Volltext: Hessenland (3.1889)

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„„Mit Gott in einer jeden Sach 
Den Anfang und das Ende mach, 
Mit Gott gerath der Anfang wohl, 
Fürß Ende man Gott danken soll.""— 
„„Allein auf Gott setz dein Vertrauen, 
Auf Menschenhilf sollst Du nicht bauen, 
Gott ist allein, der Glauben halt, 
Sonst ist kein Glaub nicht in der Welt."" — 
„„Gott allein die Ehr, 
Sonst keinem Andern mehr."" 
„„Wer mit Gott geht aus und ciu 
Wird dort ewig bei ihm sein."" 
„„Johannes Noll nnd seine ehliche Hauß 
Frau Anna Elisabetha haben durch Gott Hilf 
diesen bau erbaut, 
desen Schutz ist auch wieder anvertraut, 
Er wache iber alte so sich wir uns tun nennen, 
Biß wir uns im Himmel kennen.""— 
An eine schlimme Feuersbrunst in diesem Dorfe 
erinnern die Verse: 
„„Drauervolle läge, 
Da lauter angst urd Plage 
Uns hart betroffen hat, 
Es war das unglücks-feuer 
So schnell und ungeheuer, 
Daß niemand konnte widerstehl!. 
Wo sind doch unsre Häuser zu sehn'? 
Sie wurden mit Hab und Gut 
Verzehrt durch die gluth."" — 
Von bitterer Erfahrung zxngt die Inschrift eines 
Hauseö in B r a n e r fchwend (an oberer Schwalm :) 
„Bauen ist eine Lust, 
Doch macht es den Beutel leer. 
Hätt' ich das eher gewußt, 
So baut' ich nicht mehr." — 
In Oberfeemen bei Gedern finden wir: 
„„Wo Fried' und Einigkeit regiert, 
Da ist das ganze Haus geziert."" — 
In R upPertsburg bei Laubach : 
„ „Da du lebst, da leb auch ich. Wohin hättest 
du mich gern gefangen, jetzt hättest du mich. Was 
hilft cs dir? Du bist tot, und ich muß sterben."" — 
, „Dis Haus steht in Gottes Hand, 
Kaspar Schad und Anna Katharina die Bauleut 
genannt, 
Meister Konrad Fritz gemacht mit seiner Hand, 
Gott behi'lts vor Feuers-Brand.""— 
In We 1 terfeld bei Laubach: 
„„Mit Ziegeln bin ich wohl versehn, 
An Holz thut es auch nicht fehlen, 
Die Fenster sind so eingericht, 
Wie man es hier vor Augen sicht. 
Am weisen wird kein Fehler sein, 
Drum laßt all nur eur Spotten sein."" — 
In Queckborn und Weikartshain bei 
Grünberg lesen wir wiederholt den Spruch: 
„„Durch Gottes Hilf und seine Macht 
Ist dieser Bau in Stand gebracht."" — 
In letztgenanntem Dorfe fanden wir an den 
Balken eines abgerissenen Hauses: 
. „„Sing, bät uud geh auf Gottes Wegen, 
! So lang bit lebst in dieser Welt, 
l So schmückt dir Gott dein Haus mit Segen, 
An Gut und Nahrung wohl bestellt."" — 
j Dr. A. U. 
Aus Heimat!) und Fremde. 
Marburg. Dem Privatdoeent Dr. med. Karl 
Rose r dahier ist vom 1. April ab die durch den 
j Tod des Sanitätsrathes Dr. Noll erledigte Stelle 
! des Dirigenten des L a n d k r a n k e n h a u s e s 
zu Hanau übertragen worden. — Der Professor 
Dr. med. E r u st F r e r i ch s, früher Privatdoeent 
der medizinischen Fakultät, hat seinen Wohnsitz nach 
Wiesbaden verlegt. — In der Sitzung des Abgeord 
netenhauses am 5. März zu Berlin wurde der An 
trag, 2400 Mk. für die Professur der Hygiene in 
Marburg und 4274 Mk. für das hygienische In 
stitut daselbst zu bewilligen, angenommen. — Der 
außerordentliche Professor für englische Philologie 
und Direktor des romanisch-englischen Seminars Dr. 
Wilhelm Victor hat eine Berufung als ordent 
licher Professor an die Universität Genf erhalten. 
Man hofft, daß es den Bemühungen der hiesigen 
philosophischen Fakultät gelingen werde, den verdienten 
Gelehrten und beliebten Lehrer der hiesigen Universität 
j zu erhalten. 
I 
Auf den durch Prof. Lueae's Tod erledigten 
Lehrstuhl für Ger m a it istik in M a r b u r g ist 
ein junger Gelehrter berufen worden, dessen engere 
Heimat das Hessenland ist. Prof. Dr. Edward 
Schröder wurde tm Jahre 1858 zu Witzeuhauseu 
geboren, verließ Ostern 1876 das Lyceum Fride- 
riciaimm zu Kassel mit dem Zeugniß der Reife und 
studirte zu Straßburg und Berlin germanische Philo 
logie im engeren Schülerkreise Müllenhoffs unb 
Scherers. Nach dem Erscheinen seiner musterhaften 
Ausgabe des Anegenge (Quellen und Forschungen, 
Band 44), mit deren ersten Theil er in Straßburg 
promovirte, und seiner geistreichen Bearbeitung des 
goldenen Spiels von Meister Jngold in den Elsässer- 
Denkmälern No. III., arbeitete Schröder in Berlin 
an den Monumentis Germaniae, wo man ihm die 
schwierige Ausgabe der Kaiserchronik anvertraute. 
Von Berlin ging Schröder nach Göttingen, um dort 
durch seine Habilitation seine Universitätslaufbahn zu 
beginnen, die ihn bald nach Berlin zurückführen sollte, 
wo er außerordentlicher Professor wurde. Damals 
ruhte eine große, aber ehrenvolle Arbeitslast und 
Verantwortung auf ihm, als Müllenhoff und Scherer kurz 
hintereinander starben. Ihm vertraute man auch die
        

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