Volltext: Hessenland (3.1889)

57' 
viele Privatpersonen bezeugten ihre Freude bey dieser, 
Gelegenheit auf gleiche Art. Nun steht das herrliche 
Nahlsche Werk allen Augen offen, und es verdient 
in der That Bewunderung; auch füllt es den sehr 
großen Platz auf die vollkommenste Art. Unten im 
Fußgestell ist die simple und edle Jnnschrift mit 
goldenen Buchstaben angebracht: Friderieo Secundo 
Patria.“ — 
Es mag dies wohl der erste Fall im modernen 
Deutschland gewesen sein, daß bereits bei Lebzeiten 
eines Regenten diesem von seinen Unterthanen ein 
Denkmal gestiftet wurde. Z. W. M. 
Aus Hermath und Fremde. 
Nachstehend bringen wir den Bericht über den in 
der Versammlung des Vereins für, hessische Geschichte 
und Landeskunde am 28. Januar von dem Vorstands-- 
Mitgliede W. Rogge-Ludwig über Joh. Bern 
hard und Reinhard von Dalwigk gehaltenen 
Vortrag: 
Das noch in mehreren Linien fortblühende Geschlecht 
der v. Dalwigk, eines der ältesten der hessischen 
Ritterschaft, hat eine große Anzahl Männer aufzu 
weisen, welche sich zu den verschiedensten Zeiten in 
Kriegs- und Friedenszeiten um ihr hessisches Vater 
land große Verdienste erworben haben. Zu ihnen 
gehörten zur Zeit des 30jährigen Krieges die 5 Söhne 
des Hofrichlers Joh. von Dalwigk zu Marburg, von 
denen vier als Führer hessischer Regimenter wegen 
ihrer hervorragenden Thaten im Kriege bekannt ge 
worden sind, während der älteste, Joh. Bernhard, sich 
dadurch unvergänglichen Ruhm erworben hat, daß es 
seiner Thätigkeit als Mitglied des während der Minder 
jährigkeit Wilhelm VI. niedergesetzten Regentschafts 
raths wesentlich milzuverdanken ist, daß das hessische 
Volk in der schwersten Zeit, die jemals über das Land 
gekommen, trotz der dadurch dem Lande drohenden 
Gefahr der gänzlichen Verwüstung, dem angestammten 
Fürsten die Treue bewahrt hat. 
Johann Bernhard hatte sich nach Vollendung seiner 
Rechtsstudien längere Zeit zu seiner weiteren 
Ausbildung in Italien aufgehalten und war dann 
als Rath und Hofmeister in den Dienst des Herzogs 
von Schleswig-Holstein getreten. Hier hatte er 
sich die bittere Feindschaft des Grafen Günther 
von Oldenburg dadurch zugezogen, daß er über dessen 
Schwester, welche mit einem Bruder des Herzogs ver 
lobt war, als letzterer die Vollziehung der Ehe ver 
weigerte, sehr ehrenrührige Aeußerungen bezüglich ihres 
sittlichen Lebenswandels bei einem Besuche des Hans 
Heinrich von Eschwege in Aue gethan hatte. Dadurch 
waren verschiedene Prozesse entstanden, über welche der 
Vortragende nach den noch vorhandenen Akten berichtete. 
Im Jahre 1610 verließ Dalwigk den schleswig- 
holsteinschen Dienst, kehrte nach Hessen zurück und 
trat in den Dienst des Landgrafen Wilhelm V., welcher 
bald seine ausgezeichneten Eigenschaften erkannte und 
ihm vollstes Vertrauen schenkte. Im Jahre 1628 
wählte er ihn zu seinem Begleiter auf der erfolglos 
gebliebenen Reise nach Prag zu Kaiser Ferdinand II. 
und bestellte ihn nach der Rückkehr von dort zum 
Vicestatthalter von Niederhessen und im Jahre 1634 
während des vorübergehenden Besitzes von Fulda zum 
Vicestatthalter dieses Landes. In seiner Eigenschaft 
als Mitglied des Regentschaftsraths war es ihm aber 
nur kurze Zeit vergönnt, der Wittwe des Landgrafen, 
Amalie Elisabeth, rathend und helfend zur Seite zu 
stehen, da schon wenige Monate nach dem am 21. 
September 1637 erfolgten Tode Wilhelm V. der Tod 
auch seinem auf Rettung des Landes gerichteten Streben 
ein allzufrühes Ziel setzte. 
Redner wendete sich dann an eine 20Y Jähre 
früher liegende Zeit, um das Leben eines andern 
Mannes aus der Familie der von Dalwigk zu schildern, 
dessen Andenken weit lebhafter, mit Sagen umwoben, 
im Munde des Volkes fortlebt, nicht wegen seiner 
um das Land erworbenen Verdienste, sondern als eines 
der letzten Repräsentanten des rauflustigen und beute 
gierigen Ritterthums im Kampfe mit der wachsenden 
Autorität des Landesherrn. 
Reinhard von Dalwigk hatte das Licht der Welt 
auf der 3 Stunden südwestlich von Kassel gelegenen 
Schauenburg, von welcher nur noch wenige Trümmer 
vorhanden sind, zwischen den Jahren 1380 und 1390 
erblickt und wurde, da er durch Kaiserschnitt zur Welt 
gekommen, vom Volke der Ungeborene genannt. 
Mit dieser im fränkischen Hessengau gelegenen Burg 
waren die Dalwigks, alte Burgmannen der Herrschaft 
Itter, am 22. Dezember 1332 von dem Verweser 
des' Erzbisthums Mainz, Balduin von Trier, beliehen 
und zu des Erzstiftes Erbburgleuten und Burggrafen 
bestellt worden. 
Der Vortragende schilderte zunächst die Verhältnisse 
der damaligen Ritterschaft, namentlich in dem fränki 
schen Hessengau, in welchem ihre Kämpfe für ihre 
Freiheiten und Unabhängigkeit von dem Landesherrn 
bei den ehrgeizigen und ländersüchtigen Mainzer Erz- 
bischösfen stets Unterstützung fand, und erwähnte ins 
besondere der langen und für das Land so verderb 
lichen Kämpfe der zumeist mit auswärtigen Feinden 
verbundenen Ritterbünde, des Sternerbundes, Hörner 
bundes u. s. w. 
In diese Zeit, in welcher wegen der mangelhaften 
Gerichtsverfassung von den Rittern noch Selbsthilfe 
geübt wurde und das Faustrecht galt, fiel die Jugend 
Reinhards. Zuerst wird sein Name genannt bei 
seiner im Jahre 1412 stattgefundenen Vermählung 
mit Nesa (Agnes), Tochter Friedrichs von Hertings 
hausen, welcher in der Geschichte dadurch bekannt ist, 
daß er in Gemeinschaft mit dem Grafen Heinrich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.