Full text: Hessenland (3.1889)

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onraö von Kemolberg, öer kleine Keß, 
der Wanösknechlsoberst. 
Eine historische Skizze von E. S len bell- 
Unter Hessens edlen Familien nimmt das 
Geschlecht Derer von Boineburg durch sein 
Alter, durch die ruhmvollen Thaten seiner Söhne 
und den einstigen und gegenwärtigen Besitz eine 
hervorragende, wenn nicht die erste Stelle ein. 
In vielen glänzenden Namen begegnet es uns 
in der Geschichte des hessischen Landes; die 
Boineburge halfen, nachdem sie einen aus 
sichtslosen Kampf um ihre Zugehörigkeit zum 
Reiche als Burgmannen der ehemaligen Reichs 
burg Boineburg mit den hessischen Landgrafen 
geführt, ihren neuen Landesherrn ihre Schlachten 
schlagen und dienten ihnen mit gleicher Treue 
im Frieden. Und wie Hessens Fürsten waren 
auch sie immer bereit, für deutsche Macht und 
Ehre in die Schranken zu treten. Mancher 
Mann des Geschlechts wird daher mit Ruhm in 
der allgemeinen deutschen Geschichte genannt; 
keiner wohl mit höherem als der wackere Lands 
knechtsoberst Konrad von Bemelberg (so 
nannte er sich), der in einer der stürmischsten 
Zeiten des deutschen Reiches gegen Welsche, 
Franzosen und Türken, wie gegen innere Feinde 
mit unerschütterlicher Treue dem Kaiser diente. 
Fern von der Heimath beschloß er zwar sein 
ruhmvolles Leben, seine Beziehungen zu derselben 
hatten sich gelockert, aber er hat sie nie vergessen 
und ihr manchen wichtigen Dienst geleistet. So 
mag ein Lebensbild des wackeren Kriegshelden, 
des „kleinen Heß," wie ihn seine Zeitgenossen 
nannten, in kurzen Zügen entworfen, an dieser 
Stelle gerechtfertigt sein. 
Ueber Zeit und Ort der Geburt Konrads 
von Bemelberg und über seine Jugend 
fließen die Quellen nur spärlich, theilweise wider 
sprechen sie sich. Sein Geburtsjahr schwankt 
zwischen 1487 und 1494, für beides lassen sich 
gewichtige Gründe anführen. Ueber seinen Ge 
burtsort ist vollends nichts überliefert; und es 
bleibt der Phantasie überlassen, ob sie ihn, den 
dritten und jüngsten Sohn des hessischen Raths 
und Hofmeisters Reinhard von Bemel 
berg und seiner Gemahlin Katharina von 
Brandenstein, auf der Stammburg des Ge 
schlechts, die damals noch bewohnt war und für 
den zahlreichen Nachwuchs Raum genug bot, 
oder in einem der Herrenhäuser in den benach 
barten der Familie gehörigen Ortschaften, Bisch 
hausen, Wichmannshausen o. a., oder in einem 
der sicheren Häuser in Kassel oder Eschwege will 
geboren sein lassen. Denn das Geschlecht der 
Boineburge erfreute sich damals schon eines 
reichen Besitzes in der Nähe und Ferne; der 
Vater unseres Konrad nannte sich einen Herrn 
zu Bischhausen, Wichmannshausen, Röhrda, 
Lüder (im Fuldischen) und Bonaforth (in der 
Provinz Hannover), und seine Gemahlin hatte 
ihm das Gut Manstedt a/Losse (bei Büttstedt) 
zugebracht. Freilich erheischte so bedeutenden 
Besitz auch die reiche Nachkommenschaft des Ge 
schlechts , das schon seit dem 13. Jahrhundert 
in zwei Stämmen, der schwarzen und weißen 
Fahne, und verschiedenen Aesten die Stammburg 
bewohnte. Der schwarze Stamm war allerdings 
im 15. Jahrhundert schon aus dem Besitz der 
Burg ausgeschieden; aber die drei Aeste der 
weißen Fahne, der Hohensteiner, der der Jungen, 
zu dem Konrad gehörte, und der der Weißen, 
hausten in den drei Schlössern, die sich auf dem 
Burgberge erhoben, und empfingen die Burg 
als Gesammtlehen von den hessischen Fürsten; 
ein Burgfrieden ordnete die Rechte und Pflichten 
der Ganerben. Da mag im 15. Jahrhundert 
auf der jetzt so öden Burg ein reges Leben ge 
herrscht und nicht viel mag daran gefehlt haben, 
so sah es wie auf der Burg Hohenentringen 
bei Tübingen aus, wo damals ein Häuflein von 
100 Kindern, fünf Elternpaaren entsprossen, sein 
munteres Wesen trieb; einer von den 100, 
Georg von Ehingen, hat uns das in seiner 
Reise nach dem Ritterstande erzählt. — Um 
diese Zeit aber begannen die Bo ine bürg er 
schon von der Burg in die Thäler hinabzu 
steigen und auf ihren dortigen Ansitzen eine be 
quemere Unterkunft zu suchen. Die Stamm
        

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