Full text: Hessenland (3.1889)

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seinen Märkten, Flecken und Dörfern jetzt und in 
Zukunft, namentlich in der Herrschaft Bremelau, 
die er von den von Wöllwarth erkauft hatte 
und mit der er der reichsfreien Ritterschaft des 
Kantons an der Donau angehörte, rothes Siegel 
wachs zu führen, was ein Vorrecht des hohen 
Adels war. 
Doch wir müssen um einige Jahre in unserer 
Darstellung zurück. Das Jahr 1552 sollte nicht 
enden, ohne dem alten Konrad aufs neue für 
längere Zeit das Schlachtschwert in die Hand zu 
drücken. Der wilde Markgraf Albrecht Alcibiades 
von Brandenburg-Kulmbach hatte auf seinen 
abenteuerlichen Fahrten auch das Ulmer Gebiet 
heimgesucht und die Burg Helfenstein erobert. 
Die Ulmer schnoben Rache; und ihr Nachbar 
Bemelberg bot ihnen seinen starken Arm und 
seinen erprobten Rath. So zogen denn die 
Ulmer unter Bemelberg und ihrem Bürgemeister 
Sebastian Besserer heran, vertrieben die feindliche 
Besatzung und zerstörten die Burg. Die wackeren 
Städter thaten sich darauf nicht wenig zu gute, 
und der Oberst Bemelberg hatte ihnen eine hohe 
Meinung von sich beigebracht. Im „Helfensteiner 
Liede" heißt es von ihm: 
„Conrat von Bemmelberg unser obrist war, 
„Er ist auch gwest bei diser gfar, 
„Es sei gleich frü oder spate; 
„Er stund selbst herzhaft bei dem gschütz, 
„Gab manchen guten rathe. 
„Der obrist war ein tapfer man, 
„Er war allzeit zuvorderst dran, 
„Ist bei den Ulmern bestanden. 
„Gott woll ihm geben glück und heil 
„In teutsch und welschen Landen. 
„Wir Ulmer wölln znm obristen halten 
„Und wölln die fach gott lassen walten, 
„Bei ihm wällen wir bleiben; 
„Und sollt cs kosten leib und gut, 
„Den feind wölln wir vertreiben." 
Und neue Arbeit gab es für den unermüdlicheit 
Mann im Westen des deutschen Reiches. Der 
Franzose hatte zum ersten Male, nach deutschem 
Lande lüstern, einen frechen Raub ausgeführt 
und, während der gichtkranke Kaiser durch Kur 
fürst Moritz von Sachsen schwer bedrängt wurde, 
Metz, Toul und Verdun, drei deutsche Bisthümer 
und drei deutsche Reichsstädte, an sich gerissen. 
Den Raub ihm abzujagen, war Kaiser Karl fest 
entschlossen. Aber das Kriegsglück, das er so 
oft an seine Fahnen gekettet hatte, war dem 
alternden Herrscher nickt mehr hold, und der böse 
Spottreim: „Die Metze und die Magd haben 
dem Kaiser den Tanz versagt", ließ es ihn 
fühlen, daß gar mancher der Großen und der 
Kleinen im deutschen Reiche ihm diesen Miß 
erfolg gönnte. 
(Schluß folgt.» 
—o~ 
an Keilrag zur Anziehung und Bildung hessischer Wrinzen 
Von I. Schwank. 
In dem hessischen Fürstenhause ist von Anfang 
an großes Gewicht aus tüchtige Bildung der 
Prinzen des Hauses gelegt worden, wodurch es 
kam, daß in nicht wenigen Fällen sogar be 
deutende Gelehrsamkeit erworben wurde. Die 
größte Sorgfalt wurde natürlich bei dem zu 
künftigen Nachfolger auf Tüchtigkeit in der Ver 
waltung und Regierung verwendet. Die nöthige 
Ausbildung geschah nach den ersten Jahren der 
Kindheit an dem eigenen Hofe unter Leitung 
tüchtiger Staatsmänner und Gelehrten, meist aus 
dem Adel des Landes, z. B. die Erziehung des 
älteren und jüngeren Wilhelm unter Aufsicht 
und Leitung des bekannten Hans von Dörnberg, 
die des jungen Philipp unter Ludwig von Böme- 
burg (sogar mit Ausschließung seiner Mutter 
Anna), dann auf Universitäten, z. B. Paris und 
Prag, später Stuttgart, Genf, Straßburg, Basel 
u. s. w., ferner durch Reisen an fremde und ver 
wandte Höfe und in benachbarte durch politische 
Beziehungen gerade verbundene Länder: Frank 
reich, Niederlande, England, Jtailien. So kam 
es denn, daß in folge der trefflichen Gaben dieses 
Fürstenhauses eine große Zahl hessischer Fürsten 
und Prinzen sich durch hohe wissenschaftliche 
Bildung und Gelehrsamkeit auszeichnete, Er 
findungen in mancherlei Künsten machte und 
wissenschaftliche Werke verfaßte. Nur für den 
in der hessischen Geschichte unkundigen Leser soll 
erinnert werden an Philipps des Großmüthigen 
staatsmünnische und theologische Bildung, an 
Wilhelm IV. mathematische, medizinische und 
astronomische Kenntnisse, an des Landgrafen 
Moritz theologische, mathematische und altklassische 
Gelehrsamkeit und an die matheinatischen und 
meteorologischen und geographischen Schriften
        

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