Full text: Hessenland (3.1889)

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Wir fügen die deutsche Uebersetzung nach 
stehend bei: 
Dem sehr hoffnungsvollen Prinzen Moritz, 
Hessens erlauchten Landgrafen. Gruß zuvor. 
Gerade auf Michaelistag erhielt ich von einem 
sogenannten deutschen Michel, d. h. von einem 
albernen Menschen ohne jede höhere Bildung, 
einen recht ungeschickt und mehr als kindisch 
geschriebenen Brief. Daß Du ihn geschrieben, 
würde ich keinem Menschen glauben, hätte ich 
nicht aus Anfang und Unterschrift mit der 
größten Mühe und zu meiner Beschämung end 
lich Deine Handschrift ohne viel entziffern zu 
können vermuthet. Das sind also die Früchte 
so vieler Jahre! Das ist der Erfolg so großer 
Mühe, dies das Zeugniß Deiner Bildung! Ich 
schrieb Dir, Du solltest mir mittheilen, wenn 
Du etwa einen Aufschub Eurer Rückkehr, deren 
ich täglich gewärtig war, merken solltest, damit 
nicht unsere lange Trennung, welche doch nach 
Ansicht der auf Dein Wohl so sehr bedachten 
Räthe zum Nachtheil gereicht, bei Deinem Herrn 
Vater berechtigten Anstoß errege. Aber Du er 
wähnst davon nichts. Von welcher Trägheit 
und unausgesetzter Flüchtigkeit zeugt dies, und 
es ist klar, daß Du mein Schreiben entweder 
gar nicht gelesen, oder nicht verstanden hast. Du 
antwortest albern, Du antwortest in bäuerischem 
Stil, einem Schmarotzer gleich, der es eilig hat 
zum Essen zu kommen. Wie wenn ich diesen 
Brief, als ob er von Dir wäre, wofür ich ihn 
aber nicht anerkenne, sondern den Flammen 
übergebe, gelehrten Männern oder unsern Räthen, 
die mit mir verkehren und Deiner fast zu jeder 
Stunde rühmend erwähnen', Dich öffentlich und 
unter sich loben und wegen Deiner kund gewordenen 
Gelehrsamkeit wie man sagt in den Himmel 
erheben, wenn ich ihn — sage ich — diesen 
Männern zeigen würde? Gott! Welche Einbuße 
würde Dein Ansehen erleiden. Aber hierüber 
mündlich mehr. Inzwischen lasse Dir diesen 
Vorhalt oder wenn Du lieber willst diese Klage 
Deines treuesten und Dir eifrigst ergebenen 
Berathers, dem Du theuerer bist als sein Leben, 
nicht gleichgiltig sein. Durch einen gut ge 
schriebenen Brief wirst Du all' diesen Anstoß 
leicht vergessen machen Antworte also. Es 
wird Dir alles zugeschickt werden, um dessen 
Besorgung Du in jenem Zettel lakonisch zu bitten 
nicht versäumt hast. Gehab' Dich wohl. 
Kassel im Jahr 86 im September. 
Dein getreuer Lehrer 
T. Homberg. 
er Wemame 
m 
^aspe 
u 
Am bekanntesten ist dieser Name durch jenen Hein 
rich Raspe geworden, der nach seinem traurigen 
Gegenkönigthum am 17. Febr. 1247 auf der Wart 
burg verschied als letzter männlicher Sprosse des 
thüringischen Landgrafenhauses, das zugleich über reiche 
Besitzungen in Heffen gebot. Mit seinem Tode beginnt 
erst die Sondergeschichte der Landgrafschaft Hessen 
unter dem, Brabants Herzogshause entsprossenen 
Enkel der Heiligen Elisabeth. Trotzdem nun dieser 
Beiname ungewöhnlich llingt, geht man meistentheils 
über denselben hinweg, ohne sich lange mit seiner 
Deutung aufzuhalten. Und doch tragen alle 
vier Mitglieder des thüringisch-hessischen Landgrafcn- 
hauses Namens Heinrich — nämlich Heinrich I., 
gestorben 1130, Heinrich II., gest. um 1155, Hein 
rich III., gest. 1180, und der obengenannte Heinrich IV., 
gest. 1247, den Beinamen Raspe und zwar nicht 
nur in den Jahrbüchern und älteren Geschichts 
schreibern, sondern auch in den Urkunden.*) 
*) z. B. für Landgraf Heinrich Raspe UV.) in Böhmer- 
Mcker's Regesten V1, Seite 419, als Zeugen des Kaisers 
Friede. II. zu Augsburg im Oktober 1235 lNo. *2121), 
zu Speier den 1. April 1236 (No. 2152) und besonders 
zu Wien im Februar 1237 (Nr. 2226). 
Es ist nun höchst wahrscheinlich, daß dieser Bei 
name zuerst Heinrich Raspe (I.), dem tapferen 
Bannerträger Kaiser Lothars, dem jüngeren Bruder 
des ersten Landgrafen Ludwig, als kennzeichnender 
Ehrenname allein beigelegt wurde. 
Dann aber fand sein Geschlecht diese rühmliche 
Bezeichnung so ehrenvoll, daß dieselbe erblich blieb 
und von nun an wie ein zweiter Eigenname un 
trennbar durch geheiligte Familiensitte stets mit dem 
Rufnamen Heinrich verbunden wurde. 
Daß aber auch andere Krieger diesen Beinamen 
erhielten, er also nicht nothwendig mit dem Vor 
namen Heinrich zusammengehört, beweisen außer der 
nachher zu besprechenden Stelle im Willehalm Ulrichs 
von dem Türkin, wo Zukander von Tuntunabri „der 
RaSPer° genannt wird, die Rsxesta Lolcrs. (sä. 
Lang) Bd. III., wo an zwei Stellen (Seite 205 als 
lebend zum Jahre 1263 und Seite 341 als todt 
zum Jahre 1270) in Allemannien bei Dillingen ein 
Conradus miles, dictus ßaspen (oder Raspo) 
genannt wird. 
Was heißt nun Raspe (Raspo, Raspsn) oder „der 
Rasper"? — Knochenhauer's so treffliche Geschichte 
Thüringens unter dem ersten Landgrafenhause (1870)
	        

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