Full text: Hessenland (3.1889)

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Behauptungen ohne jede Quellenangabe aufgestellt, 
daß er, will er ferner als Forscher ernst genommen 
werden, vollgültige Urkunden oder zwingende Beweise 
dafür beibringen muß. 
So ist Herr H. v. Pfister noch die „heimischen 
Urkunden aus dem achten Jahrhundert" nachzuweisen 
verpflichtet, in denen für „Metze" die Form „Matziachi" 
vorkommt (Hessenland I, S. 26 und II, S. 142 
gar „Mazzi, Mazziachi, Metzich, Metzach u. s. w.«), 
und ferner den Beweis dafür schuldig, daß „Kaiser 
Maximilians freie fromme Landsknechte" Donner und 
Doria geflucht haben (Sagen und Aberglauben . . . 
von H. v. Pfister S. 23), um nur Einiges, das 
mir gerade zur Hand ist, anzuführen. 
V. Wenn schon geschichtlich bei Herrn H. v. Pfister 
all das „Neueste" unbegründet, schief oder mißlungen 
ist, so findet sich a. a. O. S. 226 sprachlich sowohl 
über Herkunft als auch über Deutung des Wortes 
nur völlig Verkehrtes: 
1) Raspe hat mit „rapsen", worunter es Herr 
H. v. Pfister zu stellen beliebt, gar nichts zu thun: 
vergl. Prof. Heyne in Grimms Wörterbuch VIII, 
sp. 143! 
2) Raspe heißt weder „ahd. Hraspo miles“ noch 
„der, welcher fleißig wegnimmt" — nur diese zwei Er 
klärungen gibt H. v. Pfister a. a. O.! —, sondern der 
Raffer, d. i. Vernichter der Feinde, wie die von mir 
angeführte Willehalmstelle beweist. — 
Ich glaube nun, jedem unbefangenen Kenner der 
Verhältnisse die volle Berechtigung zu meinen sach 
lichen Bemerkungen (in Nr. 4) dargethan zu haben, 
und ersuche Herrn H. v. Pfister hiermit 
dringend, entweder mich eines Besseren sachlich 
zu belehren, wofür ich demselben im Voraus dankbar 
bin, oder aber das von ihm hervorgeholte Kriegs 
beil dadurch zu begraben, daß er es vorzieht, durch 
sein Schweigen mir zuzustimmen. Sollte jedoch 
Herr H. v. Pfister wiederum mit persönlichen An 
griffen gegen mich vorgehen, so werde auch ich — 
jedoch an anderem Orte, nicht hier int Hessenlande — 
aus der mir durch den Altersunterschied auferlegten 
Zurückhaltung heraustreten. 
Kassel, Anfangs März 1889. 
Dr. phil. K. Stetig. 
Hessische Sücherschau. 
Geschichte des 2. Großherzoglich Hessischen 
Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116. 
Von Klingelhöffer, Hauptmann und Adjutant 
beim Gouvernement Metz. Seiner Großherzoglichen 
Hoheit dem Prinzen Alexander von Hessen 
und bei Rh ein,*), dem hohen Inhaber des Regi- 
*) Kurz nach dem Erscheinen dieses Werkes ist Prinz 
Alexander (am 16. Okt. 1842 zum zweiten Inhaber 
des Regiments ernannt) verschieden. Vgl. „Hessenland", 
Zahrg. 1888, S. 377. 
ments, unterrhänigst gewidmet. Berlin 1886, Verlag 
der Königl. Hofbuchhandlung v. E. S. Mittler & Sohn. 
Obwohl in erster Linie für die ehemaligen und 
jetzigen Angehörigen des Regiments bestimmt, be 
handelt genanntes Werk in trefflicher Darstellung 
einen so bedeutsamen Abschnitt deutscher, insbesondere 
hessischer Geschichte, daß es auch weiteren Kreisen einen 
lehrreichen und anziehenden Lesestoff bietet. Das 
hessische weiße Regiment zählt zu den älteren des 
deutschen Reichsheeres. In den milden Lüften des 
Südens und - in den eisigen Stürmen des Nordens, 
von der Loire bis zur Beresina, vom adriatischen 
Meere bis zur Nord- und Ostsee haben seine Fahnen 
geweht, meistens siegreich, immerdar in Ehren. 
Bis in das Jahr 1741 führt uns die Geschichte 
des Stammtruppenteils seines 2. Bataillons zurück, 
des Leibgrenadier-Garderegiments. Das 1. Bataillon 
wurde am 15. Sept. 1790 als „leichtes Infanterie- 
Bataillon" errichtet, beffcu Mannschaft dem in Gießen 
stehenden „Kreisregiment" entnommen wurde. Gießen 
blieb seine vorläufige Garnison; nach verschiedenern 
Wechsel ist diese Stadt seit dem 21. Sept. 1866 die 
Garnison des Regiments. Im Revolutionskriege, an 
der Seite preußischer Truppen, fand das 1. Bataillon 
die erste Gelegenheit zu besonderer Auszeichnung. Bei 
der Belagerung von Mainz, in der Nacht 
vom 9. Juni 1793 machten die Franzosen einen 
Ausfall von Castel aus mit 1500 Mann und 2 Ge 
schützen. Sie wurden zurückgeworfen. Wegen des 
hierbei bewiesenen Mutes wurde das Bataillon in 
einem Schreiben des Königs von Preußen an derr 
Landgrafen mit rühmender Auszeichnung ausdrücklich 
genannt. Von Herbst 1793 bis Frühjahr 1795 
finden wir das Bataillon im Feldzug in denNied er- 
lauden; in den Gefechten bei Harlebecke (5. Mai 
1794), bei Courtray (10. 11. Mai 1794), bei 
Jngelmünster (12. Mai 1794), bei Lincelles (18. 
Mai 1794), bei Roosebeke (11. Juni), bei Beveren 
(13. Juni), bei Boxtet (14. Sept. 1794) erwarb es 
sich durch sein braves Verhalten vollste Anerkennung. 
Im Juli 1796 marschierte das leichte Infanterie- 
bataillon nach Triest aus; in Fiume fand es Ver 
wendung zum Küstenschutz gegen die Franzosen. Am 
15. Dez. 1798, nach siebenwöchentlichem Marsche 
langte es wieder in der Heimat an. 
Am 1. Juni 1603 wurde das Bataillon zum 
Füsilier-Bataillon der Leibbrigade ernannt, während an 
gleichem Tage das jetzige 2. Bataillon des Regiments 
als Füsilier-Bataillon der Brigade Landgraf aus den 
Stämmen des (1741 gebildeten) Pirmasenser Leib 
grenadier-Garderegiinents errichtet wurde. In schweren 
Zeiten bewiesen diese Bataillone dem Landesherrn die 
geschworene Tr«me, in schweren Zeiten wurden sie 
zum Regimente geeinigt. Erst bewaffnetem Drucke 
weichend, als allerletzter trat der Landgraf von Hessen- 
Darmstadt 1806 dem Rheinbünde bei; am 14. August 
nahm er den Titel „Großherzog" an. Am 18. August
        

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