Full text: Hessenland (3.1889)

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heiligen unseres Hessenlandes, zn entnehmen, 
treu. Ein Bild derselben erwarb die französische 
Gesandtschaft, dasselbe wurde in Frankreich be 
kannt und trug dem Künstler den Namen le 
psintro de St. Elisabeth ein. Andere Bilder 
Müller's, die in den Besitz des französischen Ge 
sandten übergingen, waren eine veränderte Wieder 
holung von Jakob und Rahel, die italienische Hochzeit 
und ein St. Hubertus. Ans der Berliner Kunst 
ausstellung im Jahre 1838 befand sich ebenfalls 
eine Darstellung Müller's von Jakob und Rahel 
am Brunnen. Dieses Bild hatte die damalige 
Gräfin von Schaumburg, nachmalige Fürstin 
von Hanau, Gemahlin des Kurfürsten Wilhelm 
erworben, dasselbe ist von Bodmer für den kurhcs- 
sischen Kunstverein lithographirt worden. Unser 
oben erwähnter Jugendfreund gibt in seinem 
Briefe noch folgende von Professor Müller ge 
malten Bilder an: „Armida unter den Hirten", 
»ach Torquato Tasso's „Befreitem «Jerusalem", 
„Kaiser Friedrich's Römerzug", „Prophezeiung 
des heiligen Franciscus von Assisi" und „die 
Gesandtschaft des Papstes an den König Philipp 
von Frankreich" In dem Nachlaß des Pro 
fessors Müller befindet sich noch eine Anzahl 
von Gemälden und eine Reihe von Skizzen, die 
wahrscheinlich zu einer öffentlichen Ausstellung 
gelangen werden. Es wird dadurch dem kunst 
liebenden Publikum Gelegenheit geboten, die 
Leistungen des Künstlers zu würdigen. Auch in 
der hiesigen Gemäldegallerie, sowie im Kunst 
hause befinden sich einzelne Bilder desselben. 
Das Monogramm, dessen sich Professor Müller 
nach Malersitte bei seinen Gemälden bediente, 
besteht in folgendem Zeichen: —. Wir haben 
uns hier kurz fassen müssen, einmal, weil 
wir selbst zu wenig Kunstkenner sind und 
uns ein sicheres Urtheil in Kunstsachen 
nicht zutrauen, dann aber auch, weil ' die 
Quellen über Friedrich Müller als Künstler nur 
sehr spärlich sind. Er selbst hat nicht eininal j 
Aufzeichnungen über seine künstlerische Thätigkeit 
hinterlassen, und doch würden solche zur Be 
urtheilung der künstlerischen Bestrebungen in 
Kassel in den letzten 60 Jahren von großem 
Werthe sein. — 
Im Herbste 1835 wurde hier der „Kunst 
verein für Kurhessen" gegründet, zu dessen Ent 
stehung Professor Müller wesentlich beigetragen 
hatte. Ein seltsames Spiel des Zufalles, w elches 
sich bei der ersten Ausstellung ereignete, erzählt 
uns Professor Müller in seinem Werke „Kassel 
seit siebenzig Jahren" (Bd. II. S. 94). Da es 
die Leser interessiren dürfte, so geben wir hier 
diese Schilderung als Episode mit den Worten 
des Verfassers wieder: „Der Kurprinz hatte 
großen Gefallen an einem reizenden Winterbild 
gefunden — ich glaube der Verfertiger hieß 
Haanen — und wünschte dasselbe zu erwerben. 
Der mit dem Verkauf beauftragte Zwischen 
händler wollte es aber nur unter der Bedingung 
abgeben, daß auch zugleich das dazu gehörige 
Pendant — eine Sommervorstellung von weit 
geringerem Kunstwerth — mitgekauft werde, 
was dem Kurprinzen nicht anstand. Nun er 
warb die Verwaltung des Vereins beide Bilder, 
brachte sie in Verloosung und — der Kurprinz 
gewann das Winterbild. Als ich Tags darauf 
neben der Kurfürstin vor demselben stand, frug 
sie mich, ob denn auch die Ziehung der Loose, 
wie in Kassel allgemein üblich, ein Waisen 
hausknabe besorgt hätte. Glücklicherweise 
konnte ich die unter diesen Umständen eigen 
thümlich klingende Frage bejahen. Uebrigens 
hatte der Glücksfall den fürstlichen Gewinner in 
eine so gute Stimmung versetzt, daß er noch 
eine Anzahl Bilder im Werthe von mehreren 
Tausend Thalern kaufte." — 
Im Frühjahr 1836 kam Frauz Dingel 
stedt nach Kassel und mit ihm Leben 
und Bewegung in die literarischen Kreise 
der Residenzstadt. Um ihn sammelten sich gleich- 
gesinnte, den Musen huldigende Freunde: Dichter, 
Maler und Musiker Sie bildeten ein litera 
risches Kränzchen, die „Stiftshütte"; ihre Tafel 
runde hielten sie im „Landgrafen Karl", später 
bei „Vater Luhmann", zuletzt im „Hessischen Hof". 
Der „Stiftshütte" gehörten u. a. an außer Franz 
Dingelstedt und Friedrich Oetker an: der leider 
früh verstorbene Dichter Gustav Schulz, „unser 
Lyriker, die Lerche des kleinen Sängerkreises", 
wie ihn Dingelstedt nennt, der Musiker Bern 
hard Schädel, die Maler Faust und Friedrich 
Müller, der Baumeister Engelhard, Bettina's 
alter Freund. Aus diesem Kreise ging das 
hessische Album für Literatur und Kunst, heraus 
gegeben von Franz Dingelstedt (Kassel 1837) 
hervor. In dem „Zimmerspruche" von Franz 
Dingelstedt, mit welchem er das Album eröffnete, 
heißt es: 
Deß walte Gott in diesen Hallen, 
Mit seinem Wort und seinem Geist! 
Der Tempel steht, die Fahnen wallen, 
Jrn Morgenroth die Zinne gleißt — 
Deß walte Gott, der sich in Güte 
Dem Schönen wie dem Wahren neigt, 
Zu dem der frische Duft dee Blüthe 
lind reicher Früchte Brodem steigt! 
Der Tempel steht — herein mit Alle» 
Die heit'rer Kunst sich sinnig weih'n, 
Die sich im Schönen noch gefallen,
        

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