Full text: Hessenland (4.1890)

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Handels und Wandels darnach bemessen, sofort 
auch an Handen geben können, was hiezu dem 
Cornrncrcio und dessen Verbreitung immer 
vvrträglich seyn mag. 
Diejenige, welche hierunter einige Fürtritte 
zu machen gedenken, sollen nicht allein auf ihr 
Anmelden vollkommenes Gehör finden, sondern 
auch allen iminer möglichen Vorschub zu ge 
wärtigen haben, immasen denn die Gelegen 
heit zu einem Wein- und Waaren Lager der- 
gestalten schon in ihrer Vorbereitung bestehen, 
daß ohne längeren Verzug dem dießfallsigen 
Verlangen ein Genüge beschehen kann. Wie 
dann denen allenfalls befahrenden Hemmungen 
zu Winters- und ausserordentlich trockenen 
Zeiten zu begegnen, eine besondere Gesellschaft 
von Fuhr Leuthen ohnaussetzlich angeordnet 
werden solle, damit die Fracht- und Waaren 
Iransports ihren steten Fortgang um einen 
' gewissen leidentlichen Lohn haben und erhalten 
können. Nebst deme auch, daß man ein 
Wochen Schiff anordnet, wird ohne längere 
Verweilung ein Boten Wagen von hier bis 
Hersfeld zu seinem Stand, und ordentlich 
wöchentlichen Gange gebracht werden. 
Jndeme auch zur Errichtung eines Zucht- 
und Arbeit-Haußes bereits solche Vorkehrungen 
geschehen, ist man jenen, so sich als Fntrc- 
prenneurs wegen anlegender Wollen-Lein- 
Huth-Leder, auch Fayance und Porcellain- 
Fabriques etwa zu melden Belieben tragen, 
so balden die Ausknnfft unter ganz gewiß an 
nehmlichen Bedingnussen zu geben, in würklicher 
Bereitschaft findet; So beschiehet hiedurch zu 
dem Ende die freundliche Eröfnung, damit 
jenen, so hievon einigen Vortheil sich zu schaffen, 
glauben mögen, vorstehendes alles nicht ver 
halten sehe. 
Deme denn dieses auch noch beyzufügen, 
wie man obgemeldete Lands-Fahrts-Gesellschaft 
auch dahin einzurichten, gedenket, daß die 
Iransports nach deme Rhein- und Mayn-Landen 
ihre gewisse Beförderung überkomnien mögen." 
Fulda, den 12. Maji 1764. 
Aus Hochfürstl. Gnädigst angeordneter 
Hof-Cornrnision Hierselbsten. 
Nachdem die Angelegenheit mehrere Jahre ge 
ruht, greift dieselbe ein Herr Schimmelpfeng aus 
Hersfeld in einem Schreiben an Geheimerath 
von Scheer vom 11. Mai 1771 wieder auf: 
„Ew. k. wird ohn Zweifel annoch in gütigstem 
Andenken ruhen, daß vor einigen Jahren, den 
Fulda Strohm Von Herßfeld bis Fulda Schiff 
bahr zu machen, Zwar im Werk gewesen, bis 
her aber zu keiner cllcctivitet gekommen ist, 
jetzo aber gehet unserer gnädigsten Landesherrn 
Hochfürstl. Durch!, gnädigste Intention haupt 
sächlich dahin, daß solches dermahlen zu Stande 
gebracht und Zur Würklichkeit komme, mithin 
gerne sehen, wenn die Benachbarte Herrschaften 
zu dieser sehr nützlichen und dem publico zu 
besseren commertz gereichende Sache, das 
nöthige Beizutragen, die Hände bieten würden. 
Den Fulda Strohm und die Beschaffenheit 
derer Schleusten zu recoZnosciren, auch bei 
denen benachbarten Herrschaften, welchergestalt 
Hochdieselben darzu zu concurriren gesonnen, 
zu erkundigen und zu vernehmen, ist mir 
Speciale Commission aufgetragen worden." 
rc. rc. 
Die Kriege zu Ende des vorigen und zu Anfang 
dieses Jahrhunderts brachten die weiteren Ver 
handlungen in diesem, dem merkantilischen Inter 
esse gewidmeten Unternehmen gänzlich ins 
Stocken und erst im Jahre 1816 bildete sich ein 
größeres Konsortium Industrieller, welches den 
Bergmeister Lange mit der Ausarbeitung eines 
neuen Projektes betraute. Nach den Intentionen 
der Gesellschaft sollte jetzt nicht mehr bei der 
Schiffbarmachung der Fulda stehen geblieben, 
sondern auch die Verbindung derselben mit der 
Fliede hergestellt werden; von letzterer gedachte 
man dann einen Kanal bis zur Kinzig zu führen, 
dadurch eine fahrbare Wasserstraße bis in den 
Main bei Hanau herzustellen und somit der 
Schifffahrt den Weg von der Nordsee bis in den 
Rhein zu erschließen. Umfangreiche Kostenan 
schläge und zahlreiche Risse wurden zunächst der 
Kurfürstlich Großherzoglichen Regierungskom 
mission in Fulda vorgelegt, Seitens dieser dem 
Kurfürsten und Großherzog nebst unterstützendem 
Begleitbericht am 11. Juni 1816 eingereicht und 
zugleich dem interessirten Konsortium mitgetheilt, 
daß regierungsseitig alles gethan werden solle, 
was zur Erwägung und Prüfung dieses die 
größte Rücksicht verdienenden Vorschlages beige 
tragen werden könne. Auch die Presse damaliger 
Zeit machte sich mit dem Projekte viel zu schaffen 
und allseitig wurde demselben das günstigste 
Prognostikon gestellt. 
Erst im Jahre 1831 gelangten die inzwischen 
sehr gehäuften Vorarbeiten an die Stände 
kammer in Kassel, kamen jedoch nicht zur Debatte 
und schließlich verlief die Sache im Sande. 
Trotz alledem ist denn doch das Zeitalter des 
Dampfes nicht spurlos an der Schifffahrt auf 
der Fulda vorübergegangen. In den 40er oder 
50er Jahren wurde sogar ein „Dampfer" von 
I Stapel gelassen, der den Güterverkehr zwischen 
Kassel und Münden vermitteln sollte, später 
jedoch nur zu Vergnügungsfahrten benutzt wurde 
und mit dem Namen „die lahme Ente" sein 
nasses Grab gefunden hat. 
Aritz Lange.
        

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