Full text: Hessenland (3.1889)

80 
gleichsam ihre Auferstehung gefeiert hat. Von 
den seitens der Schüler mit anerkennenswerther 
Ausführung zu Gehör gebrachten Vorträgen er 
wähnen wir ein Violinsvlo mit Klavierbegleitung, 
eine Anzahl der schönsten deutschen Volkslieder, 
eine patriotische Scene aus Wilhelm Tell und 
vornehmlich die Weihe der Künste, welche trotz 
der erheblichen Schwierigkeiten mit überraschend 
gutem Erfolge zum Vortrag gelangte. Auch der 
schönen Strophen, die der Dichter und Professor 
der Anstalt, Herr Escuti Orrego, an den Jubilar 
richtete, sei anerkennende Erwähnung gethan. 
Zum Schluß überreichte Herr Rudolph im 
Namen seiner Schüler Herrn Dr. Philipp! zwei 
in großem Format ausgeführte Photographiern 
seiner sämmtlichen Schüler und Schülerinnen. 
Der verehrungswürdige Greis, welcher dem 
ganzen Aktus tief ergriffen zugehört hatte, 
konnte in diesem Augenblicke seine innere Be 
wegung nicht mehr zurückhalten. Mit von 
Thränen erstickter Stimme dankte er, um sich 
alsbald zurückzüzieheu in dem Wunsche, die von 
den tiefen Eindrücken der letzten Tage aufgeregte 
Seele in Alleinsein sich zum früheren Gleich- 
maaß zurückfinden zu lassen. 
Am Sonntag gab der deutsche Verein in 
seinem schön dekorirten Lokale dem Gefeierten 
ein Bankett, an welchem gegen 50 der hervor 
ragendsten Deutschen Santiagos Theil nahmen, 
und bei dem die Hochachtung, deren Professor 
Philipp! sich erfreut, zu besonders lebhaftem 
Ausdruck gelangte. — 
/ 
/ 
/ 
Hessische Offiziere. 
Ein Beitrag zur hessischen Militärgeschichte. 
Van I. Schwank. 
(Fortsetzung.) 
(S. „Hessenland« Nr. 
Lebrecht Ferdinand von Oeppen aus Waldeck, 
seit 1712 Oberstlieutenant, 1727 Brigadier, 
1730 Generalmajor, seit 4. August 1734 General- 
lieutenant und Kommandant der sämmtlichen 
Miliz. Starb 27. Januar 1740, 61 Jahre alt. 
Oberst Moriz Wilhelm von Oeynhausen 
verließ als Kommandeur des Leib-Dragoner- 
Regiments 1697 den hessischen Dienst, ohne daß 
wir angeben können, welch' andern er angenommen. 
Freiherr Alfred Otto Rabe v on Pap penh e im, 
1826—1828 Lieutenant in der kurfürstlichen 
Garde-du-Korps, trat in Folge eines Säbelduells 
mit dem damaligen Artillerie-Lieutenant, späteren 
Kriegsminister E. von Haynau in k. russische 
Dienste, in welchen er bis 1836 als Premier- 
Lieutenant (Rittmeister der Linie) im Husaren- 
regimcnt „Prinz von Oranien" stand, in den 
Feldzügen gegen die Türken und Polen mit 
großer Tapferkeit kämpfte und mit Orden und 
Anerkennung für seine „ausgezeichnete Dienst 
führung" auf sein Ansuchen verabschiedet wurde. 
Graf Casimir Poniatowski war Haupt 
mann beim Grenadierregiment und erhielt 
13. Oktober 1741 auf sein Ansuchen seinen 
Abschied als Oberstlieutenant. 
Karl Rabenhaupt von Sucha (Süchre). 
Er war gebürtig aus Windeck in der Pfalz, 
kommt 1644 zuerst vor, wurde Geheimer Kriegs 
rath, 163H Oberst, 1666 Generalwachtmeister 
vom 2. Zanuar d. Z.) 
und Oberkommandeur der hessen-kassel'schen Miliz. 
Er ging bald darauf in Dienste der vereinigten 
Niederlande, machte sich durch die Vertheidigung 
von Gröningen 1672 aufs neue berühmt und 
starb 1675 zu Coeverden, fast 80 Jahre alt. 
Oberst Justus Heinrich von R a h d i n g, 1709 
Kommandeur des Regiments v. Hanstcin, nahm 
1719 seinen Abschied und begab sich in seine 
Heimath Kurland. 
Joseph von RadoWitz, geboren 9. Februar 
1797 in Blankenburg, trat 1812 als Artillerie- 
Offizier in die westphälische Armee, machte in 
knrhessischen Diensten den Feldzug nach Frankreich 
mit, trat 1823 als Hauptmann in den k. 
preußischen Generalstab, wurde 1830 Chef des 
Generalstabs der Artillerie, 1850 k. preußischer 
Minister des Aeußeren, 1852 Direktor des 
Militärstudienwesens, starb 25. Dezember 1853. 
Conrad von R a n ck e aus schwedischen 
Diensten, seit 25. November 1713 als General- 
lieutenant Chef des Regiments v. Loßberg, 
1. Bataillon, Gouverneur von Rheinfels. Ging 
1719 in Pension. Starb 6. September 1739, 
76 Jahre alt in Hamburg. 
Des 1723 in Kassel als hessischer Obrist 
lieutenant verstorbenen Franzosen de Reneville 
sei nur deshalb erwähnt, weil er durch sein 
Buch histoire de la Bastille, welches „die öffent 
liche Meinung machte", den Grund dazu legte,
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.