Volltext: Hessenland (3.1889)

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onraö von Kemelberg^ öer kleine Hesz, 
der WanösknechtsoLerst. 
«Line historische Skizze von G. St end eil- 
(Fortsetzung.) 
Bemelberg entwickelte eine rastlose Thätigkeit; 
es gelang ihm, die Deutschen bei guter Laune 
zu erhalten, indem er sie an ihre Pflicht gegen 
den Kaiser mahnte und auf bessere Zeiten ver 
tröstete. Wie durch ein Wunder geschah die 
Rettung; das stolze französische Heer, wenigstens 
40,000 Mann stark, wurde durch ansteckende 
Krankheiten schrecklich decimirt; Lautrec selbst 
beschloß auf solche Weise sein glänzendes Krieger 
leben; der Doge Doria, der die kaiserliche Flotte 
vernichtet hatte, war durch das hochfahrende 
Wesen des Königs Franz I. gereizt, schon vor 
her abgefallen und ging nun zur kaiserlichen 
Sache über. Der traurige Rest des französischen 
Heeres zog ab und unterlag auf dem Rückzüge 
dem Schwerte der nachsetzenden Kaiserlichen; 
nicht eine Kompagnie kehrte nach Frankreich 
zurück. Der Krieg nahm nunmehr mit einem 
Schlage eine für den Kaiser günstige Wendung; 
die Friedensschlüsse zu Barcelona und Cambrai 
sicherten Italien dem Kaiser, der sich zu Bologna 
am 22. Februar 1530 die eiserne Krone Italiens 
und am 24. die römische Kaiserkrone aufs Haupt 
setzen konnte. Aber nicht als deutscher Kaiser 
beherrschte Karl V. nunmehr Italien, sondern 
als König von Spanien. Das zeigte auch das 
äußere Gepränge dieser letzten Kaiserkrönung auf 
italienischem Boden. Spanier und Italiener 
dienten dem deutschen Kaiser; kein deutscher 
Fürst war geladen; nur die deutschen Lands 
knechte, die veterana Germanorum legio, ver 
traten die deutsche Nation; ihre Hauptleute in 
dunkler Gewandung, mit goldenen Ketten ge 
ziert. Unter denen, die hier vom Kaiser den 
Ritterschlag empfingen, befand sich auch Konrad 
von Bemelberg; als eguas auratu« führte er 
nunmehr goldene Sporen. Doch er hatte be 
rechtigte Ansprüche auf größere Gnadenerweise; 
und um diese geltend zu machen, fand auch er 
sich in Augsburg auf dem Reichstage ein. Hier 
eröffneten sich ihm Aussichten auf die an der 
oberen Donau gelegenen Herrschaften Schelklingen, 
Ehingen und Berg; doch ehe diese Sache zu 
einem ersprießlichen Ende gedieh, mußte er aufs 
neue zum Schwerte greifen, um ein Versprechen, 
welches der Kaiser dem Papste im Frieden zu 
Barcelona gegeben, einzulösen. Der schlaue 
Mediceer, dem die Selbständigkeit Italiens wenig 
galt, war für die Interessen seines Hauses über 
aus besorgt und hatte vom Kaiser verlangt, 
seinem Hause den Besitz des widerspenstigen 
Florenz zu verschaffen. Sieben Monate währte 
schon die Belagerung, als der Kaiser Bemelberg 
entsandte. Wenige Tage nach dessen Ankunft 
öffnete die Stadt die Thore, um sich dem Hause 
Medici zu unterwerfen. Bemelberg und mit 
ihm die Reste der Landsknechte, die vor fast 
4 Jahren Italiens Boden betreten hatten, von 
12,000 nur noch 1500, kehrten zurück. Reiche 
Ehren wurden unserem Konrad nun zu Theil: 
Herzog Ludwig von Baiern nahm ihn zu seinem 
Diener auf 10 Jahre an; bald darauf ernannte 
ihn König Ferdinand, des Kaisers Bruder, zu 
seinem Rath. Auch als wohlhabender Mann war 
er heimgekehrt; mit einem nicht ungewöhnlichen 
Sinn für Ordnung und Sparsamkeit begabt, 
hatte er seinen Antheil aus der Beute sich zu 
erhalten gewußt; auch heißt es von ihm, er sei 
„ein geschwinder Spieler" gewesen und habe dem 
Prinzen von Oranien „alles abgewonnen". Ja, 
die deutschen Hauptleute erzählten von ihm, er 
habe „alles Gold, das Caspar Schwegler, des 
von Frundsberg Feldzahlmeister, hinter ihm 
verlassen, zu seinen Händen genommen." 
III. 
So konnte Konrad von Bemelberg an die 
Gründung einer Häuslichkeit denken. DerHeimath 
schon seit langer Zeit fremd geworden, auf den 
Dank des Hauses Habsburg angewiesen, das ihm 
so viel verdankte und es an Versprechungen 
auch nicht fehlen ließ, dem Herzog Ludwig von 
Baiern als Diener verpflichtet, sah sich Konrad 
veranlaßt, auf schwäbischer Erde einen Fleck zu 
suchen, auf dem er, wenn auch nur für kurze 
Zeit, eine Zuflucht aus dem wilden Kriegs- und
        

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