Full text: Hessenland (3.1889)

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rinnerung an Kloster Kornberg 
Von H- Keflerhelö. 
Möge es dem Schreiber dieser Zeilen vergönnt 
sein, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf eine 
Gegend in unserm schönen Hessenland lenken zu 
dürfen, welche bis jetzt noch nicht so allgenicin 
bekannt ist, als sie es wohl verdient. Treten 
uns auch nicht mächtige Berge, große Flüsse oder 
felsige Thäler und Schluchten gleich wie im 
Thüringer Wald oder in der sächsischen Schweiz 
entgegen, so bieten doch die grünen Wiesen, die 
fruchtbaren Felder und die waldreichen Berges- 
höhcn jedem Beschauer das anziehendste Bild. 
Mehr aber soll es dem noch sein, dem dieses 
Land die Heimath ist. Wie der Baum mit 
allen seinen Wurzeln im Boden haftet, soll auch 
der Mensch gebunden sein an seine Heimath, an 
sein Land, und dem Boden gleichen, dem er 
entsprossen ist. So ist es in unserem Hessen- 
land bestellt. Seine Geschichte wird für alle 
Zeiten ihre Bedeutung behalten. Ich wage nicht 
zu sagen, in Nachfolgendem einen Beitrag dazu 
zu liefern, ich will nur in Erinnerung bringen, 
was schon ein Berufenerer als ich über Kloster 
Cornberg geschrieben hat. 
Kaum 1 Stunde von der alten Bergstadt 
Sontra, nahe dem sagenumwobenen Bergsee 
von Dens und dem waldgrünen Gipfel des 
aussichtsreichen Ahlheimer, liegt hart an der 
alten Heerstraße nach Bebra—Cornberg mit der 
gleichnamigen Station der Bebra - Göttinger 
Eisenbahn. Dieses Cornberg war früher ein 
Kloster. Nach den vorhandenen Urkunden*) wird 
Cornberg zum erstenmal im Jahre 1296 erwähnt, 
nachdem frühere Schriften, die älteste von 12.90 
auf Kloster Bubenbach, '/ t Stunde von Cornberg 
in einem umwaldeten Wiescngrunde gelegen, hin 
weisen. Hier zeigt uns auch jetzt noch ein freier, 
großer Platz mit Resten von Mauerwerk, einem 
großen Teiche und einem gemauerten Brunnen 
das frühere Dasein eines Dorfes oder Klosters 
an. Seit einigen Jahren ist daselbst ein hübsches 
Försterhaus gebaut und da, wo früher die weiten 
Hallen eines Gotteshauses dem herbeiströmenden 
Volke offen standen, zieht heute der Pflug seine 
Furchen, um den Segen des Himmels in reifenden 
Ernten hervorzubringen. Auch in diese Einsam 
keit sind die Pioniere der Neuzeit gedrungen, 
das Dampfroß bringt Leben und freudiges 
Schaffen in die Wälder. 
Es läßt sich nicht genau feststellen, in welchem 
Jahr die Verlegung des Klosters Bnbcnbach 
nach Cornberg stattfand, zwischen 1292 und 1296*). 
Cornberg wird schon früher ein Hofgut gewesen 
sein und wie Merlan in seiner Topographia 
Hassiae noch 1655 sagt, daß Kloster „Cörnberg" 
wegen seines Fruchtwachsthums bekannt sei, so 
wird wohl dieses und die wärmere Lage des 
Ortes auch den Umzng von Bubenbach nach 
Cornberg verursacht haben. Die Klostergebäude, 
insofern sie heute »och erhalten sind, bilden die 
Form eines Vierecks. Auf der einen Seite liegt 
die Kirche mit dem Thurm, während die drei 
andern Wirthschaftsgcbünde oder Zellen der 
Nonnen gewesen sind. Ein kleiner Hof im 
Innern war der Begräbnißplatz des Klosters. 
Der Hauptbau, die sogenannte Propstei ist ein 
großer, düsterer Ban von zwei massigen Thürmen 
flankirt, die nach der Gartenseite dicht mit Epheu 
und wildem Wein bewachsen sind, rankend bis 
znm Thurmknopf. So stehen die Gebäude, von 
kleinen Sandsteinen und eisenhartem Mörtel er 
baut schon 590 Jahre da und machen noch 
immer den Eindruck von Festigkeit und vor 
aussichtlich langer Dauer. Ihre dunkeln Mauern 
kontrastiren seltsam mit den in neuerer Zeit ans 
schönen Quadersteinen aufgeführten landwirth- 
schaftlichen Bauten: einem Brennereigebäude und 
einem großen Kuhstall. Nachdem ein früherer 
Bau, der sich durch eingchanene Zeichen: „L. J. 
1620." als ans der Zeit der Landgräfin Juliane, 
Gemahlin des Landgrafen Moritz, erwies, abge 
rissen, bilden diese neuen Bauten mit einigen 
älteren den eigentlichen Wirthschastshof der heutigen 
Domäne. Dem Gut gegenüber liegt das Wirths 
haus, das 1615 von der Landgräfin Juliane 
für 300 fl. der Familie Thon verkauft wurde, 
Schmincke sieht darin das frühere Siechenhaus 
des Klosters. In jüngster Zeit haben auch diese 
alten Mauern einen Verjüngungsprozeß, die 
dritte Metamorphose, erlebt, sowohl äußerlich 
durch Restauration, als auch in ihrer inneren 
Bestimmung, denn ein Schild mit dem deutschen 
Reichsadler sagt uns, daß hier die kaiserlich deutsche 
Post ihren Sitz genommen hat. Außer einigen 
Oekonomiegebäuden, stehen noch 6 Arbeitshäuser 
an der Straße, die mit dem Gute das Ansehen 
eines kleinen Dorfes haben, welchem der in 
flottem Betrieb stehende Steinbruch ein noch 
lebhafteres Aeußeres giebt. — 
Die Reformation griff auch in die Geschicke 
von Cornberg ein. Durch die Wirren derselben 
) Urkunden von Kloster Cornberg von I. Schmincke. 
•) nach Schmincke, Geschichte von Cornberg.
        

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