Volltext: Hessenland (3.1889)

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bürg aber wurde sorgsam unterhalten und blieb 
noch lange der Mittelpunkt der Familie. 
Auch unser Konrad wird als Knabe oft 
auf der Burg seiner Väter geweilt, auf der 
weiten Ebene sich mit seinen Brüdern und 
Vettern um die Wette getummelt und aus seinen 
künftigen ritterlichen Beruf vorbereitet haben; 
mächtig ergriffen ihn die Geschichten aus der 
ruhmvollen Vergangenheit der Burg, auf der 
die Hohenstaufen-Kaiser, der herrliche Friedrich 
Barbarossa und sein hochstrebender Sohn Hein 
rich VI. glänzende Versammlungen abgehalten, 
nicht minder die Sagen und Erzählungen des 
eigenen Geschlechts ; hier war der Horst, von 
dem schon so mancher ausgeflogen war, um in 
der Ferne ein neues Nest sich zu bauen. Ahnte 
er wohl, daß das Schicksal ihn weiter, als sie 
alle treiben würde? — Die Jugendjahre ver 
strichen ; der Knabe verlor, kaum zum Jüng 
ling gereift, den Vater; bald mußte er die 
Heimath verlassen, um an dem glänzenden Hofe 
von Stuttgart ritterliche Sitte zu lernen und 
durch seine Dienste Ansprüche auf Belohnungen 
an Geld und Gut zu gewinnen. Bald wird er 
sich hier heimisch gefühlt haben; hier fand er 
einen gleichaltrigen Landsmann, Heinrich 
Treu sch von Buttlar, dessen Stammburg 
Brandenfels der seinigen benachbart war, hier 
fand er an dem glänzenden und angesehenen 
Hans von Hutten, an den er durch seinen 
Schwager Jakob von der Kur empfohlen 
war, einen guten Fürsprecher, hier fand er eine 
Reihe fröhlicher Genossen, die sich um den 
jugendlich überschäumenden Herzog Ulrich 
scharten, der alles aufbot, den erst seit kurzer 
Zeit herzoglichen Hof von Stuttgart zu dem 
glanzvollsten im ganzen Schwabenlande zu machen. 
Hier erhielten er und sein Landsmann Hein 
rich Treu sch wohl auch die unterscheidenden 
Namen des „kleinen" und des „langen" Heß. 
Als langjähriger Diener des Herzogs hatte 
K o n r a d begründete Aussicht auf Entschädigungen 
erworben, als ein schweres Schicksal, das über 
das ganze Schwaben hereinbrach, alle seine Hoff 
nungen vernichtete. Der Aufstand des „armen 
Konrad" war das blutige Vorspiel zu den 
Wirren gewesen, zu denen die Ermordung des 
Ritters Hans von Hutten durch Herzog 
Ulrich, der jenen im Einverständniß mit sei 
ner Gemahlin glaubte, im Jahre 1515 das 
Zeichen gab. Die unselige That erweckte dem 
Herzog Feinde auf allen Seiten; auch die beiden 
hessischen Edelleute verließen seinen Dienst und 
erklärten sich gegen ihn. Wie weit Bemel- 
b e r g sich an der Entführung der Herzogin 
Sabine und den weiteren Schritten gegen den 
bald darauf geächteten Herzog betheiligte, ist 
nicht bekannt. Doch scheint er sich seinen 
schwäbischen Freunden, an deren Spitze Die 
trich Späth stand, zur Theilnahme an ihren 
Unternehmungen verpflichtet zu haben; denn 
nachdem er 1518 seinem Landesherrn, dem 
jugendlichen Landgrafen Philipp, in seiner 
Fehde mit Franz von Sickingen ersprieß 
liche Dienste geleistet , finden wir ihn 1519 
wieder in Schwaben an der Seite seines Lands 
manns Heinrich Treusch: das Unwetter, 
welches so lange drohend über dem Haupte 
Herzog Ulrichs gestanden, war in furchtbarer 
Schwere ausgebrochen. 
Es war ein glänzendes Unternehmen, zu dem 
die Aussicht auf reichen Gewinn die Ritterschaft 
aus nah und fern herbeigelockt hatte,; aber gar 
mancher sah sich, trotzdem der Erfolg des Zuges 
ein vollständiger war, bitter enttäuscht. Auch 
unsere beiden Hessen befanden sich in dieser 
Lage; wenigstens liegen die Derzichtbriefe beider 
auf alle Ansprüche an den schwäbischen Bund 
aus dem Jahre 1520 vor. Dennoch trug 
Konrad von Bemelberg einen großen Ge 
winn aus diesem Kampfe davon; er hatte den 
berühmten Vater der Landsknechte, Georg 
von Frundsberg, kennen gelernt, eine Be 
kanntschaft, die seinem späteren Leben eine ent 
scheidende Richtung gab. Der wackere Frunds 
berg befand sich damals auf der Sonnenhöhe 
seines Ruhmes und seines Glückes, wozu nicht 
wenig der Krieg gegen Herzog Ulrich beitrug, 
in dem er das gesammte Fußvolk befehligte. 
Leider wissen wir nicht, wie sich die Bekannt 
schaft unseres hessischen Helden mit Frunds 
berg anknüpfte, wir können auch nur ver 
muthen, daß Bemelberg 1521 an dem Feld 
zuge gegen König Franz I. von Frankreich 
theilnahm, wo Frundsberg bei Valenciennes 
durch die Rettung des kaiserlichen Heeres sich 
große Verdienste erwarb. Im folgenden Jahre 
nahm Bemelberg im Regiment des Grafen 
Wilhelm von Fürstenberg an der Be- 
lagernng von Trier durch Sickingen Theil; 
der unglückliche Ausgang dieser Fehde verstrickte 
auch ihn in die Acht des Reichs. Doch fiel es 
ihm nicht allzu schwer, von dieser Fessel los 
zukommen. Auf kaiserlicher Seite kämpfte er 
schon 1523 wieder in Frankreich, warb 1524 
in Tirol ein Fähnlein Landsknechte, mit dem 
er bei Pavia sich hervorthat und half dann 
seinem großen Vorbilde, Georg vonFrunds- 
berg, die aufständischen Bauern in Schwaben/ 
Baiern und dem Erzstift Salzburg nieder 
werfen. — Wir müssen gestehen, harte Lehr 
jahre waren es. in denen Konrad von
        

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