Volltext: Hessenland (3.1889)

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Konraö von Kemelberg, öer kleine Keß, 
der Kanösknechtsoberst. 
Eine historische Skizze von <£. Slenb eil- 
(Schluß.) 
Bcmelberg hotte dem Kaiser zur Belagerung 
von Metz 10,000 Mann zugeführt, und diese 
brannten vor Kampfbegier, durch einen Sturm 
eine Bresche in die Festung zu legen. Aber die 
Leitung der Belagerung log in den Händen des 
starren und eifersüchtigen Herzogs Alba, zu 
dessen Ruhm die Belagerung von Metz nichts 
beitrug; und in der Stadt führte der kriegs 
erfahrene Herzog Franz von Gnise den Befehl. 
Mit dem Beginn des Jahres 1553 hob der 
Kaiser die Belagerung ans. — Auch an dem 
Feldzuge von 1554 nahm Bemelberg an der 
Spitze von 10 Fähnlein persönlich Antheil und 
erwarb sich dabei hohen Ruhm, indem er den 
Rückzug des kaiserlichen Heeres, der in eine 
Flucht auszuarten drohte, mit Aufopferung seiner 
eigenen Leute deckte und dadurch das von 
den Franzosen belagerte Schloß Renthy bei 
Thärouanne rettete. Wie der Kaiser damals 
dieses und die andern großen Verdienste des ihm 
treuergebenen Mannes lohnte, ist schon oben er 
wähnt worden. 
Noch einmal folgte er dem Rufe seines kaiser 
lichen Herrn, der ihn 1555 beauftragte, mit den 
Rittern Hans Walter von Hürnheim und Albrecht 
von Rosenberg die Händel des Ritters Wilhelm 
von Grumbach mit dem Bischof Melchior Zobel 
von Würzburg, welche die Sicherheit des ganzen 
Frankenlandes zu untergraben drohten, zu 
schlichten. Und als Karl V. der Welt, in der 
er über ein Menschenalter der erste aller Sterb 
lichen gewesen war, freiwillig entsagte, da wollte 
der schlachtenmüde Held die Treue, die er dem 
Vater ohne Wanken und ohne nach dem Lohn 
zu fragen, gehalten, auch noch dem Sohne be 
währen. Denn König Philipp von Spanien hatte 
von seinem Vater nicht bloß die reichsten und 
schönsten Länder Europas, sondern auch den Krieg 
init Frankrei ch geerbt; und wenn ihm auch ein 
vortreffliches Heer und die besten Feldherren zur 
Seite standen, so wurde der Krieg dennoch mit 
wechselvollem Erfolge geführt. Man hatte in 
Deutschland für den finstern, bigotten Philipp 
nie viel Neigung gespürt; Bcmelberg aber eilte, 
wohl weniger ans Liebe für den Sohn als für 
den Vater, mit 10 Fähnlein herbei, nahm an 
der Schlacht bei St. Quentin am 10. August 
1557 und an der Erstürmung des Platzes am 
27. August thätigen Antheil. — Dann eilte er 
nach Ehingen zurück, um das Schlachtschwert für 
immer in der Halle aufzuhängen zum Gedächtniß 
für seine Nachkommen. Den Nest seiner Tage 
— noch fast 10 Jahre waren ihm zu leben ver 
gönnt — widmete er der Sorge für seine Familie. 
Schon 1556 hatte er bei einem Besuch in der 
hessischen Heimath seinen Neffen seinen Antheil an 
dem väterlichen Erbe abgetreten und sich und 
seinen Nachkommen nur Erbrecht und Titel, wie 
auch das kursächsische Lehen Manstedt vorbehalten; 
1561 sah er die Heimath zum letzten Male. 
Ein schöner Lebensabend war ihm nach allen den 
Stürmen eines an wechsclvollen Ereignissen wunder 
bar reichen Lebens beschieden: er konnte ihn voll 
auf ausnützen, um sein Haus zu bestellen. Seine 
Vermögensverhältnisse waren wohlgeordnet, seine 
Kinderwohlgerathen, dieFortdanerseinesStammes 
auf lange Zeit gesichert. Wie ein Patriarch ge 
liebt, verschied er im Kreise seiner Kinder und 
Enkel am 29. Juni 1567 und fand seine Ruhe 
stätte in der St. Konradskirche zu Schelklingen, 
wie die Inschrift ausweist: „A.nno dom. 1567 
den 29. Junii starb zu Abends um 2 Uhr und 
ist in Gott verschieden der edle und gestrenge 
Herr Konrat von Bemelberg, Ritter, röm. kays. 
Majestät Rath und Obrister, dem Gott gnädig 
sein wolle. Amen." 
* * 
* 
Ein gutes Stück Weltgeschichte ist es, das an 
unsern geistigen Blicken vorüberzog, als wir die 
verschlungenen Bahnen des Lebens Konrads von 
Bemelberg verfolgten; fast keinem wichtigeren 
Ereigniß dieser stürmischen Zeit ist er gänzlich 
fern geblieben. Und was uns dabei so wohl 
thuend berühren mußte, ist der Umstand, daß 
der geschäftige Mann sich in diesen verderblichen
        

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