Full text: Hessenland (3.1889)

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Städter, er macht sich sogar über sie lustig (z. B. 
sagt er am Schluß: „dar weren de borger mede, 
de bruweden gut eimbeksch beer, se legen dar 
gefangen u gebunden, gelick we de wilden deer, 
aber so schlecht wie iu dem neuen Gedicht ergeht es 
ihnen hier nicht. Mittheileuswerth scheinen mir aus 
dein alten Liede noch folgende Berse. 
„De van Eimbeck haddrn enen Houptman, 
„He mochte ichtes des adels sin; 
„He sprack: „der rüter is tho vele! 
„„Dal wi weren bliven tho der heim 
„„Und nu nich uthetogen, 
„„Dat dnchte mi wol gud; 
„„Ick furchte wi sind overmannet, 
„„Se wilt uns decken di hnd." 
„Do sprecken de t>om Eimbeck alle, 
„Beide arme u rick: 
„„Wi willen stände blieven 
„„Bi einander alle gelick. 
„„Wi hesit wol eher gebeitet 
„„Twier forsten van Brnnschwick." 
„Tho Hände sprack sick Clawes von der brügge, 
„Der Borgemeister ein: 
„„Houptman, riselt di up dem rngge, 
„„Darumb wil wi «ich sleihn. 
„„Ick wil mede Heinrich van Korbecke 
„„Rieden na unser stabt 
„„Und Halen unser anderen borger, 
„„So stahn wie desto bath." 
Das Gedicht schließt mit der Mahnung: 
„Daran gedenket gi stehe, 
„Dartho gi erbare man, 
„Vorachtet kene forsten und Heren, 
„Gripet idt ganz wislich an. 
H. Stendels. 
Bericht des Pfarrers Johann Christian 
C reß zu Preungesheim über das Gefecht 
bei S a n d e r s h a u s e n. (22. Juli 1758.) 
Johann Christian Creß von Marburg, Sohn des 
Pfarrers Creß von Rodheim bei Homburg vor der 
Höhe, von 1738—1759 Pfarrer zu Preungesheim, 
hat in dem Kirchenbuch mancherlei Notizen über 
seine Erlebnisse während des Erbfolge- und während 
des siebenjährigen Kriegs niedergeschrieben. In dem 
ersteren wurde das Dorf und der Pfarrer sehr hart 
mitgenommen, von dem zweiten, da der Kriegsschau 
platz ferner lag, weniger berührt. Dagegen kann er 
es nicht unterlassen, der Tapferkeit seiner hessischen 
Landsleute, in deren Reihen auch seine Pfarrkinder 
fochten, *) in dem Gefecht bei Sandershausen, wo die 
Hessen der dreifachen Uebermacht des französischen 
Heeres unter dem Herzog von Broglio die Spitze 
boten, in dem Kirchenbuch ein ehrenvolles Denkmal 
zu setzen. Er schreibt: 
Die französische Armee, so bishero in unserem 
Land gelegen und ohngefähr 30 000 Mann stark 
war, brach im Julio unter Prinz de Soubise auf 
und nahm von uns ihren Marsch nach dem Fürsten- 
thmn Hessen. Das erste Lager hatten sie bei Fried- 
berg und Dorheim, an welchem letzteren Ort Alles 
an Früchten abfouragierten und eine grausame Ver 
wüstung angerichtet wurde, hierauf ginge der Zug 
nacher Marpurg und Cassel, an welchem letzteren 
Ort zwischen Sandershausen und Bettendorf (Betten- 
hausen) eine blutige Aktion zwischen der Avantgarde 
unter dem Duc de Broglio und unsern hessischen 
Soldaten unter dein Prinz von Menburg, die 4090 
Mann ausmachten und aus den Regimentern 
bürg, Canitz, gelben Dragonern und etwas hanöverschen 
und hessischen Jägern bestunden, den 22. Juli vorfiel. 
Die Aktion sing Nachmittags um 2 Uhr an und 
dauerte bis in die Nacht. Des Morgens in aller 
Frühe zogen sich die Hessen zurück nach Hannöverisch- 
Münden. Unsere Leute, die Hessen, haben dabei an 
Todten, Blessierten und Gefangenen 600, die Franzosen 
aber, wie sie selbst bekennen, über 4 000 Mann ver 
loren und den besten Kern ihrer Truppen eingebüßt. 
Sie sagen, die Hessen hätten nicht wie Menschen, 
sondern wie Löwen gefochten. Die Französischen 
Regimenter Bonvoisir, Rohan, de Pont und Zwei 
brücken **) seien fast total ruiniert worden und von 
den drei Kompagnien Zweibrückischer Grenadiere seien 
j nur 6 Mann übrig geblieben. Gott stärke ferner 
das kleine Häuflein, gebe ihm Muth und Sieg, zer 
störe unsere grausamen Feinde, die uns bishero bis 
aufs Blut ausgemergelt haben und gebe uns den 
lieben, edlen Frieden, damit wir ihn wieder loben 
können in der Stille zu Zion. 
Mit tiefem Schmerz erfüllt den patriotischen Pfarrer 
der Anblick der von den Franzosen aus dem Kasseler- 
Zeughaus nach Hanau entführten Geschütze. Er 
schreibt weiter in demselben Jahre: 
Das hanauische Land muß von allem und jeden 
Früchten Heu xtnb Stroh 2 /a stU dw französische 
Armee unterm Prinzen Soubise abgeben und darf 
nur y.. für sich behalten, das Fischerische Freikorps 
exegniert dato noch darauf mit allergrößter Strenge 
und Gewalt. Gott stehe uns bei und wende diese 
Land Calamitäten von uns und allen unsern Nach 
kömmlingen in Gnaden ab. Die Franzosen haben 
das ganze Zeughaus zu Kassel ausgeleert und alle 
*) Das Regiment Asenburg, (später Regiment von 
Kospoth) welches bei Sandershausen engagiert war, garni- 
sonirte in Hanau und rekrutirte sich aus der Grafschaft. 
**) soll wohl heißen Deux Fonts ober Zmeibrücken.
        

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