Volltext: Hessenland (4.1890)

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der Antichambre ohnfehlbar Vormittags glock 
10 Uhr erscheinend gehorsamst zu Präsentiren. 
Fuld den 20. April 1763. 
Heinrich." 
Es erfolgte dann ein zweites Schreiben des 
Hessen-Kasselschen Ministers von Waitz, das 
folgenden Inhalt hat: 
„1. Die versprochene aber Biß hierhin noch 
zurückgebliebene Antwort von dem Herrn 
Grafen von Görtz ist die einige Ursache, 
daß man diesseits noch nicht beygetragen, 
was zur Ergänzung des zu extenäirenäen 
Schifffahrts-Projects nöthig gewesen wäre. 
Indessen habe zu Schlangenbad Anfangs 
Augusti mit gedachtem Herrn Grafen Unter 
redung gepflogen und ihn nach seinen 
Aeußerungen sehr willig gefunden alles zu 
erleichtern, was zu diesem nützlichen Zwecke 
dienlich erachtet werden könnte. 
Man ist hiesigen Orts der Meinung, 
man müsse vor dem Ansang denen Schiffern 
und Kauft Leuthen alle mögliche Freiheit 
in Zoll und Schleusten Geld wenigstens 
auf einige Zeit verschaffen. 
2. Denen so Schiffe zu Bauen Lust haben, 
eine Beysteuer an Holtz oder Geld be 
willigen. 
3. Vor allen Dingen dahin bedacht seyn, daß 
Frachten und Rückfrachten in Bereitschaft 
seyn mögen. Diesen Punkt angehend, so 
kommt es darauf an, was vor ein Quantum 
Bremer Waaren im Fürstenthum Fulda 
und dasiger Nachbarschaft jährlich erfordert 
werde und wieviel Schiffs Ladung solches 
betrage, auch was von Rückfrachten aus 
dasigen Provinzen gegeben werden können. 
Unter Bremer Waaren verstehe Thran, 
Heringe, Stockfische, Butter. Käße, Fran 
zösische Weine, Reiß, Coffe, Baum Oehl, 
Hauff Oehl, Franz. Brandewein, Gewürze 
und dergleichen. Es könnten auch einige 
Englische Waaren über Bremen gezogen 
werden. 
Wegen der Rückfrachten bin nicht genug 
informierst, ob aus dortigem Fürstenthum 
und Nachbarschaft Früchte, Linnen, Holtz, 
Pottasche, Stein- und Holtz Kohlen, Eißen, 
Glaß, Schwarzenfelßer Blaue Farbe, ge- 
truckendes Obst, Franken Weine, Frucht, 
Brandewein, Marmor, Alabaster und der 
gleichen kournieret werden können. 
4. An welchem Ort erst und so lange die 
Schifffarth nicht in die Residentz Stadt 
Fulda extenäieret ist, ein Haupt-Nieder- ! 
lager zu etabliren sehe. 
5. Ob daselbst Leuthe von Vermögen und 
Creäit wohnhaft sind, welchen dergleichen 
Frachten sicher anvertraut werden können, 
am Besten aber wäre, solche Leute zu 
finden, welche einen Handel damit treiben 
und alles auf ihre eigene Rechnung kommen 
und versenden zu lassen im Stande sehn 
müsten. Dieses geschehe nun immeckiate 
von Bremen oder von Cassel und respeotive 
zurück, so würde doch der Zweck damit auf 
ein oder die Andere Weiße erreichet. 
Hieraus siehet man nun zwar wohl, daß 
tüchtige und wohlhabende Handlungsver 
ständige Leuthe dazu erfordert werden, 
wenn man dieses Schifffahrts-Commerdum 
nach seinem ganzen Umfange in Betrachtung 
ziehen will. Es haben aber auch die aller 
größten Sachen einen kleinen Anfang ge 
habt, und die größten Handels Stätte sind 
ihren Flor und erlangtes Ansehen arm 
seligen Fischern annoch schuldig. Wegen 
eines tiinien Zeugs und Vorspanne in 
leidlichen Preiße, wird Hoffentlich in 
dortiger Gegend das nöthige leicht ver 
ordnet werden können, und was wird wohl 
im Wege stehen, von dort aus mit einer 
Fahrt anhero den Anfang zu machen. 
Die ersten Fahrten werden die Schwierig 
keiten entdecken, welche sich finden und noch 
zur Zeit unbekannt sein könnten. Wollte 
man auch einige Bremer Waaren von hier 
aus durch gangbahre Schiffer kommen lassen, 
so käme es darauf an, ob dortige Kauf 
Leuthe mit hiesigen oder Herßfelder Kauf 
Leuthen allbereits in eonnexion stehen und 
Waaren verschreiben wollen, oder ob dasige 
Fürstl. Rent Cammer an einem eonvenabeln 
Orte ein Waaren-Lager zu etabliren gut 
finde." 
Auf weitere detaillirte Verhandlungen zwischen 
v. Waitz und von Scheer erschien nachstehendes: 
Avertissement. 
„Nachdeme Jhro Hochfürstl. Gnaden zu 
Fulda sich während dem Kriege hindurch be 
müßigt gesehen, den durch hiesige Lande 
fließenden Fulda Fluß zum Theil schiffbar zu 
machen, des übrigen noch unschiffbaren Theils 
aber den Gnädigsten, dem Comrnerdo nutz 
baren Entschluß genommen, solchen auch zur 
bequemen Navigation dergestalten einrichten 
zu lassen, daß die Farth von Fulda bis Hessen 
Cassel, und so weiter, sodann auch wieder zu 
ruck in guter Ordnung befördert werde, so ist 
dieses dem knblioo und besonders denen 
Commerden sehr ersprießliche Werk um des 
willen zeitlich bekannt zu machen, räthlich er 
achtet worden, damit die von solcher Einrichtung 
zu profitiren gedenkende zeitlich ihre Abmaß 
danach nehmen und die Einleithung ihres
        

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