Full text: Hessenland (3.1889)

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28. Februar starb zu Fulda im 63. Lebensjahr 
der Rechtsanwalt und Notar Leopold Löser. 
Ludwig Raspe. Eine Eigenart unserer jungen 
Germanisten ist, daß sie eben in unerheblichen Dingen 
vermeinen, um sich wohlfeile Sporen zu verdienen, 
ihre sachlichen Bemerkungen mit persönlichen Spitzen 
würzen zu müßen; wobei es dann mit allem darum 
und daran nicht allzu genau genommen wird. 
Herr Dr. Seelig behauptet in voriger Nummer, 
ich wollte in sprachlicher Hinsicht das „Neueste" über 
Ausdeutung des ahd. Namens „Hraspo" (miles) bei 
bringen. Ich finde nicht, daß ich auf Seite 226 
meines Nachtrags-Bandes zu Vilmar's Idiotikon 
solchen Anspruch etwa besonders in den Vordergrund 
gerückt hätte. Wol aber möchte ich fragen, was denn 
Herr Dr. Seelig „Neuestes" erforscht hat, um solcher 
Weise zu reden? 
Graf Ludwig war unzweifelhaft ein hessischer 
Fürst, sintemal er seit 1122 mit dem Titel „Herr 
zu Hessen" das Land beherschte, indessen er vom 
Kaiser erst 1130 mit dem noch nicht lange zu einer 
so genannten Landgrafschaft eingerichteten Düringen 
beliehen ward. So verstehe ich wirklich nicht, was 
ich aus dem Scherze machen soll, den sich mir 
gegenüber Herr Dr. Seelig, bezüglich eines „geheimen 
Archives" erlaubt. Zudem hätte ich erwartet, daß | 
mich der Alters-Unterschied schon vor solchem Versuche | 
sichere. — 
Selbstredend weiß ich auch, wie jeder nur halb 
wegs Unterrichtete, und seit länger denn Herr Seelig 
sich zu erinnern vermag, .... daß nur die Hein 
riche, nicht die Ludwige in jenem salischen Geschlechte j 
den zusätzlichen Namen „Raspo" in der Geschichte 
geführt haben — nicht bloß der eine, 1247 ver- ! 
storbene Heinrich. Da uns jedoch für das hier frag- ! 
liche, ins Gisische Erbe eingeheiratete Haus ein kenn- ! 
zeichnender Name fehlt — denn salischer Abkunft | 
berühmten sich die meisten standesherrlichen Häuser 
in Hessen-Franken — so empfiehlt sich als kurz und j 
gut, dieß neue hessische Fürsten-Geschlecht, trotz dem ! 
es mit einem Ludwig auf den Tron kam, allgemein ! 
das „raspische" zu nennen. 
Hierzu fühle ich, nach wie vor, mich ermächtiget, ! 
auch ohne Verstattung des Herrn Dr. Seelig. 
Kermann v. IMer. 
Hur Abwehr. 
Unter dieser Ueberschrift veröffentlichte Ober- 
appellationsgerichtsrath a. D. Martin in Nummer 
1513 der „Hessischen Blätter" eine Entgegnung auf 
Angriffe gegen seinen Vater, die in dem im vorigen 
Jahre zu Düsseldorf erschienenen Buche „Das König 
reich Westphalen. Sieben Jahre französischer Fremd 
herrschaft im Herzen Deutschlands" enthalten sind. 
Es ist an uns das Ersuchen gerichtet worden, den 
Artikel auch in unserer Zeitschrift zum Abdruck zu 
bringen. Wir kommen diesem Wunsche bereitwilligst 
nach, sind doch die Ausführungen des Verfassers 
voil großen: historischen Interesse und tragen sie 
doch zur Aufklärung über bisher noch zweifelhafte 
Fragen aus der Zeit der französischen Fremd 
herrschaft wesentlich bei. Wir geben nachstehend 
den Inhalt des Artikels seinem Wortlaute nach 
wieder, nur haben wir uns hier und da kleine Kür 
zungen gestattet, die u. E. der Sache selbst keinen 
Abbruch thun können. Herr Qberappellationsgerichts- 
rath Martin schreibt: 
„Indem erst kürzlich zu meiner Einsicht gelangten 
Buche: „Das Königreich Westphalen. Sieben Jahre 
französischer Fremdherrschaft im Herzen Deutschlands, 
Düsseldorf bei L. Voß u. Co., 1888" haben die 
königlich preußischen Archivare Dr. R. Göcke und 
Dr. Th. Ilgen über meinen seligen Vater und dessen 
Antheilnahme an der hessischen Insurrektion von 1609 
folgendes auszusagen für gut befunden: 
„Das adlige Damenstift Wallenstein bei dem 
Städtchen Homberg, in dem die Schwester des Frei 
herrn von Ste in Dechantin war, wurde das Stell 
dichein des unzufriedenen Adels, Homberg selbst, 
das bereits in den Aufstünden zu Ende 1806 sich 
hervorgethan hatte durch seine Anhänglichkeit an 
das Kurfürstliche Regiment, der Herd der allgemeinen 
Verschwörung im Volk. An deren Spitze stand, 
so lange die Vereinigung der Volks- und Adels 
partei unter Dörnberg's Führung noch nicht 
bewerkstelligt war, ^Friedensrichter Martin 
zu Frielendorf, ein Sohn des Metropolitan Martin 
in Homberg, in ihrem ehrgeizigen Streberthum 
offenbar die am wenigsten einnehmende Persönlich 
keit in dieser, doch von einer gewissen patriotischen 
Begeisterung eingegebenen Bewegung. Lynker, 
der in seiner Geschichte der Insurrektion den Auf 
stand Dörnberg's aus genauer Kenntniß der 
lokalen Quellen und lebendiger nlündlicher Ueber 
lieferung sehr ausführlich geschildert hat, läßt ihm 
eine im Ganzen gerechte, eher zu günstige Beur 
theilung widerfahren. Ein Mann, der im Jahre 
1806 eine der ungerechtfertigtsten Schmähschriften 
gegen das hessische Heer veröffentlichte, der sich dann 
als den einzig fähigen Führer der hessischen Patrioten 
partei ansah und sich nicht entblödete, in seinen 
Ende 1809 in Berlin erschienenen „historischen Nach 
richten über die hessische Insurrektion" die Ver 
dienste Dörnberg's in der gehässigsten Weise herab 
zusetzen, der hierauf dem westphälischen Gesandten 
von Linden in Berlin seine Dienste anbot und 
bei dieser Gelegenheit kompromittierende Bemerk 
ungen nicht allein über Scharnhorst und andere in 
Berlin, sondern auch über angebliche Teilnehmer 
des Aufstandes in Hessen geflissentlich mit unter 
fließen ließ und auf diesem Wege die Begnadigung 
König Jerome's zu erlangen wußte, der schließ-
	        

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