Full text: Hessenland (3.1889)

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daß die naturwissenschaftlichen Disciplinen unter , Professor der Naturgeschichte und physikalischen 
die Unterrichtsfächer erst seit der Ernennung des I Geographie am Institut. 
vr. R. A. Philipp! aufgenommen worden sind. (Schluß folgt.) 
Alsbald erfolgte auch seine Ernennung zum 
Friedrich Müller 
Nekrolog 
von F. Jwenger. 
(Fortsetzung.) 
Dreiundvierzig Jahre, von 1832—1875 war 
Professor Müller als Lehrer an der hiesigen 
Akademie für bildende Künste thätig. Groß sind 
die Verdienste, die er sich um dieselbe erworben. 
Hunderte von Schülern hat er herangebil 
det, viele derselben haben sich in der Kunst 
welt einen sehr geachteten Namen erworben, 
manche sind sogar berühmte Meister der 
Malerei wie der Bildhauerkunst geworden. 
Wir wollen von seinen Schülern hier nur 
nennen: Jhloe, Kaupert, Stiegel, K. Finck, 
K. Arnold, Handwerk, W. Binder, L. Katzen 
stein , Faust, Echtermeyer, August von Wille, 
Lins und Grebe. Alle haben ihm ein treues, 
dankbares Andenke» bewahrt, verstand er es doch 
sich die Zuneigung seiner Schüler in hohem 
Grade zu erwerben. Einer derselben, ein Künstler 
von Ruf, der zu Anfang der 40er Jahre die hiesige 
Kunstakademie besuchte und später seine Studien 
in München fortsetzte, ein Jugendfreund des 
Schreibers dieses Nekrologs, gibt seinem Schmerze 
über das Hinscheiden des geliebten und von 
ihm hoch verehrten Lehrers in einem au uns 
gerichteten Briefe beredten Ausdruck und entwirft 
von ihm folgendes charakteristische Bild: 
„Durch seine Lehrgabe, sein Wohlwollen, seine 
persönliche Liebenswürdigkeit war Professor 
Friedrich Müller bei seinen Schülern der ver 
ehrteste Lehrer der Akademie, er besaß bei seiner 
Kenntniß und technischen Geschicklichkeit in der 
Nachahmung der italienischen und niederlän 
dischen Malerschulen und alten Meister die Gabe, 
den Schülern nach ihrer Eigenart und Neigung 
mit bestem Rathe beizustehen, ihnen die sorg 
fältigste Anleitung zu geben und sie, je nach 
ihrer Begabung in die entsprechenden Bahnen 
der Kunstzwcige zu lenken. Deshalb ist es ihm 
auch möglich gewesen, ebenso Historien-, Genre-, 
Portrait-, Thier- und Architektur-Maler, wie 
Landschaftsmaler heranzubilden. Sein frischer 
Humor, sein schlagfertiger Witz haben oft bei 
fehlerhaftem eigensinnigen Beharren der Schüler 
in ihrer Arbeit mehr gewirkt, als ernste Be 
lehrung und offener Tadel. Er war ein vor 
trefflicher Lehrer und nach keiner Richtung hin 
Pedant. An einem heißen Sommertage, kurz 
vor Schluß der Morgenstunden, erschien er noch 
einmal in der Klasse und fand die meisten 
Schüler schon im Aufbruche begriffen, er unter 
zog die Arbeiten noch einer kurzen Kritik, 
wandte sich daun lächelnd zu der Thür mit den 
Worten aus Schillers Jungfrau von Orleans: 
Zerstreut euch Lämmer auf der Heide, 
Ihr seid jetzt eine hirtenlose Schaar. 
Doch kaum hatten wir auf einem nahegelegenen 
Bierkeller ei» Kegelspiel begonnen, da erschien 
auch unser Professor und rief „Schreiben Sie 
mich nur gleich noch an" ; bald standen mehr 
Karrikaturen ans der Tafel als Zahlen und der 
Morgeu war verbracht in der köstlichsten Stim 
mung. Er unternahm häufiger mit uns Studien 
fahrten, und unvergeßlich sind mir und wohl 
allen Theilnehmern die komischen und lustigen 
Abenteuer geblieben, welche wir da erlebt, die 
würdig gewesen wären, von einem Schriftsteller, 
wie Ernst Koch, dem Dichter des „Prinz Rosa 
| Stramin," humoristisch geschildert zu werden." — 
Als nach der Einverleibung Kurhessens in Preußen 
der Geheime Hofrath Ludwig Sigismund Ruhl 
; (gestorben am 8. Mürz 1887) seine Stelle als 
, Direktor der Kasseler Kunstakademie niedergelegt 
; hatte, wurde dem Professor Müller das Direk- 
! torat dieser Kuustanstalt übertragen, nachdem er 
! früher schon zum beständigen Sekretär derselben 
I bestellt worden war. Im Jahre 1875 trat er 
! in den Ruhestand. — 
In Kassel malte Professor Müller mehrere 
Bilder für die Kurfürstiu, für die französischen 
Gesandten und für Private. Die Knrfürstin 
j Auguste, bekanntlich eine große Kunstfreundin 
j und Kunstverständige, die auch selbst die Kunst 
ausübte, würdigte ihn besonderer Auszeichnung, 
ebenso geschah dies seitens ihrer Tochter, der 
Prinzessin Karvline. Auch hier blieb Professor 
; Müller der alten Neigung , seine Motive aus 
, dem Lebe» der heiligen Elisabeth, der Schutz
	        

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