Volltext: Hessenland (4.1890)

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bestimmt waren. Er fordert deshalb den Kur 
prinzen in dem gedachten und in einem weiteren 
Schreiben vom 7. Januar 1814 auf, alsbald 
12,000 Mann in marschfertigen Zustand zu 
setzen und sie bis zum 24. in Koblenz einrücken 
zu lassen. 
Für den Ausmarsch wurden von den wieder 
errichteten alten hessischen Regimentern bestimmt: 
die Regimenter Kurfürst, Kurprinz, Land 
graf Karl und Prinz Solms sowie drei Land 
wehr-Regimenter und ein Bataillon gelernter 
Jäger, die Regimenter zu drei Bataillonen in 
einer. Sollstärke von 22 Offizieren, 60 Unter 
offizieren, 80 Gefreiten, 12 Spielleuten und 
640 Gemeinen. Außerdem wurden neu formiert: 
das Regiment Leibdragoner zu 4 Eskadrons mit 
613 Pferden und ein eben so starkes Regiment 
Husaren, sowie ein Mineurkorps und Artillerie. 
Im Lande selbst sollten 3 Regimenter zurück 
bleiben: das Regiment Garde, die Gardegrena 
diere und das Regiment Biesenrodt, deren 
Mannschaft in der alten Uniform mit Zopf fast 
ausschließlich aus den alten hessischen Soldaten 
des Jahres 1806 bestand. 
Die Aushebung für die zum Ausrücken be 
stimmten Regimenter wurde alsbald vorgenommen 
und erwuchs dadurch bei der Kürze der dafür 
bestimmten Zeit den Rekrutirungsbehörden eine 
nur mit dem Aufbieten aller Kräfte zu be 
wältigende Arbeitslast. Da die Rekrutirung 
nach den bis zum Jahre 1806 giltig gewesenen 
Bestimmungen stattfand, so blieben die Söhne 
der Schriftsässigen und die Einwohner mehrerer 
Städte vom Kriegsdienst befreit. Damit auch 
diese Gelegenheit hätten, mitzukämpfen gegen 
den Erbfeind Deutschlands, wurde nach dem Vor 
bilde Preußens die Errichtung eines Korps frei 
williger Jäger angeordnet und mit dessen Or 
ganisation der dem Kurfürsten treu gebliebene 
und als Retter des größten Theils des kurfürst 
lichen Schatzes bekannte Obristlieutenant Mensing 
betraut. Der Mannschaft dieses Korps, welche 
aus den Söhnen von Schriftsässigen, angesehenen 
Kaufleuten, Fabrikanten, Partikuliers bestehen 
sollte und sich auf eigene Kosten auszurüsten 
hatte, wurden besondere Begünstigungen zugesagt. 
Der Zu drang zu diesem Korps war ein so be 
deutender, daß sehr bald ein Bataillon frei 
williger Fußjäger in einer Stärke von 658 Mann 
und ein Regiment reitender Jäger in 4 Eska 
drons mit 415 Pferden gebildet werden konnte. 
Den größten Enthusiasmus zeigte hierbei die 
Stadt Kassel, indem über 200 Mann, fast ein 
Drittheil der Gesammtstärke, zu ihren Ein 
wohnern gehörte. 
Ihre Ausrüstung ging auch rasch von statten, 
da hier die Opferwilligkeit der Begüterten Hilfe 
bot, so daß das Einexerzieren der jungen Mann 
schaft bald beginneu konnte. Um so größere 
Schwierigkeit bot dagegen die Ausrüstung und 
Bewaffnung der zum Ausmarsch ins Feld be 
stimmten Linienregimenter. Zunächst fehlte es der 
ausgehobenen Mannschaft an Gewehren, da die 
Zeughäuser vollständig leer waren, namentlich 
in denk Kasseler Zeughause zuletzt noch die Russen 
bei dem Einfall Czernitcheffs gründlich auf 
geräumt hatten. Nach der von dem Kurfürsten 
mit den Verbündeten getroffenen Uebereinkunft 
sollten die Gewehre von den Gewehrfabriken zu 
Suhl, Sohlingen und Herzberg geliefert werden; 
diese Fabriken waren aber bereits so sehr in 
Anspruch genommen, daß die Lieferung sich sehr 
verspätete und viele der ausmarschierenden 
Truppen erst ein paar Tage vor dem Ausmarsch 
zum erstenmal ein Gewehr in die Hand bekamen. 
Zur Ausrüstung der Artillerie fehlte es voll 
ständig an Geschützen; es wurden deshalb hessische 
Offiziere nach Dresden und Leipzig gesandt, um 
zunächst 20 Kanonen und 6 Haubitzen anzu 
kaufen, und dem Stückgießer Henschel der Auf 
trag gegeben, solche zu gießen. 
Nicht minder groß war die Schwierigkeit, in 
so kurzer Zeit die Uniformen zu beschaffen , da 
es an Tuchen dazu fehlte. Die auswärtigen 
Fabriken, an welche man sich wandte, waren 
mit der Fabrikation des Tuches für die Truppen 
ihres Landes vollständig in Beschlag genommen 
und im Lande selbst war Hersseld die einzige 
Stadt, welche solche Fabrikation im größeren 
Maßstabe betrieb. Der Kommandeur des dort 
in Garnison liegenden Regiments Landgraf Karl, 
Oberst von Borck, benutzte diesen Umstand mit 
der größten Energie, indem er allen Tuchmachern 
und Schneidern Hersfelds und der Umgegend 
Exekution einlegte, um sie zur unausgesetzten 
Arbeit für seine Soldaten zu nöthigen. Sein 
Regiment war deshalb das einzige, welches am 
1. Februar 1814 vollständig uniformiert den 
Marsch nach Koblenz antreten konnte. Dies 
war durchaus nicht der Fall bei den Regimentern 
Kurfürst und Kurprinz, welche am 20. Januar 
von Hanau bezw. Marburg ausmarschierten. 
Von Kassel rückte am 30. Januar die erste 
Marschkolonne, bestehend aus dem Regiment 
Prinz Solms (früher v. Wurmb), 2 Eskadrons 
freiwillige Jäger zu Pferd, zwei Kompagnien 
freiwillige Jäger zu Fuß, 100 Mann Mineure, 
ein Bataillon gelernte Jäger und eine Batterie 
Artillerie aus. 
Ueber den unter großen Feierlichkeiten statt 
gefundenen Ausmarsch und den Weitermarsch 
dieser Truppen in Feindesland ist uns ein sehr 
lebendiges und anschauliches Bild in Briefen 
erhalten geblieben, welche ein freiwilliger Fuß-
        

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