Volltext: Hessenland (3.1889)

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er stellt ihm auch ein schmeichelhaftes Zeugniß 
für seine Bildung aus. Das Werk, das er da 
mals (1544 und 45) im Bunde mit seinem 
Freunde, dem Grafen Reinhard von Solms, ver 
faßte und das m. W. bisher noch nicht gedruckt 
ist, ist das militärische Testament des merkwürdigen 
Mannes, das ihn hoch ebrt. Es führt den Titel: 
„Ein Kriegsordenong von allen Ampter des 
Kriegs, wie die versechen, bestallt und regirt 
werden sollen und was einer jeden Person zu 
thun gehören will, ein jedes mit seiner figuern 
besonders angezeigt und beschrieben" und ist mit 
farbigen Bildern aller Aemter (Chargen) reich 
geziert. Bemelberg erscheint in diesem Werk 
als begeisterter Lobredner der militärischen Zucht: 
„Wo nun gehorsame, forcht, Sorg und vleis ist, 
da Wirt alles wol aufgericht und steet Alles in 
gueter Huet und achtung." „Darumb dann einem 
jeden kriegsherren von nöten, uff diese Haupt 
stuck eines gueten und bestenndigen regiments 
vleissige achtung zu haben, dieweil on dieselben 
weder glück, Bictory noch auch einige wolfart 
und herrliche löbliche that verhoffet mag werden." 
Und ebenso tritt er warm für die ehrliche Krieg 
führung, die bona guerra ein, die freilich immer 
mehr durch die Spanier verdrängt wurde, welche 
die mala guerra, die von den Schweizern er 
funden war, erst zur vollen Ausbildung brachten. 
(Fortsetzung folgt.) 
—s-»es— 
Kessen im Wichte des 11 Jahrhunderts 
Durch Zufall wurden wir auf ein merkwürdiges Buch, 
eine Reisebeschreibung aus dem Jahre 1632, auf 
merksam, welches folgenden, hier nur zum kleinsten Theil 
citirten Titel führt: Teutsches Reyßbuch durch 
Hoch vnd Nider Teutschland. auch an - 
gräntzende, vnd benachbarte Königreich 
Fürstenthumb vnd Lande, als Vngarn, 
Siebenbürgen, Polen, Schweden u. s. w. 
u. s. w. Durch Marlmim Zeillerum. Straß- 
burg. In Verlegung Lazari Zehners 
Seligen Erben. Anno MDCXXXII. Wir 
können es uns nicht versagen, unseren Lesern hier 
einen kleinen Auszug, unser Hessenland betreffend, 
zu geben, der weniger des Inhaltes wegen, als wegen 
der Form, der eigenthümlichen, naiven Darstellung 
eines gewissen Reizes nicht entbehrt. 
St. Giessen. 2 weil.*) Abraham Säur sagt, 
dasz Giessen vorzeiten ein kleines Dorff, Dewungen 
genant, gewesen, so in einem Sumpfs gelegen, vnd, 
wie man sag, aufs dem Markt so tieff gewesen, dasz 
die Wägen bisz an die Axen sein eingangen, vnd 
weil das Regenwasser hauffenweisz dahin geflossen, 
so sehe es Giessen genant worden. Wann und zu 
welcher zeit aber nran ein Statt allhie erbawt habe, 
das ist vnbewust: Jedoch helt man dafür, dasz schon 
zu 8. Plisabethae zeiten da ein Statt gewest sehe, 
weil Landgraff. Otto in Jahr 1325. Ihr Privilegien 
ertheilet, dasz die so in den Vorstätten daselbst wohnen, 
eben solche bürgerliche Freyheiten haben sollen, als 
die so in der Ringmawren wohnen. Anno 1530. 
ist sie vom Landgraff Philipsen zu Hessen mit einem 
Wahl und Graben bevestigt worden. Als aber be 
sagter Landgraff. Anno 1547. gefänglich angenommen 
ward, so hat Grass Reinhard von Solms, auff 
*) Von Butzbach. 
Keysers Caroli bevelch, diese Vestung niederreisseu 
lassen: die aber Aimo 1560. zum andernmal zubawen 
angefangen, vnd innerhalb fünff Jahren vollendet: 
auch Anno 1571. von Landgraff Ludwigen dem 
Eltern, an vielen orthen verbessert, vnd Anno 86 
mit einem schönen Zeughausz versehen worden ist. 
Anno 1607. hat Landgraff Ludwig, der Jüngere, zu 
Hessen allda ein schönes Collegium erbawt, und ein 
Hohe Schul angerichtet, so aber der derzeit nicht 
mehr daselbst ist, sondern die Proffesores nach Marpurg 
gezogen sein. Zum eingang der Frankfurter Pforten 
stehen diese Versz in Stein gehawen, so Petrus 
Paganus gemacht hat: 
Captus erat Princeps, non Marte, sed arte 
Philippus, 
Cum bene munitum destrueretur opus. 
Nominis hoc patrii Ludovicus amore refecit, 
Anno bis septem lustra sequente novo. 
Principe dignus, honos, Patriae sarcire ruinas, 
A quibus Hassiacos, Christe tuere polos. 
St. Marpurg. 3 weil. Disz ist die Haupt 
Statt im Fürstenthumb, oder Lande an der Löhn, 
oder im Ober Fürstenthumb Hessen, so vorzeiten 
Mattium geheissen, und der Mattiacorum Hauptfleck 
gewest ist. Dann diese Mattiaci, so Hessen waren, 
nicht in See- oder Nord Holland, oder an der Insel, 
wie theils wollen, sondern in der Wetterau, vnd in 
einem theil von Hessen gewohnt haben. Vnd haben 
sie im Jahr Christi 49. den Namen der Catten 
verlohren, vnd sein dafür Mattiaci genant worden, 
wie Cluverius beweiset. Es wollen theils, das sie 
Martisburgum vorhin geheissen habe, als ob sie dem 
Heidnischen Abgott Marti zu ehren erbawt worden 
were. Andere führen den Namen von einem Marco 
miro her, nach welchem sie vmbs Jahr 140. Marco-
        

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