Full text: Hessenland (3.1889)

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I«ge«dklang» 
Hab' verbracht den heißen Tag 
In angenehmer Kühle, 
Dieweil auf Feld und Anger lag 
Des Juli dumpfe Schwüle. 
Sucht im Garten schattiges Rund 
Altfränk'scher Lindenbäume 
Und es kamen leicht und bunt 
Gesellig her die Träume. 
Dort das weiße Marmorbild 
Au dunkeln Taxushecken 
Ist Frau Venus, wundermild, 
Auf einem Wasserbecken. 
Hab' die alte Sage gern, 
Daß sie noch heute lebet 
Und, ein schöner Abendstern 
Gar leuchtend uns umschwebet. 
Daß sie ihren Hof noch hält 
Voll schöner Ritter, Frauen. 
Die in unsre fremde Welt 
Still verwundert schauen. 
Harfen klingen und Schallmei'n. 
Berauschend duften Blumen, 
Schöne Pagen führen ein 
Zu alten Heiligthumen. 
Opfernd der Verlockte sinkt 
An liebliche Altäre, 
Wo zu neuem Dasein winkt 
Der Göttin holde Lehre. - 
Lächelnd sah das Bild mich an, 
Als wollt's mir was vertrauen 
Bin ich schon in deinem Bann, 
O, göttlichste der Frauen? — 
W- Wennecke: 
Die Hesse« i»et Cindeck. 
(1478) 
Der Hessen Landgraf, Heinrich, kam aus dem Feld zurück, 
Er focht bei Braunschweigs Herzog, Wilhelm, mit Waffen 
glück 
Wider die Spiegelberge und die von Grubenhagen, — 
Hört, was auf dieser Heimkehr sich Sondres zugetragen! 
Als mit den Hessenkriegern der Landgraf Einbeck naht. 
Die Bürgerschaft den Durchzug ihm schnöd' verweigert hat, 
Davon der Landgraf wenig indeß Notiz genommen, 
Ist auch unangefochten an's and're Thor gekommen. 
Was hatten nun die Bürger derweilen ausgeheckt? 
Sie lagen straßensperrend, durch Wagenburg gedeckt. 
Jetzt vor der Stadt bewaffnet, an Zahl an die elshundert, 
Darob sich Hessens Landgraf entsetzt nicht, doch verwundert. 
Sie waren voll von Kampflust, und so muthwillig gar, 
Daß sie mit Spott den Hessen den Bierkrug reichten dar, 
Wie Brüderschaft zu trinken, und so des Sieges sicher. 
Daß Heinrichs Mahnung weckt nur Hohnschrei und Ge 
kicher. 
Sie brachten einen Wagen, bepackt mit Stricken voll 
Und höhnten: „wißt ihr Hessen, was das bedeuten soll? 
Man wird euch sammt und sonders mit diesen Stricken 
binden, 
Ihr sollt zum Hessenlande sobald den Weg nicht finden!" 
Darob verlor der Landgraf doch die Geduld ein wenig: 
„Ei Marschalk, Schenk zu Schweinsberg, packt doch den 
Rattenkönig 
Von Spießern mal am Zipfel und thut ihn mir mal 
messen, 
Er soll nun Weg und Meilen uns zeigen selbst nach Hessen!" 
Da legt mit seinen Mannen das Maaß der Schenke an 
Bei Schuster, Böttcher, Gerber, bei Schmied und Schneiders- 
mann; 
Er hat sie so gemessen mit Armbrust, Spieß und Degen 
Daß ihrer an vierhundert im Umsetzn todt gelegen. 
Den andern siebenhundert, weil Stricke just zur Hand, 
Die Hände auf dem Rücken kreuzweise fest man band. 
Draus alle an einander in eine lange Reihen, 
Wie Ratten mit den Schwänzen, in Rotten je zu dreien. 
Sie mußten vormarschiren den weilen Weg entlang. 
Das waren sieben Meilen, o trauervoller Gang! 
Jetzt sind sie stumm wie Fische, kein Lachen will ertönen, 
Man hört nur Zähneklappen und Flennen, Seufzen, 
Stöhnen. 
Man sperrt sie ein in Kassel und andern Orten mehr. 
Da müssen sie sich lösen mit Gold und Silber schwer; 
Die so gezähmten Spießer, sie werden's nie vergessen, 
Wie einst mal Streit sie suchten am Landgrafen von 
Hessen. 
Es hing noch lang' zu Kassel im Kirchlein nah' dem 
Schloß 
Ein altes Reiterfähnlein, darin ein springend Roß; 
Ein Zeugniß hing's wie Muthwill in Trauer oft sich kehre. 
Es sprach von Eimbeck's Schande und von der Hessen Ehre. 
Hart' Schaumöurger. 
Aus Aeimath und Fremde. 
Der Geburtstag Kaiser Wilhelm's II. ist 
allerorts in unserem engeren Vaterlande Hessen auf 
das Feierlichste begangen worden. Die Feier vollzog 
sich in ähnlicher Weise, wie dies zu Lebzeiten des 
Großvaters des jetzigen Kaisers der Fall war. Für 
Kasiel hatte dieselbe in sofern noch ein besonderes 
Interesse, als Kaiser Wilhelm bekanntlich als jugend 
licher Prinz hier seine Gymnasialstudien vollendet hat. 
Bei dem feierlichen Schulakte, der in dem Friedrichs- 
Gymnasium am Sonnabend der vorigen Woche am 
läßlich des kaiserlichen Geburtstages abgehalten wurde, 
fand die Enthüllung des von dem Kaiser dieser Ge 
lehrtenschule verliehenen Oelbildes seines Vaters, des 
Kaisers Friedrich III. durch den Direktor Dr. Vogt 
statt. Dieses ausgezeichnete lebensgroße Bild, ein 
Werk des rühmlichst bekannten Berliner Malers 
Stankienovicz, fesselt durch die Treue und Lebendig 
keit der Darstellung.
	        

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