Full text: Hessenland (3.1889)

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Doch ohne Ernstem fremd zu sei»; 
Herein mit Jedem, nah' und ferne, 
Im vielgeliebten Vaterland 
Der je in's dunkle Leben gerne 
Der Dichtung grüne Kränze wand! 
Der Kultus des Schönen und Wahren, die 
heitere Kunst, die dem Ernsten nicht fremd ist, 
Poesie und Kunst, brüderlich vereint, das 
waren ja die Ideale Friedrich Müllers von Jugend 
an. Und wenn es in den nachfolgenden Versen 
des Dingelstedt'schen „Zimmerspruches" heißt: 
Nur das sei fern: das kleine Dichten 
Und Trachten, wie's gewöhnlich geht, 
Das Deuteln und das Splitter-Richten, 
Deß Sinnen auf Gemeines steht: 
Verwitt're das in seichter Breite, 
Was stets am Eig'nen kleben bleibt, 
Zersplitt're das in leichtem Streite, 
Was keine beß'ren Keime treibt! 
Altgermanisches Kegrnbnist. 
Auf die nächtlich dunkle Heide senkt sich tief 
der Himmelsbogen, 
Von den aufgetürmten Massen des Gewölks 
herabgezogen. 
Fruchtlos ist des Mondes Ringen, sich der Erde 
zuzuwenden, 
Denn des Dunkels Mächte halten ihn umstrickt 
mit Riesenhünden. 
Itnd zu ihrem wilden Reigen stöhnt der Wind 
im Schilf am Moore: 
„Öffne, öffne dich, Walhalla, denn ein Held naht 
deinem Thore!" — 
Sieh ihn dort! Auf schlichter Bahre liegt sein 
Leib in starrer Schöne, 
Und um ihn versammelt stehen trauernd seines 
Stammes Söhne. 
Und gedenken, wie noch jüngsthin diese mächt'gen 
Glieder sprangen, 
Um des Steines Wurf zu folgen, um den flücht'gen 
Hirsch zu fangen. 
Wie noch jüngst die schlaffen Sehnen sich zum 
Lanzenwurfe spannten, 
Und die eingesnnknen Augen in des Muthes 
Feuer brannten. 
Uns aber laßt in starkem Streben, 
Die Brust für Höheres entbrannt, 
Die jungen Flügel freudig heben, — 
Für freie Kunst und Vaterland! 
so entsprach ja auch das gerade dem Sinnen 
und Trachten Friedrich Müllers; kein Wunder 
also, daß er sich von der Gesellschaft „Stiftshütte" 
mächtig angezogen fühlte. 
Mit Franz Dingelstedt scheint Professor 
Müller überhaupt in intimeren Beziehungen 
gestanden zu haben. Als jener, der im Herbste 
1838 an das Gymnasiuin in Fulda versetzt 
worden war, dort 1840 zur vierhundertjährigen 
Feier der Erfindung der Buchdruckerkunst 
die eigenartige Dichtung „Sechs Jahrhun 
derte aus Gutenbergs Leben" schuf, da lieferte 
Professor Müller die Randzeichnungen dazu, 
ein Werk, das an Kraft und Kühnheit der Con 
ception einzig in seiner Art dasteht. Doch darüber 
in unserer nächsten Nummer. 
(Schluß folgt.) 
Wie noch jüngst die Züge strahlten in des Stolzes 
Selbstvertrauen — 
Und die sturmerprobten Krieger falten düster 
ihre Brauen. 
Denkt auch sie vergangner Tage, die in thränen- 
losem Leide 
Einmal noch ins Knie gesunken an des toten 
Gatten Seite? 
Träumt des bleichen Weibes Seele von der 
lichten Frühlingsstunde, 
Da er ihr die Hand geboten zu der Treue 
heil'gem Bunde? 
Oder fragt sie stumm die hohen Götter, die im 
Himmel walten, 
Wie sich, Nun sie ihn verloren, soll ihr dunkles 
Loos gestalten? 
Niemand weiß es; ihre Blicke ruhn auf dem 
nur selbstvergessen, 
Dem die unbarmherz'ge Norne allzu karges 
Maß gemessen. — 
Von des Mondes Glanz durchbrochen löst sich 
jetzt der Wolkenballen, 
Matter Lichtschein deckt die Heide, wo gespenst'sche 
Schatten wallen,
	        

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