mit Vernichtung. Zur Beruhigung der erregten 
Gemüther ließ Johann in seinem Schreiben an 
die Ritter diese Aufforderung ergehen und erhielt 
auch schließlich in den zurückgesandten Reversen 
die Zusicherung derselben. 
Somit hatten die Rebellen in der Hauptstadt 
des Buchenlandes ihren Zweck erreicht. Die 
nächste Aufgabe war, sämmtliche Vasallen des 
Fürsten ihrer Herrschaft zu unterwerfen. Jo 
hann, welcher trotz des ihm früher gegebenen 
Versprechens in stetein Gewahrsam gehalten wurde, 
mußte die Lehnsleute des Stiftes zum Anschluß 
auffordern. Er sandte zu dem Zwecke Befehle mit 
Kopien des Vertrages und Reverses der Bauern 
an sämmtliche „Amtsleute, Lehnsleute und Ver 
wandte". Die meisten gehorchten der Auffor 
derung und so war das ganze fuldische Stift 
unter die Botmäßigkeit der Bauern gebracht. — 
Wir wenden uns nun den Ereignissen in 
Hersfeld zu und geben dieselben zunächst nach 
der Schilderung Gegenbaur's wieder. 
Der Abt Erato von Hersfeld, von dem, wie 
von den meisten Mönchen des Klosters Hersfeld, 
Luthers Lehre begünstigt und Luther selbst auf 
seiner Reise nach Worms freundlich aufgenommen 
worden war, hatte zwar das Schloß zu den 
*) Gegenbaur folgte Schannat, dem zu Folge die 
Bauern erklärt hatten, daß sie keinen „Kühhirten" zu 
ihrem Herrn haben und den Namen nicht länger leiden 
wollten. Zn dem „llder M3,nu86riptu8", welcher den 
unverfälschten Text des Originals wiedergibt, heißt es da 
gegen „Kuhewtter". 
Eichen, den Peters- und Johannisberg befestigt, 
aber es waren der Bauern zu viel und er hatte 
der streitbaren Leute zu wenig; so unterschrieb 
auch er die zwölf Artikel, doch mit dem Vorbe 
halte einer christlichen Ordnung, welche etwa sein 
gnädiger Verspruchsherr würde ausgehen lassen. 
Dieser Verspruchsherr war der Landgraf von 
Hessen. Die hessischen Fürsten waren erbliche 
Schirmvögte der Abtei Hersfeld. Der Landgraf 
Philipp schickte drei seiner Ritter, Udo Hund, 
seinen Amtmann zu Schönstem, den sie zuvor 
unglimpflich behandelt hatten, und Johann Riedesel 
zu Eisenbach nebst Heinz von Lüder, in die 
Stadt Fulda. Diese erhielten die trotzige Ant 
wort: der Koadjutor habe deu weltlichen Stand 
angenommen; werde der Landgraf der christlichen 
brüderlichen Versammlung der Landschaft in den 
Buchen beitreten, so wolle sie Frieden mit ihm 
halten. Zu gleicher Zeit gingen von dem Lager 
zu Hersfeld Aufforderungen zur Handhabung des 
göttlichen Worts, und zur Einnahme der geist 
lichen und weltlichen Herrschaften beizutreten, an 
die hessischen Städte Kassel, Treysa, Rotenburg, 
Spangenberg, Homberg, Sontra, Ziegenhain, 
Neukirchen, Alsfeld, Melsungen, Witzenhausen. 
Die Bauern bewogen die beiden Bürgermeister 
von Hersfeld „Otto Sassen und Heintze Reitzen" 
ihnen diese Einladungen zu schreiben. Aber alle 
diese Städte schickten die Schreiben geradezu an 
ihren Landesherrn, versprachen Gut und Leben 
zu ihm zu setzen und baten um schleunigen Schutz. 
Die christliche Landschaft in den Buchen fuhr fort, 
das ganze Stift Hersfeld in ihren Bund zu 
bringen, durch Güte und Gewalt. Eine Ab 
theilung nahm die Stadt Hersfeld zu ihrem 
Hauptquartier, eine andere, die vom Thüringer 
wald, Vach an der Werra. 
Der einundzwanzigjührige Landgraf Philipp 
von Hessen beschrieb seine Ritter und gemeine 
Landschaft von den Städten auf Dienstag nach 
dem weißen Sonntag zu Alsfeld „vne säumen 
gerüstet" zu erscheinen. Der Landgraf in eigener 
Person hielt ihnen daselbst Vortrag, versprach 
ihre Rechte und Freiheiten zu schützen und forderte 
sie auf, ihm zur Unterdrückung des Bauernauf 
standes, ihre Hilfe zu leisten. „Welche Ihme 
nun zu solchem befugten werck trewlich wollten 
beholfen sein, der Jeder sollte zwene Finger aus 
recken, denn darbei wolle er abnemen und erkennen, 
wieviele und wer die wären, auf deren Treue 
und Unterstützung er sich verlassen könnte. Daraus 
hat sich ein groß Geschrei und Getommel unter 
dem Hausen erhoben und ein Jeder der ge 
horsamste sein wollen. Welches dem Landgrafen 
so herzlich wohl gefallen, daß Ihme selbst das 
Wasser über seine Wangen herabgeflossen und 
sich solcher Erpietung allergnedigst gegen Inen
        

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