Volltext: Hessenland (3.1889)

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Griechenlands Thron, Amalia von Oldenburg, 
die er besang: 
„Du Königin der Griechen und der Frauen". 
Daß ich auch diese gekannt und sie in ihrer 
traurigen Einsamkeit auf dem Schlosse zu Bam 
berg besucht hatte, vernahm Geibel mit inniger 
Theilnahme. 
Ich erfuhr beim Abschiede von ihm, daß er 
auch noch am Abend seines Lebens durch den 
Verkehr mit einer edlen Frau Herzenstrost und 
Seelenfreude empfing, er trug mir nämlich Grüße 
auf für seine hohe Brieffreundin, die verwittwete 
Fürstin Alma Carolath, geborene Baronesse von 
Fircks, welche damals in Berlin lebte, aber vor 
wenigen Jahren auch gestorben ist. 
Amalie Kaffenpflug, 
die Freundin von Deutschlands größter Dickterin. 
Von Io s- 
Wenn unsere Zeitschrift es als Aufgabe erkennt, 
die Erinnerung an alle hervorragenden Persön 
lichkeiten, die in unsrer Heimath Rühmliches ge 
wirkt, dankbar wach zu halten, so drängt sich, 
ohne langes Suchen, eine Fülle erhebender Lebens 
bilder auf, soweit es die Söhne des Hessenlandes 
betrifft. 
Anders aber ist es hinsichtlich der Frauen! 
Denn wäre ihr Wirken noch so segensreich und 
verdienstvoll gewesen, — sie, die so selten aus 
den enggezogenen Schranken ihrer Häuslichkeit 
heraustreten, finden doch selten einen Biographen. 
Und wenn ich nun hier einer hessischen Frau, 
deren Namen eng mit der Geschichte der deutschen 
Literatur verflochten ist, gedenken will, so muß 
ich auch gleich von vornherein bekennen, daß ich 
von dem Lebensgang derselben eigentlich recht 
wenig zu erzählen weiß, ja daß mir selbst fast 
keine biographische Daten als Anhaltspunkte zur 
Verfügung stehen. 
Warum ich es da dennoch versuche, für eine 
so still aus dem Leben Gegangene die allgemeine 
Aufmerksamkeit anzurufen? 
Nun, verehrte Leser, diese edle Tochter des 
Hessenlandes verdient es eben, daß ihr Gedächt 
niß auch über den engen Kreis ihrer Familie 
und ihrer Freunde hinaus gefeiert werde — und 
sollte da nicht vielleicht diese sehr lückenhafte Skizze 
immerhin einen besser Unterrichteten anregen 
dürfen, sie durch nähere Angaben zu ergänzen? — 
Amalie Hassenpflug, die Schwester des 
einst vielgenannten Ministers Hans Daniel Ludwig 
Friedrich Hassenpflug, ist es, die insofern auch 
für weitere Kreise ein literarhistorisches Interesse 
beansprucht, als sie nicht nur auf das allgemeine 
dichterische Schaffen der großen Dichterin Annette 
von Droste-Hülsh osf von förderndem Ein 
flüsse gewesen, sondern letztere ihr auch speziell 
verschiedene tiefempfundene Gedichte, welche zu 
Grinrsu. 
den edelsten Perlen unserer Dichkunst zählen, ge 
widmet hat. 
Es ist jetzt gerade ein halbes Jahrhundert her, 
als Amalie Hassenpflug die Freundschaft dieser 
wunderbaren Frau gewann, und zwar in deren 
Heimathland Westfalen, wo der hessische ExMinister 
ein Asyl in der gastfreien Familie von Haxt 
hausen gefunden hatte. Bekanntlich weilten ja 
auch die Brüder Grimm sehr gern auf den feu 
dalen Edelsitzen der gelehrten und genialen Frei 
herren Werner und August von Haxthausen, die 
beide Brüder von Annetten's Mutter waren. 
Annette selbst war damals noch nicht wie heute 
von allen berufenen Literarhistorikern einmüthig 
als „Dichterkönigin" auf den Thron erhoben 
worden, im Gegentheil, sie hatte erst in diesem 
Jahre (1838) den dringenden Aufforderungen 
der Freunde, mit ihren Dichtungen in die Oeffent- 
lichkeit zu treten, endlich sich gefügt und in der 
Aschendorff'schen Buchhandlung zu Münster unter 
dem Titel: „Gedichte von Annette Elisabeth 
v. D. H." einen kleinen Band erscheinen lassen, 
der sogar recht wenig beachtet worden war. Amalie 
aber, eine hochbegabte schöne und hochgebildete 
Dame, deren feine Anmuth und edle Liebens 
würdigkeit von Allen, die sie kannten, sehr ge 
rühmt wird, stand so ziemlich in gleichem Alter 
mit dem interessanten westfälischen Edelfräulein, 
und waren auch Beide in ihrem Wesen und in 
ihren Anschauungen sehr verschieden, so konnte es 
doch nicht anders sein, als daß zwei so ausge 
zeichnete Frauennaturen sich gegenseitig mächtig 
anziehen mußten. 
Von der Vertrautheit und Innigkeit des Ver 
kehrs, der aus dieser Bekanntschaft entstand, giebt 
nachstehendes Gedicht von Annette Zeugniß, zu 
dessen besserem Verständniß bemerkt werden muß, 
daß Amalie ihrer Freundin den Scherznamen 
„Finke" beigelegt hatte.
        

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