Volltext: Hessenland (3.1889)

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mirisburg, Dnb folgents Marpurg, oder, wie andere 
wollen, Marckburg, weil sie an der Marck vnd 
Gräntz des Lands, nach dem Westerwald zu gelegen, 
seye genannt worden. Zun zeiten der Heyligen 
Elisabeth (die alda in der Burg ihren Wittib 
sitz gehabt.) ist Marpurg noch ein offener Flecken 
gewesen, welchen ihr Sohn, Landgraff Hermann, 
hernach vmbmawren, vnd zu einer Hauptstatt hat 
machen lassen. Anno 1261 vnd 1311 ist sie gantz 
auszgebronnen. Der zeit ist es ein fein erbawte 
zimbliche grosse Statt, am Wasser Lohn oder Löhn 
genant, vnd am Gebürg gelegen, daselbst ein schöner 
Marckt vnd darauff ein feines Rathhausz stehet. 
8t. Elisabethen Kirch ist ein prächtig vnd schöns 
Werck, von gehawenen Steinen auffgeführt, vnd mit 
zween hohen und schönen Thürmen gezieret. Hat 
drey Chör in deren einem S. Elisabethen Grab, in 
dem anderen der Hohe Altar, vnd im dritten die 
Begräbnissen der mehrertheils Landgraffen, So bis 
Anno 1500 regiert haben, zusehen sein. Das 
Teutsche Hausz allda, so unten im Thal, an dem 
Wasser vnd das Schlosz so zimblich hoch ligt, vnd 
in demselben das Gieszhausz, der Rennplatz, Lust 
garten, allerhand Wasserkünste, vnd Brunnen sein, 
sambt der fürstlichen Cantzley wol zubesichtigen. So 
gibt es auch bey der Statt kunstreiche Mahl- Schlag- 
Papir- und Kupffer Mühlen, ein schönes Vorwerck 
zum Schwan, vnd andern vornehme Gebäw mehr. 
Anno 1527. wurde allhie ein Hohe Schul von Land 
graff Philipsen zu Hessen eingeführt, dabey jederzeit 
vornehme Professores gelebt, die solche sonderlich be- 
rümbt gemacht haben. Besitze obgedachten 8awiuin, 
Dilichium in der Hessischen Chronic, vnnd andere 
so davon geschrieben. 
St. Rauschenberg, so oben am Berg ein 
Schlosz vnd fürstlich Jagthausz, 1 grosse meil. 
D. Gilsenberg. 2 m. Von dannen man raffet 
durch den Löwensteinischen Grund. Darinn gelegen 
der fleck Geszburg, daselbsten der vornehme Poet vnd 
Jurist Bernhardus Praetorius gebohren. 
St. Fritzlar. 3 meil. Gehört zum Ertzstifft 
Meyntz, hat ein Graben vnd Ringmawer mit vielen 
Hohen Thürmen, vnd ligt aufs einer anmütigen Höhe: 
Gibt auch gut Obs, vnd etwas Weinwachs herum, 
so aber vielleicht von Demjenigen sein wird, davon 
jener Hispanier, zun zeiten Keyser Caroli Y. in 
Hispania referirt hat dasz in Hessen der Natürliche 
Essig wachse. Allhie ist Kayser Henricus I. erwehlt 
worden. Anno 1232. hat sie Landgraff Conrad 
zu Thüringen und Hessen gantz eingeäschert. Die 
schöne St. Peterskirch allhie hat St. Bonikacius 
erbawt. Besitze, was von diesem orth Albertus 
Cranzius, vnd Georgius Braun schreiben. 
St. vnd Vestung Ca8861. 3 meil. Disz 
ist die Haupt Statt im Vndern oder Ridern fürsten - 
thumb Hessen, vnd eine fürstliche Landgräffliche 
Residentz. Hat vorzeiten Ca8t6llum Cattorum ge 
heißen, vom Druso erbawt, wie solches Cluverius 
vnd Bertius beweisen, vnd francissi Irenici, der sie 
vor des Ptolemaei dtereontium halten thut, vnd 
anderer Jrrtuhmb, so sie Cassulam, Casselam vnd 
Casselas nennen, anzaigen thun. Sie ligt gantz 
lustig an der Fulda, so sie gleichsam in zwey theil 
theilet, vnd daselbst erst Schiffreich wird. Ist mit 
schönen Gebäwen, sondern, mit einem ansehnlichen 
Schlosz, herlichen Marstall, lustigen Garten vnd der 
gleichen, auch einer fürsten Schul, oder Collegio, 
herrlich gezieret: Vnd allberait Anno 1382. 85. vnd 
1400. drey belagerungen auszgestanden, vnd sich er 
halten, ehe dann der Wahl Anno 1523. vmb das 
Schlosz, vnd Anno 26 vmb die Statt, von Land 
graff Philipsen, ist geführt worden. Vnd obwoln er, 
wie obwermelt, vom Keyser Carolo Y. gefänglich 
angenommen, die Vestung von den Spaniern zu nichte 
gemacht, das Geschütz vnn Munition nach franckfurt, 
vnd ferners den Rhein hinab geführt worden: So 
ist doch dieselbe, nach sein, des Landgraffen erledigung, 
von ihme, sonderlich von seinem Sohn Wilhelmo, 
wieder mit Wählen vnd Bollwerken guter Massen 
versehen worden. In der Stifftkirchen zu 8t. Martin 
sonsten die kreyheit genant ligt obgemelter Landgraff 
gantz Herrlich begraben, wie Michael Heberer schreibet. 
Auff den H. drey Könige tag ist allhie ein stattlicher 
Jahr Markt, sonderlich mit Pferden, Stockfische, vnn 
dergleiche. A. 
mm 
von m. 
Novelle 
'crBerf. 
(Fortsetzung.) 
Auch Peters hatte einst ein.schönes Mädchen ge 
liebt, die war sein Weib geworden und hatte 
ihm einen Sohn geschenkt. Aber der Sohn 
kostete Herrn Peters die Frau. Gar nicht weit 
von seinem Hause auf dem grünen, kleinen Gottes 
acker lag sie, tief unter der Erde — eine jugend 
lich schöne Gestalt, im weißen Kleid — mit auf 
der Brust gefalteten Händen — wie Herr Peters 
sie zuletzt gesehen. Zuweilen schien es ihm, als 
habe er nur dorthin zu gehen, um sie wieder zu 
holen. Daß sie dort schlummerte, verhinderte 
Herrn Peters, die kleine Stadt zu verlassen, um
        

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