Full text: Hessenland (3.1889)

69 
Und der Älteste des Stammes spricht: „Sv legt 
ihn in die Erde 
Mit dem nie erlahmten Bogen, mit dem sieg 
gewohnten Schwerte; 
Mit dem Köcher schwer von Pfeilen, mit den 
goldgezierten Spangen, 
Daß er als eiil würd'ger Streiter zu Walvater 
kann gelangen. 
Spricht's und winkt zuin letzten Werke. Stumm 
gehorchen die Genossen, 
Bald hat ob des Tapfern Leiche sich das dunkle 
Grab geschlossen. 
Und das Hügelmal erhoben auf dem festgetretnen 
Boden. — 
Langsam zieht die Schaar von dannen mit dem 
blassen Weib des Toten. 
Und es hallet auf der Heide nur das Windgestöhn 
im Rohre: 
„Öffne, öffne dich, Walhalla, denn ein Held 
naht deinem Thore!" 
<Ä. Weiden müLer. 
Ans alter und neuer Zeit. 
Die Hessen bei Einbeck (1 4 7 9). Das an 
sprechende Gedicht: „Die Hessen bei Einbeck (1478)" 
von C. Schaumburger in Nr. 3 dieser Zeitschrift 
steht leider ans ziemlich schwachen historischen Füßen. 
Die Quelle für das Gedicht ist wohl Chr. Röth, 
Geschichte von Hessen (2. Ausl., S. 144), wo 
wenigstens das Datum 1478 sich findet, während 
bei Rommel (Geschichte von Hessen 3, 61), worauf 
Röth zurückzuführen ist, das richtige Jahr 1479 an 
gegeben ist. Letzteres ergiebt sich auch aus der Dar 
stellung von W. Havemann (Der Grubenhagen und 
die Stadt Eimbeck im Kampfe mit welfischen und 
hessischen Fürsten, im Archiv des historischen Vereins 
für Niedersachsen 1846, S. 60 — 97) als das ur 
kundlich begründete Datum. Doch das mag nur bei 
läufig erwähnt sein. Wichtiger erscheint cs mir im 
Interesse der historischen Wahrheit, den Eindeckern 
zu ihrem guten Recht zu verhelfen und nicht den 
Kriegsruhm der Hessen auf Kosten anderer zu ver 
größern, was diese wahrlich nicht nöthig haben. 
Im genannten Jahre 1479 war Landgraf 
Heinrich III. im Bunde mit Herzog Wilhelm dem 
Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel in dessen 
Fehde mit dem jungen Herzog Heinrich IV. von 
Braunschweig - Grubenhagen, mit den Grafen von 
Spiegelberg und dem Bischof von Hildesheim, Hen 
ning vorn Haus. Die wackeren Einbecker Bürger 
— die Stadt lag mit ihrem Gebiet von der größeren 
Masse des Herzogthums Grubenhagen getrennt, fast 
ganz vom Calenbergischen und Wolfenbüttelschen um 
geben — weigerten, als sich die Gegner ihres Landes 
herrn, darunter die hessische Streitmacht unter Graf 
Otto von Waldeck und Johann Schenck von Schweins 
berg (Landgraf Heinrich war nicht zugegen), ihrer 
Feldmark näherten, ihnen den Durchzug und nahmen, 
als die Feinde dessen nicht achteten, muthig den Kampf 
auf, trotzdem ihr Herzog sie ermahnt hatte, sich auf 
die Vertheidigung ihrer Stadt zu beschränken. Der 
ungleiche Kampf, 1200 Einbecker Bürger gegen 1800 
geharnischte Ritter, war blutig; „die Bürger stritten 
der Väter würdig;" ein Drittel von ihnen lag todt 
auf der Wahlstatt, die übrigen geriethen in Gefangen 
schaft. Die Niederlage der Städter wurde dadurch 
beschleunigt, daß Herzog Wilhelm sie aus einem 
Hinterhalt unvermuthet überfiel, während sie mit dem 
von Schweinsberg in einem Kampf um die Wagen 
burg verwickelt waren. In diesem Kampf „strich", 
wie erzählt wird, „der von Schweinsberg dem jungen 
Heinrich von Braunschweig, dem Sohne Herzog 
Wilhelms, eine Hand voll Blut übers Maul, um 
ihn weidisch zu machen; dessen es doch nicht bedurfte." 
Die gefangenen Städter wurden unter die Sieger 
vertheilt. Die, welche den Hessen zufielen, kamen 
nach Kassel, Gudensberg, Eschwege und andere Städte 
an der Werra und Diemel, das Banner von Einbeck, 
das weiße Roß in rothem Felde, wurde in einer 
Kirche zu Kassel aufgehängt. Die Gefangenen in 
Eschwege wurden in einem Thurm (vielleicht den: 
alten Thurm am Dünzebacher Thore) untergebracht 
und zwar in so engem Gewahrsam, „dat orer de 
helffte nicht körne to sittende boven sunder de 
meyste deyl alle dyt stan möthe . . dat se 
dar over tho lives ungesunt mögen körnen. " 
Durch Vermittlung des Rathes der Stadt Göttingen 
erhielten die Gefangenen eine Erleichterung ihrer Haft. 
Aus dem Gesagten ist, meine ich, ersichtlich, daß 
die Einbecker nicht die übermüthige Rolle spielten, 
die ihnen im Gedicht zugetheilt ist. Wir werden 
Einbeck (die Stadt war schon seit lange Hansastadt) 
in eine Reihe mit den andern aufstrebenden Städten 
setzen dürfen, die damals allenthalben den Kampf 
mit der Gewalt der Fürsten und des Adels auf 
nahmen. Auch fochten die Einbecker für ihren 
Landesfürsten. Ferner geht aus dem oben Gegebenen 
hervor, daß Landgraf Heinrich von Hessen dem 
Kampfe nicht beiwohnte, und daß der Sieg den 
Hessen nicht allein zufiel. 
Uebrigens ist das Ereigniß schon in damaliger 
Zeit in einem Liede verherrlicht worden (mitgetheilt 
von Havemann a. O. 69—74). Der Dichter, der 
von sich sagt, daß er „tho rusteberge in dem 
hagen (Rusteberg auf dem Eichsfelde) düt leide 
gedieht" habe, steht keineswegs auf Seiten der
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.