Full text: Hessenland (3.1889)

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war ein Theil des Klosters an Landgraf Philipp 
den Großmüthigen gefallen, daranf hin säkula- 
risirte er dasselbe. Der Landgraf scheint Interesse 
für Cornberg gehegt zn haben, denn in einem 
mir vorliegenden Vertrage vom Jahre 1556 
setzte er durch Siegel und Unterschrift die Grenze des 
Waldes Derer von Trott im Schillingsgrunde und 
Bombacher Wald fest, zwischen Cornberg und Boxe 
rode. Es wurden vier Grenzsteine genau be 
zeichnet, die auf der einen Seite des Landgrafen, 
auf der andern der Trotten Wappen tragen 
sollen. Diese Steine waren gesetzt von der 
Wiese im Schillingsgrund bis auf die Höhe 
neben dem Wege, der von Sol; kommt, der 
vierte unter einer Hainbuche, mit einem Kreuz 
gezeichnet. Es heißt daun: „Ueber diese gesetzten 
Steine und abgezogenen orth, sollen die Trotten 
zu Soltza Keines gebrauchs im Bombacher Wald 
sich anmaßen, was aber liegt znr linken Haudt, 
daß Ihnen wie vorgemeldet ist zugelassen, daß 
sollen und mögen sie gebrauchen mit maß, Holtz, 
Hute und Hege ohne Unser Landtgraff Philipsen 
Unsere Erben und Mannigl. von Unsertwegen 
Eintrag und Verhinderung, doch behalten wir 
uns, unßereut Erben, und Nachkommen Fürsten 
zn Hessen bevor in Berührtem angereimten, die 
hohe Obrigkeit, die Wildspur, und die Jagd und 
daß Sie allda gantz und gar nicht zu jagen 
haben sollen." 
1580 übergibt der Landgraf den ihm ge 
hörenden Theil von Cornberg an seinen natür 
lichen Sohn Philipp Wilhelm, der sich darnach 
von Cornberg nannte und 1584 auch von 
dem Abte von Hersfeld mit der anderen Hälfte 
des Klosters belehnt wurde. Aber schon 1598 
trat Der von Cornberg für 10000 Reichsthaler 
und verschiedene Lehen das Kloster Cornberg 
gänzlich an Landgraf Moritz ab. Seitdem blieb 
der Besitz den hessischen Landgrafen, gehörte zum 
Amte Sontra, heute zum Kreise Rotenburg und 
ist jetzt eine Staatsdomäne von 1200 Morgen Größe. 
So haben denn die alten Mauern Cornberg's 
int Laufe von 6 Jahrhunderten manchen Wechsel 
der Zeiten gesehen, Kriege, Stürme und Sonnen 
schein sind an thuen vorübergezogen. Aber nur 
die äußeren Umrisse ihrer Geschichte sind uns 
erhalten geblieben, die Sorgen und Freuden, wie 
auch die Thränen ihrer Bewohner sind im 
Strome der Zeiten verschwunden. Wie manches 
gottergebene Gebet haben wohl die alten Linden 
über dem Orte mit angehört, aber auch wie 
manchen Wunsch, der aus der stillen Kloster 
zelle hinaus in das warme, frische Leben geflogen. 
Und noch ein anderer Zeuge ist uns aus da 
maliger Zeit erhalten geblieben, der Taufstein 
des Klosters. Zwar sagt keine Inschrift und 
keine Jahreszahl von seinem Ursprung, aber 
Form und Zeichnung lassen den Stein als 
Taufstein erkennen. Auch ist es eine Tradition 
der Familie Thon, die über 300 Jahre auf 
Cornberg ansässig gewesen, daß dieses der 
Taufstein des Kloster's sei. Wahrscheinlich ist 
der Stein, als die Kirche verödet war, aus der 
selben entfernt lind dann lange Jahre hindnrch 
als Brunnenstein in Cornberg benutzt worden. 
Später brachte ihn einer der Thone nach dem 
der Familie gehörenden Gute Menglers, wo er 
halb eingegraben als Fntterstein verwendet wttrde. 
Der jetzige Besitzer von Menglers hat ihn seiner 
einstigen Bestimmung wieder näher gebracht, 
unb wie vor nahezu 500 Jahren in seiner weiten 
Steinschale das reine Wasser der heiligen Taufe 
stand, so nimmt er heute den hellen Wasserstrahl 
eines Springbrunnens auf. Ein geschickter Stein 
bildhauer hat die Skulpturen des Steines genau 
nach der alten Bearbeitung aufgehauen. Der 
Stein besteht aus einem runden Fuß und einer 
aus einem Stück gehauenen weiten Schale; 5 stilvoll 
verzierte Stäbe, die jeder in eine jonische Schnecke 
auslaufen, scheinen die Schale zu tragen, zugleich 
theilen sie auch die Fläche derselben in 5 Felder, 
jedes mit einem Löwenkopf und Ornamenten 
verziert. Am Rande der Schale ist ein wirkungs 
voller Frieß aus Anker und Perlen zusammen 
gesetzt angebracht. 
Hier ist das Bild dieses Taufsteins.
        

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