Full text: Hessenland (3.1889)

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Das Falckenheiner'sche Kaiserfestspiel ^Hohen 
staufen und Hohenzollern", welches wir bereits 
in Nr. 15 dieser Zeitschrift vom vorigen Jahre besprochen 
haben, ist hier sechsmal zur Aufführung gelangt und 
hat jedesmal großen Beifall gefunden. Die Jnscenirung 
wird als eine vortreffliche gerühmt. Der Dichter 
Dr. W. Falckenheiner, der Regisseur Franz Treller 
und der Leiter der musikalischen Begleitung Musik- 
director A. Brede wurden wiederholt gerufen. 
In der Monatsversammlung des Vereins für 
hessische Geschichte und Landeskunde er 
ledigte zunächst der Vorsitzende, Major von Slamford, die 
geschäftliche Tagesordnung, hiernach hielt W. R o g g e - 
Ludwig den angekündigten Vortrag über „Reinhard 
von Dallwigk, ein hessischer Raubritter zu Anfang 
des 15. Jahrhunderts, und Johann Bernhard von 
drallwigk, ein hessischer Staatsmann aus der Zeit des 
Deißigjährigen Krieges«. Der Vortrag fand bei 
fällige Aufnahme. Wir werden auf denselben zurück 
kommen. 
Am 17. Januar fand im Hahn'schen Gasthofe 
dahier auf Anregung der Beamten der hiesigen Landes - 
bibliothek zu Ehren des nach langjähriger Dienstzeit 
am 1. Januar in den Ruhestand getretenen Bibliothek- 
secretärs Leonhard Schultheis ein Abendessen 
statt, an dem sich ca. 40 Freunde des genannten 
Herrn, betheiligten. Bibliothekar Dr. Lohmeyer brachte 
den ersten Trinkspruch aus. Er feierte in beredten 
Worten die Verdienste des Herrn Schultheis, der über 
41 Jahre an der hiesigen Landesbibliothek thätig 
gewesen sei, hob dessen Fleiß, Berufstreue, Freund 
lichkeit und Gefälligkeit gegen Jedermann hervor, 
gedachte der vortrefflichen Charaktereigenschaften des 
selben und überreichte ihm als Andenken ein Bild, 
welches die zeitigen Beamten der hiesigen Landes 
bibliothek in photographischer Gruppe darstellt. 
Sichtlich gerührt, dankte Herr Schultheis in ver 
bindlichster Weise. Es folgten dann zu Ehren des 
selben noch eine große Anzahl von Trinksprüchen, 
theils ernster, theils humoristischer Art, einer 
sogar in gebundener Rede, welche mit dem Gesang 
entsprechender Lieder im Chor und im Quartett 
abwechselten. Es herrschte bei diesem Feste eine sehr 
angenehme Gemüthlichkeit, und der Verlauf desselben 
liefert wohl den besten Beweis, welcher Anhänglichkeit 
und Beliebtheit sich Herr Leonhard Schultheis bei 
seinen Freunden und Bekannten erfreut. 
An Stelle des zum Bibliothekssekretär beförderten 
Dr. Karl Scherer ist Dr. phil. Fritz Seelig zum 
Assistenten der hiesigen ständischen Landesbibliothek er 
nannt worden. Fritz Seelig, ältester Sohn des Amts 
gerichtsraths F. W. Seelig dahier, ist am 24. Okt. 1860 
zu Rotenburg an der Fulda geboren. Er besuchte das 
Gymnasium zu Kassel, gen. Lyceum Fridericianum, 
von Ostern 1869 bis Herbst 1879, studirte dann 
drei Semester (bis Ostern 1881) in Berlin und hier 
nach fünf Semester (bis Herbst 1883) zu Straß 
burg germanische Philologie und Geschichte. Mit 
abschließenden Arbeiten zum Examen pro facul- 
tate docendi beschäftigt, verlebte er das fol 
gende Jahr theils in Kassel, theils in Straßburg, 
um dann seit l.Okt. 1884 als Einjährig-Freiwilliger 
im Königl. bayerischen Jnfanterie-Leibregiment zu 
München seiner Dienstpflicht zu genügen. Den Schluß 
des Jahres 1885 und das Jahr 1886 war er als 
Erzieher am Genfer See und an der Riviera thätig, 
zugleich für Zeitschriften und Tagesblättern arbeitend. 
Dann wirkte er, nach einer 13tägigen Dienstleistung 
zu Metz als Unteroffizier der Reserve, im Jahre 
1887 als Lehrer für Geschichte, neue und klassische 
Sprachen im Institut Khuen zu Straßburg, bis er 
im Frühjahr 1888 als Volontär in die kaiserliche 
Universitäts- und Landes-Bibliothek eintrat, um von 
dortaus mit Beginn dieses Jahres Assistent der 
Landesbibliothek zu Kassel zu werden. Seine, 1887 
als Sonder-Abdruck aus dem III. Bande der Straß 
burger Studien erschienene Dokwr-Dissertation, auf 
Grund deren er bei der philosophischen Fakultät der 
Kaiser - Wilhelms - Universität feierlichst promovirt 
wurde, führt den Titel: „Hans von Bühel. Ein 
Elsässischer Dichter, um 1400. Eine litterarhistorische 
Untersuchung.« 
Unsere hessischen höheren Lehranstalten 
werden kommende Ostern mit ihren Jahresberichten 
folgende wissenschaftliche Abhandlungen 
bringen: 
Kassel, Friedrichsgymnasium: Das Problem der 
Willensfreiheit. Von Hüpeden. 
„ Wilhelmsgymnasium: Ueber die Jagd bei 
den Griechen. 2. Abth. Von Manns. 
„ Realgymnasium: 1) Lehrplan für den 
Unterricht im Französischen. 2) Ueber 
Quintilians institutio oratoria. Von 
Peters. 
„ Realschule: Beitrag zur Reform des fran 
zösischen Unterriästs. Von Quiehl. 
Hanau, Gymnasium: Vindiciae Livianae. Von 
Heraeus. 
Hersfeld, Gymnasium: 8tau8 puer ad mensam 
und sein Verhältniß zu ähnlichen Er 
zeugnissen des 15. Jahrhunderts. Bon 
Burch enne.
        

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