Full text: Hessenland (3.1889)

Das „Heffcnland", Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, erscheint zweimal monatlich, zu Anfang 
und Mitte jeden Monats, in dem Umfange von U/2—2 Sogen Quartformat. Der Abonnementspreis beträgt gleichmäßig 
für hier und auswärts vierteljährlich 1 Mark 50 pfg. Einzelne Nummern kosten je 30 pfg. Auswärts kann unsere 
Zeitschrift durch direkte Bestellung bei der Post, oder durch den Buchhandel, auf Wunsch auch unter Streifband bezogen 
werden; hier in Kassel nimmt die Redaktion, Jordanstraße 15, und die Buchdruckerei von Friedr. Scheel, Schloßplatz 4. 
Bestellungen an. In der Post-Zeitungsliste für das Jahr 1889 findet sich das „Hessenland" eingetragen unter Nr. 2705. 
Hur letzten Munde. ü^~ 
[tt oft gehn Tage doch zur Rüste, 
Uortrollend mit dem Strom 5er Feit, 
Daß nicht das Menschenher; es wüßte: 
Sie sind dahin in Ewigkeit! 
And doch — oh Freud', ob Leid sie spenden 
In ihrem ewig gleichen Gang, 
Es hält ihr Scheiden, hält ihr Enden 
Gefangen keines Her;ens Drang. 
D, daß doch Jeder, der den Decher 
Jetzt zwischen Gehn und Rommen hebt, 
Drüenken mag, daß uns ein Rächer 
Für alle Schultz im Himmel lebt, 
Daß Jeder, selbst in froher Runde, 
Doch prüfe, wie sein Loos er trägt, 
Drvor such ihm die letzte Stunde 
Aus erz'nem Wund entgegen schlägt. 
Doch tont der Schlag der letzten Stunde 
Mil der ein Jahr von dannen zieht, 
So ist's, als ob mit ehrnem Munde, 
Die Ewigkeit uns mahnend rieth: 
„Nun prüft, ob ihr es auch erfülltet, 
Was euch an Pflichten auferlegt, 
Ob ihr nicht schuldbewußt verhülltet, 
Was vorwurfsvoll das Her; bewegt." 
Mag auch die Wange dann errathen, 
Wenn sich ein Fehl im Herzen zeigt, 
Die Prüfung reißt's aus allen Nöthen 
Daß Trost und Hoffnung ihm entsteigt; 
And mag im Schlag der Jahreswende 
Ans Frieden oder Sturm erstehn, — 
Der Frieden wird zur Himmelsfpenöe, 
Der Sturm wird uns gerüstet sehn. 
Ja, Tag' um Tage gehn zur Rüste, 
Fortrollend mit dem Strom der Seit, 
Als ob das Menschenherz nicht wüßte. 
Daß fort sie sind in Ewigkeit. 
Doch tönt der erste Schlag der Stunde, 
Die uns ein Jahr zu Grabe trägt: 
Dann mahnt es uns mit ehrnem Munde, 
Daß einst auch uns die Stunde schlägt! Hart Z»reser.
	        

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