Full text: Hessenland (3.1889)

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>as Aubiläum eines deutschen Kreises in Kanliago. 
(Schluß.) 
Seine Professuren legte Dr. R. A. Philipp! 
im Jahre 1874 nieder, um sich ausschließlich 
der Direktion des Museums zu widineu. Was 
Philipp! aus demselben gemacht hat, wissen alle 
diejenigen, die cs in seinem damaligen Zustande 
gekannt haben. Es umfaßte einen einzige» 
Saal. Außer einer Menge fremdartiger Gegen 
stände, die sich in demselben befanden, enthielt 
cs wohl manches interessante Naturobjekt, doch 
waren die meisten Gegenstände vom Staub und 
Mottenfraß, der Arbeit von Ratten und Mäusen 
nicht zil gedenken, arg zugerichtet. Jetzt füllen 
die Sammlungen des Museums einen ganzen, 
großen Ausstellungspalast, und unter seinen 
Kollektionen befinden sich solche, welche die gleich 
artigen so mancher europäischen Museen heraus 
fordern. 
Nicht unbedeutend ist die Zahl der Chilenen, 
welche, einstmals Dr. Philippi's Schüler, sich 
jetzt in hervorragenden, einflußreichen Stellungen 
befinden. Wir neunen nur den heutigen Chef 
des Eisenbahnwesens, Perez de Arce, den gegen 
wärtigen Justiz- und Unterrichtsminister, Dr. 
FedericoPuga Borne, dieDoctoren undProfessoren 
der Universität Jzquierdo und Körner. Alle 
seine Schüler bewahren ihm das liebevollste Ge 
denken und innerhalb der chilenischen Gesellschaft 
ist seine Person hochgeehrt. In dieser Beziehung 
ist er ein leuchtendes Vorbild für alle die jüngeren 
Kräfte, die Chile nach und nach aus Deutschland 
an sich gezogen hat. Von Deutschen, die früher 
seine Schüler in Kassel gewesen sind und 
zum Theil noch unter uns leben, nennen wir 
Dr. Moesta, den verstorbenen Direktor der 
Sternwarte zu Santiago, Luis Grosch, den 
Optiker und Meteorologen derselben Sternwarte, 
Dr. Schwarzenberg in Osoruo, Eduard 
Geiße eben daselbst, Franz Geißein Ovalle 
und Philipp Geiße allhier. 
Das Familienleben im Hause Philippi ist ein 
in jeder Beziehung musterhaftes, echt deutsches 
und für den deutschen Gast ungemein anziehen 
des. Da leben wirklich alle für einen, einer für 
alle; da herrschen Liebe, Nachsicht, Selbstlosigkeit; 
ein jedes will nur dem andern zu Gefallen 
leben. Das großväterliche Haus ist der wahre 
und einzige Mittelpunkt dieses Familienlebens, 
au das ein zahlreicher Kreis treu ergebener 
Freunde sich anlehnen zu dürfen, sich zur Ehre 
rechnet. 
Aber die bösen Stürme des Lebens sind auch 
au diesem Hause nicht spurlos vorübergegangen. 
Nicht nur verlor Dr. R. A. Philippi außer 
seinem Bruder am 13. März 1867 seine treu 
geliebte Gattin durch den Tod; auch von der 
zahlreichen Kinderschaar, mit der dieselbe ihn 
beschenkte, blieben nur zwei am Leben, der schon 
oben erwähnte Sohn und Frau Ella Böhlen 
dorfs, welche in San Juan mit ihrem Gatten 
das väterliche Gut bewirthschaftet. In dem 
großen Kriege des Vaterlandes mit Frankreich 
hat auch unser Kreis den Tribut seines Blutes 
gebracht. Sein hoffnungsvoller 23jähriger Sohn 
Karl starb in deutscheui Lazareth an den Wunden, 
die er als preußischer Offizier am 16. August 
1870 in der Schlacht bei Mars la Tour em 
pfing. 
Die Pflegetochter des Hauses, deren Hochzeit 
vor kurzen! die Familie Philippi feierte, verlor 
ebenfalls beide Eltern durch Mörderhand. „Nach 
solchen Opfern!" — Beschirme denn der Gott 
der Deutschen fernerhin dies deutsche Hans! — 
Es ist leider unmöglich, ein Gesammtverzeichniß 
der schriftstellerischen Arbeiten, welche Philippi's Ruf 
als Gelehrten in der alten und neuen Welt be 
gründet haben, zu geben. Immerhin wird der Leser 
ans denen, die wir ausführen, zu erkennen vermögen, 
wie fruchtbar bislang die Gclehrtenarbeit dieses 
Mannes gewesen ist. Wir führen die folgenden 
Werke an: 
1. Enumeratio Molluscorum Siciliane, II voll, 
1836 und 1844. 
2. Abbildungen und Beschreibungen neuer oder 
wenig bekannter Conchylien, unter Mithülfe mehrerer 
deutscher Conchpliologen, III Vol., 1845, 1847, 
1851. 
3. Handbuch der Conchyliologic und Malakozoo- 
logie, 1853. 
4. Reise durch die Wüste Atacama, 1860. (Erschien 
auch in Spanischer Sprache auf Koste» der Ehileni- 
schen Regierung.)
	        

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