Full text: Hessenland (4.1890)

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selbst berichtet (Apologie bei Schannat, cod. 
prob. S. 380), eilig aus der Stadt entfernt, 
um nicht in Gefangenschaft zu gerathen. An 
Widerstand konnte er nicht denken, da die 
wenigen Reisigen, welche ihni zur Verfügung 
standen, theils seinem Vater, dem Grafen 
Wilhelm von Henneberg, theils Albrecht von 
Mainz und Casimir von Brandenburg auf 
deren inständige Bitten zu Hülfe gesandt waren. 
Wohin sich Johann danials begeben hat, erfahren 
wir nicht, sicher ist nur, daß er sich in der Nähe 
aufgehalten hat, vielleicht in dem bei Hünfeld 
gelegenen festen Schlosse Mackenzell*), wo er die 
Entwickelung der Ereignisse ohne Gefahr ab 
warten konnte. 
In Fulda richteten die Rebellen unter ihren 
Haupträdelsführern, von denen Symon Schneider, 
Hans Dalhopf ein Uhrmacher, Henn Wilcke und 
Hans von der Rone namhaft gemacht werden, 
ein neues Regiment ein. Von den Verhand 
lungen, welche am 18. und 19. April zwischen 
Rath und Bürgermeister Fulda's einerseits und den 
Bauern nebst der rebellirenden niederen Bürgerschaft 
andererseits geführt wurden, erfahren wir nur 
wenig. Die derbe Sprache der Rebellen führte 
den Vergleich schnell herbei, dessen Endresultat 
war, daß die Stadt sich sowohl auf die zwölf 
Artikel, welche die Forderungen der Land 
bevölkerung enthielten, verpflichten, als auch noch 
weitere acht Artikel**), in denen hauptsächlich Jn- 
*) Gegenbaur giebt nach Schannat an, Johann sei 
„gegen Baden sein Sicherheit halben geritten". Das ist 
unverständlich. In einem von Dr. Falckenheiner vielfach 
benutzten werthvollen Miscellanbande, welcher sich in der 
Privatbibliothek des Bibliothekars A. von Keitz in Fulda 
befindet, heißt es wörtlich, „wir feint .... gegen 
Haun unser und der unsern sicherheit halb geritten" 
u. s. w. Da liegt denn die Vermuthung nahe, daß sich 
der Koadjutor in das feste Schloß Mackenzell geflüchtet 
habe, welches auf dem Wege nach Haun liegt. Dr. Falcken 
heiner bezeichnet den erwähnten handschriftlichen Miscellan- 
band als „über manuscriptus“; wir werden auf den 
selben zurückkommen. 
**) Den Wortlaut dieser 8 Artikel theilt Dr. Falcken 
heiner in der Beilage Ia wie folgt mit: 
1. Begern, nachdem die seien der menschen zu enthalten 
von noitten ist, das evangelium lütter und clar on alle 
menschliche zusetze zu predigen, sie mit evangelischen 
Prediger und capplanen zu versehen. 
2. Begern wir, das unser g. h. mit sampt den von Fulda 
alle closter bei und umb die stat innemen wülle, 
und alle kleynot in eyn gemeyne Verwarung thue, 
sindtmal zu besorgen ist, daß solches von srembden 
beschern werden. 
3. Begern wir, das alle gerechtigkeyt, die unsser vor- 
farn ingehabt haben und wie von alder herkomen ist, 
das wir bei denselbigen bleyben mögen und gehand- 
habt werden, nemlich das kein schulthes hinsurtter in 
keyn rathe zu gehen macht haben, er werdt den dazu 
gefordert, auch das man hinsurtter nicht gestat, zwen 
schultheisen zu haben. 
4. Begern wir, das keyn gewaldt an keynen Burger von 
teressen der niederen Stadtbevölkerung vertreten 
wurden, annehmen mußte. 
In einem Punkte hatten die Bauern dem 
Rathe anscheinend Zugeständnisse gemacht. Der 
Petersberg und die anderen in der Nähe ge 
legenen Klöster sollten von der Stadt besetzt 
werden und Eigenthum des Koadjutors bleiben, 
ein Umstand, auf welchen der Rath in einem 
Schreiben an den Koadjutor vom 19. April 
über diese Ereignisse besonderes Gewicht legte, 
um seine Anhänglichkeit an das alte Regiment 
zu bezeugen. Sogleich wurde der Stadtfähnrich 
Jost Betze mit dem Schultheis Hans Hise, dem 
Zentgrafen Hans Rabe, sowie deni Notar 
Volbrecht Rücker, welcher das Inventar auf 
nehmen sollte, in Begleitung einiger Bürger 
nach dem Petersberge gesandt. Allein kaum 
waren dieselben dort angelangt, als die Bauern 
einbrachen, alles plünderten und diese Kloster 
gebäude , sowie die nahe gelegenen dem Boden 
gleich machten. 
Vor allem kam es nun den Rebellen darauf 
an, die Person des Koadjutors in ihre Gewalt 
zu bekommen. Dieser war bereits von Bürger 
meister und Rath, sowie durch seine Statthalter 
zu Fulda, Schauefuß und Obinhauck, von den 
Ereignissen schriftlich benachrichtigt worden und 
hatte auch einige seiner Lehnsleute: Karl von 
Traubenbach, Sittich von Buchenau, Hans von 
Ebersberg und Christoph von Eusigheim zu sich 
beschieden, um durch dieselben einen gütlichen 
Vergleich mit seinen Unterthanen zu Stande zu 
bringen. Sich persönlich unter die Rebellen zu 
begeben, wird er schwerlich beabsichtigt haben. 
Da erhielt er unerwartet am Freitag den 
21. April von den Empörern einen Brief, 
worin sie sich erboten, Friede zu machen , wenn 
Johann gewisse Punkte mit ihnen vereinbaren 
werde; er möge daher am Samstag Morgen 
mit einer Begleitung von nicht über zehn 
Pferden im Schloß Absteigequartier nehmen 
und auf dem Rathhause zur Verhandlung sich 
einfinden. 
Die weitere Darstellung Falckenheiner's stimmt 
fast vollständig mit der Gegenbaur's überein. 
keynen schultheisen gelegt sol werden, der recht 
erlyden mag. 
5. Begern wir, das diejenigen Burger, so jüngst ge- 
fenglich angenomen sein, erwider ledig gegeben werden. 
6. Begern wir, das Bastian Gelfuß gartt und andern 
gemeyne in der stat und um die stat besichtiget, be 
sehen und abgethan werd. 
7. Begern wir, das die 12 artigkel, so itzund von den 
Bauern des schwarzen Haufens ausgegangen sein, 
auch bei iren crefften blyben. 
8. Begern wir, wan eyner benottigt were und ein burger 
geschrei thet, hat 10 gülden müssen zu büß geben, sal ab 
seyn, thet aber mutwillig, möcht man inen straffen 
zymlicher weyss. —
        

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