Full text: Hessenland (3.1889)

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Jni Feldzuge von 1870—71 zeichnete sich das 
Regiment aus in den Schlachten bei Vionville, 
Mars la Tour, bei Gravelotte, beiOrleans, 
in den Gefechten bei Bria re am 31. Dezember, 
1. und 14. Januar. Nur 2 Bataillone zu je 1000 
Mann stark (erst am 8. April 1881 erhielt es das 
3. Bataillon), erlitt es einen Verlust von 7 Offizieren, 
180 Mann an Toten und 14 Offizieren, 298 Mann 
an Verwundeten. Dies besagt genug! — 
Außer einer Übersichtskarte der Feldzüge des Regi 
ments und 2 Schlachtplänen (Gravelotte und Briare) 
sind 21 Anlagen (Bestände, Verlustlisten rc.) bei 
gefügt, sowie ein „Anhang", der bemerkenswerte 
Einzelhandlungen enthält. Eine derselben sei hier 
wiedergegeben nach der Erzählung des Gewährs 
mannes, des damaligen Fähnrichs Weimer (jetzt 
Hauptmann der 7. Compagnie des Regiments): „Am 
Nachmittag des 18. August, als auf unserm linken 
Flügel die Bataiüone der preußischen Garde zum 
Sturm ansetzten, bemerkte ich in meinem Schützen 
zuge, wie ein Soldat sich über einen anderen auf 
dem Rücken liegenden beugte und dessen Rock auf 
knöpfte. Ich eilte an die Stelle und sah, daß es 
der Musketier Küchler war, seines Zeichens ein 
Steinmetz, durch einen Schuß in die Brust zu Tode 
getroffen. Brechenden Auges fragte er mich, als er 
mich erkannte: Gewinnen denn die Franzosen, Herr- 
Fähnrich? Nein, war meine Antwort, es geht gleicht 
vorwärts! — Nun, und dabei hob sich schwer die 
junge Heldenbrust, dann kann ich ruhig sterben! — 
Nach wenigen Augenblicken, als ich schon glaubte, j 
daß das Leben aus ihm gewichen, hob er wieder die ! 
Hand nach mir und sagte mit sterbender Stimme, in 
abgebrochenen Worten: Sagen Sie doch dem Herrn 
Hauptmann, daß er meinem Vater schreibt, wie ich 
gestorben bin und daß ich meine Schuldigkeit gethan 
hätte! — Nach diesen Worten, die nur mühsam 
hervorgebracht wurden, verschied Küchler." — 
Welche Kämpfe anch dem hessischen weißen Regi- 
nrente noch beschieden sein mögen, die ruhmvolle Ge 
schichte eines Jahrhunderts bürgt dafür, daß es 
immerdar in guten und bösen Tagen, dem Gebote 
der Ehre und der Pflicht treu bleiben und daß es 1 
immerdar eingedenk sein wird des althessischen Fahnen j 
spruches: 
„Durch neuer Thaten Ehreil 
Den alten Ruhm zu mehren!" — 
Laubach i. Oberh. Br, A« N« 
Bibliotheca Hassiaca. Repertorium der landes 
kundlichen Litteratur für den königl. Preußischen 
Regierungsbezirk Kassel. Bearbeitet von Karl 
Ackermann. Kassel (L. Döll). Zweiter Nach 
trag 1889. 
Es ist eine mühevolle Arbeit, welcher sich der 
Verfasser durch Aufstellung der landeskundlichell 
Litteratur für Hessen unterzogen hat, und eine un 
dankbare dazu. Denn einmal ist dem Kritiker von 
Fach nichts lieber, als die Besprechung eines biblio 
graphischen Hilfsmittels. Da kann er selbst seine 
litterarische Belesenheit ins rechte Licht setzen; da 
kann er sein Erstaunen aussprechen, wie er dies und 
jenes Werk vermißt, diese und jene Abhandlung ver 
gebens gesucht habe. Die Titel scheinen ihm so ge 
läufig, als brauche er sie nur so aus dem Aermel 
zu schütteln, und doch hat er vielleicht erst Wochen 
lang in den verschiedensten Richtungen gesucht, bis 
er einige fehlende Sachen aufzustöbern vermochte. — 
Andererseits ist der materielle Gewinn, der aus solchen 
Arbeiten erwächst, von vornherein gleich Null anzu 
schlagen. Dagegen wird der echte Forscher jederzeit 
dankbar das Hilfsmittel begrüßen, das ihm einen 
großen Theil seiner Arbeit vorwegnimmt imb ihm 
den Weg bahnt zu der vorhandenen Litteratur. Vor 
allem aber gebührt dem Verfasser der Dank des 
Bibliotheksbeamten, an den so häufig Fragen aller 
speziellster Art gestellt werden, und dem die „Biblio 
theca Hassiaca" dabei häufig schon aus der Verlegen 
heit geholfen hat. 
Der neue Nachtrag ist wieder ein Beweis für den 
Fleiß des Herrn Verfassers. Er bietet über 200 
weitere Titel, die theils das früher Erschienene ver 
vollständigen, theils die Litteratur bis zum Ende des 
Jahres 1888 fortführen. 
Den zahlreichen Freunden des Verfassers ist dieser 
Nachtrag zugleich ein erfreulicher Beweis dafür, daß 
ihm auch tiv,fernem neuen Wirkungskreise, unter den 
vielfältigen Amtsgeschäften, die Lust an anderweitiger 
wissenschaftlicher Thätigkeit nngemindert geblieben ist. 
H. Br. 
Kriefkasten. 
G. Th. D. Marburg. Gratulationsgedicht mußte wegen 
Raummangels zurückgestellt werden. Besten Dank. 
6. Sch. Bockenheim. Ihrem Wunsche werden wir nach 
kommen. 
W. B. Fulda. Dank sür die Berichtigung. Die Schuld 
an dem Versehen trifft nicht uns. Freundlichsten Gruß. 
GL H. Kassel. Soll geschehen. 
K. S. Göttingen. Bitte um genaue Adresse. 
|f* Zum Abonnement ans das 2. 
Quartal unserer Zeitschrist „Hessen 
land" laden ergebenst ein 
Kassel, im Mürz 1889. 
Redaktion «nd Uerlag. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zw eng er in Kassel. — Druck von Fried r. Scheel in Kassel.
        

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